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	<title>Wissenschaft - Biochemie für dein genetisches Maximum</title>
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	<description>Der Blog von Chris Michalk &#38; Phil Böhm. Seit 2014.</description>
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	<title>Wissenschaft - Biochemie für dein genetisches Maximum</title>
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		<title>Gesunder Schlaf und Atemübungen für schlaue Köpfe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Phil Böhm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Jul 2015 13:36:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Motivation]]></category>
		<category><![CDATA[Gehirn]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gastartikel von Tim Gesunder Schlaf ist wichtig. In diesem Artikel erfährst du warum. Anhand aktueller Studien wird ausgeführt, wie Schlaf den Flüssigkeitshaushalt im Gehirn reguliert. Daran wird hoffentlich ersichtlich, weshalb uns eine gute Schlafqualität zum [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Gastartikel von Tim</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Gesunder Schlaf ist wichtig. In diesem Artikel erfährst du warum.</p>
<p style="text-align: justify;">Anhand aktueller Studien wird ausgeführt, wie Schlaf den Flüssigkeitshaushalt im Gehirn reguliert. Daran wird hoffentlich ersichtlich, weshalb uns eine gute Schlafqualität zum Beispiel vor <em>Morbus Alzheimer</em> schützt.</p>
<p style="text-align: justify;">In einem direkten Folgeartikel werde ich die Rolle der Atmung ausführen. Höhenluft und Atemübungen könnten womöglich ähnlich positive Effekte im Gehirn hervorrufen.</p>
<p style="text-align: justify;">Zu guter Letzt lernen die Sportler unter uns die Vorzüge eines Trainings unter Sauerstoffmangel kennen. Was für Möglichkeiten gibt es hierzu? Und was hat die Atmung mit dem vegetativen Nervensystem und meiner Trainingsleistung zu tun?</p>
<h2><strong>Besser spät als nie &#8211; eine bedeutende Entdeckung</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Vor Kurzem ging ein Ruck durch die Neuro-Community. Was war passiert?</p>
<p style="text-align: justify;">Eine anatomische Studie berichtete von einer neu-entdeckten Verbindung zwischen dem <strong>Gehirn</strong> und dem <strong>Lymphsystem</strong>.</p>
<p style="text-align: justify;">Unzählige Male haben Wissenschaftler in verschiedenste Tierarten &#8222;hineingeschaut&#8220;. Man glaubte, die <em>Hardware</em> der meisten Wirbeltiere sei beschrieben.</p>
<p style="text-align: justify;">Umso erstaunlicher also, dass es bis zum Jahre 2015 dauerte, um eine solch wichtige Entdeckung zu tätigen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Publikation im renommierten Fachjournal <em>Nature</em> konnte nun endgültig klären, dass Lymphgefäße unter der Schädeldecke entlang der Blutgefäße in die Hirnhäute hineinziehen (Louveau et al., 2015).</p>
<p style="text-align: justify;">Das hat weitreichende Implikationen, bedenkt man die <strong>Rolle der Lymphe für die Immunfunktion</strong>. Jeder kennt die geschwollenen Lymphknoten als Folge einer deftigen Erkältung.</p>
<p style="text-align: justify;">Zunehmend wird bei neurologischen Erkrankungen die Bedeutung von <strong>Entzündungen</strong> <em>(Neuroinflammation) </em>angesprochen.</p>
<p style="text-align: justify;">Eine direkte Verbindung mit dem Lymphsystem passt folglich absolut ins Bild. Viele Neuropathologien erhalten durch diese Entdeckung zusätzliche Facetten.</p>
<h3><strong>Nachtaktives Lymphsystem: </strong><strong style="line-height: 1.4;">Während du schläfst, bringt es den Müll raus</strong></h3>
<p style="text-align: justify;">Im besten Fall stellt das Gehirn ein recht abgeschottetes Kompartiment dar. Schadstoffe sollen draußen bleiben.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber nicht nur das: Eine interessante Studie konnte kürzlich zeigen, dass der kontinuierlich anfallende &#8222;<strong>Müll&#8220; aus dem Gehirn</strong> <strong>abtransportiert</strong> wird.</p>
<p style="text-align: justify;">Dieser Prozess geschieht insbesondere während des Schlafes (Xie et al., 2013). Der Müll verlässt das Gehirn wohl insbesondere auf der neu-entdeckten Route über die Lymphgefäße.</p>
<p style="text-align: justify;">&#8222;Müll&#8220; steht in diesem Fall insbesondere für <strong>fehlgefaltete Proteine</strong>, welche die Zellfunktion stören können. Solche Akkumulation zählen zu den typisch-morphologischen Veränderungen bei Neurodegeneration (Soto, 2003).</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><em><strong>Information</strong></em><br />
Bei <em>Morbus Alzheimer</em> kennt man senile Plaques, welche zum Beispiel aus dem aggregierten Protein <em>Amyloid-beta</em> bestehen. Des Weiteren kennt man das <em>Tau</em>-Protein als Bestandteil des Cytoskeletts. Bei Alzheimer-Kranken ist es übermäßig phosphoriliert, was zu den charakteristischen <em>neurofibrillrären Tangles</em> führt (Änderung der Zellform).</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;">Im Schlaf werden also solche fehlgefalteten, neurotoxischen Proteine entsorgt. Insbesondere die sogenannte <strong>Glia </strong>– ein lange Zeit übersehener Zelltyp im Gehirn &#8211; verändert während des Schlafes die Zellfunktion (und das Zellvolumen).</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><em><strong>Information</strong></em><br />
Auf Grund der engen Verbindung von Lymphgefäßen und Glia spricht man im Gehirn genauer gesagt vom <em>“glymphatic clearance pathway”</em>.</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;">Man kann sich diesen Prozess der Müllabfuhr als eine Art &#8218;Pulsieren&#8216; vorstellen. Die Zellen verändern ihr Volumen und der Raum zwischen den Zellen nimmt um bis zu 60% zu (Xie et al., 2013).</p>
<p style="text-align: justify;">Durch diese Druckveränderungen wird die Durchströmung des Gehirns mit den verschiedenen Körperflüssigkeiten gesteigert und die Interaktion zwischen den flüssigen Kompartimenten ermöglicht.</p>
<p style="text-align: justify;">Die &#8222;Müllabfuhr&#8220; kann ihren Job machen.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><em><strong>Information</strong></em><br />
Die Flüssigkeiteskompartimente umfassen<br />
<strong>(i)</strong> das Blut,<br />
<strong>(ii)</strong> die cerebrospinal Flüssigkeit in den Hirnventrikeln <em>(&#8222;Hirnliquor&#8220;)</em> sowie<br />
<strong>(iii)</strong> die interstitielle Flüssigkeit im Extrazellularraum und zwischen den Blutgefäßen <em>(&#8222;Virchow-Robin Raum&#8220;)</em>.</p>
<p style="text-align: justify;">Austausch zwischen diesen Flüssigkeiten ist also absolut essentiell um die Nährstoff-und Sauerstoffversorgung zu gewährleisten sowie den Abtransport neurotoxischer Substanzen zu ermöglichen (Abott, 2004; Nakada, 2014; Nakada, 2015).<br />
Sowohl die akute wie auch die langfristige Gehirngesundheit hängt davon ab.</p>
</blockquote>
<h3><strong>Durchblutung steigern, Hirnschwellungen und Übererregung vermeiden</strong></h3>
<p style="text-align: justify;">Ein interessantes und damit verbundenes Forschungsfeld sind die sogenannten <strong>Aquaporine</strong>.</p>
<p style="text-align: justify;">Das sind Kanäle, welche den passiven Transport von Wasser (und einigen anderen Molekülen) über Zellmembranen hinweg ermöglichen.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Wasserhaushalt einzelner Zellen ist für deren Volumen, Stoffwechsel und somit für die Gesundheit des gesamten Organismus relevant. Das ist inzwischen auch der Pharma-Industrie bewusst (Verkman et al., 2014).</p>
<p style="text-align: justify;">Zum Beispiel verringert die pharmakologische Hemmung von Aquaporin-4 nach einem <strong>Schlaganfall </strong>die typische Narbenbildung im Gehirn (Saadoun et al., 2005; Auguste et al., 2007). Somit fällt der Schaden geringer aus beziehungsweise die regenerativen Möglichkeiten verbessern sich.</p>
<h2><strong>Aquaporine selbst modulieren?</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Es wird spekuliert, dass Aquaporine auch anderweitig gehemmt werden können. Zum Beispiel durch <strong>mehr Kohlenstoffdioxid</strong> im Blut (Nakada, 2014; Nakada, 2015).</p>
<p style="text-align: justify;">Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass die Zusammensetzung der Atemluft profunde Auswirkungen auf den Flüssigkeitshaushalt der Zelle besitzt, ist die sogenannte <strong>Höhenkrankheit</strong>. Sie kann bei rapiden Aufstiegen in sensiblen Bergsteigern beobachtet werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Durch den geringeren Sauerstoffpartialdruck in der Höhe reichert sich CO<sub>2</sub> im Körper an. Bei unüberlegtem Vorgehen und in sensiblen Personen geschieht dies eventuell zu plötzlich für den jeweiligen Körper.</p>
<p style="text-align: justify;">Das CO<sub>2</sub> wirkt unter anderem auf die Aquaporine und verändert den Flüssigkeitshaushalt im ganzen Körper &#8211; inklusive im Gehirn. Die resultierende Schwellung führt daraufhin zu Schwindel, Übelkeit und kognitiven Beeinträchtigungen (Hackett &amp; Roach, 2004).</p>
<p style="text-align: justify;">In den schlimmsten Fällen können Betroffene bleibende Schäden in Form von “vaskulärer Demenz” davontragen (Usui et al., 2004).</p>
<p>Geht man allerdings behutsam vor, scheint eine reduzierte O<sub>2</sub> / CO<sub>2</sub> Ratio durchaus <strong>positiv für die Hirnaktivität </strong>sein zu können. Manch einer fühlt sich bei moderater Höhenluft spürbar &#8222;klarer&#8220; im Kopf.</p>
<blockquote><p><em><strong>Information</strong></em><br />
Übrigens kann ein zugelassenes Medikament dem höhenkranken Körper dabei helfen den CO<sub>2</sub> Haushalt besser zu regulieren. Man induziert also pharmakologisch diese “behutsame” Anpassung an die Höhe.Wie genau dieses Medikament das bewerkstelligt ist noch nicht umfassend geklärt (Leaf &amp; Goldfarb, 2006). In höheren Konzentrationen kann es offenbar akut die Gehirndurchblutung steigern <em>(&#8222;</em><em>Diamox</em><em>-Effekt&#8220;)</em>.<strong>Acetozolamide</strong> <em>(Diamox</em><em>®</em><em>)</em> ist ein Carboanhydrase-Inhibitor. Es hemmt also das Enzym, welches die reversible Umwandlung von CO<sub>2</sub> und Wasser in Hydrogencarbonat und H+ katalysiert. Neben der Höhenkrankheit gibt es weitere <em>off-label</em> Verwendungen für dieses Medikament. Es wurden positive Auswirkungen auf Epilepsie, Asthma oder Schlafstörungen dokumentiert.</p></blockquote>
<h3 style="text-align: justify;"><strong>Von </strong><strong>CO</strong><strong><sub>2</sub></strong><strong> Gewöhnung profitieren: reach the next (sea-)level</strong></h3>
<p style="text-align: justify;">Eine Anpassung an mehr CO<sub>2</sub> ist nichts anderes als eine Form des Trainings (Koehle et al., 2008). Äquivalent zu Anpassungen der Muskulatur infolge von Krafttraining kann man sich auch gegenüber den atmosphärischen Gegebenheiten widerstandsfähiger machen. Entsprechend einiger Hinweise könnten solche Anpassung für die allgemeine Gesundheit ähnlich vorteilhaft sein wie Sport (West, 2011; Voss et al., 2013/2014).</p>
<p>Manche dieser Vorzüge werde ich im nächsten Artikel detailliert ansprechen. Ebenso, welche Optionen es gibt, um in ihren Genuss zu kommen.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich hoffe es gelingt mir an den wichtigen Stellen zu betonen, wann es spekulativ wird &#8211; die Datenlage ist wohl mindestens genauso dünn wie die Luft auf 2500 m.</p>
<h2>References</h2>
<p>Abbott, N.Joan. &#8218;Evidence For Bulk Flow Of Brain Interstitial Fluid: Significance For Physiology And Pathology&#8216;. <em>Neurochemistry International</em> 45.4 (2004): 545-552. Web.</p>
<p>Foster, Glen E. et al. &#8218;Effects Of Two Protocols Of Intermittent Hypoxia On Human Ventilatory, Cardiovascular And Cerebral Responses To Hypoxia&#8216;. <em>The Journal of Physiology</em> 567.2 (2005): 689-699. Web.</p>
<p>Hackett, Peter H., and Robert C. Roach. &#8218;High Altitude Cerebral Edema&#8216;. <em>High Altitude Medicine &amp; Biology</em> 5.2 (2004): 136-146. Web.</p>
<p>Leaf, D. E., and D. S. Goldfarb. &#8218;Mechanisms Of Action Of Acetazolamide In The Prophylaxis And Treatment Of Acute Mountain Sickness&#8216;. <em>Journal of Applied Physiology</em> 102.4 (2006): 1313-1322. Web.</p>
<p>Louveau, Antoine et al. &#8218;Structural And Functional Features Of Central Nervous System Lymphatic Vessels&#8216;. <em>Nature</em> (2015): n. pag. Web.</p>
<p>Nakada, Tsutomu. &#8218;The Molecular Mechanisms Of Neural Flow Coupling: A New Concept&#8216;. <em>Journal of Neuroimaging</em> (2015): Web.</p>
<p>Nakada, Tsutomu. &#8218;Virchow-Robin Space And Aquaporin-4: New Insights On An Old Friend&#8216;. <em>Croat Med J</em> 55.4 (2014): 328-336. Web.</p>
<p>Saadoun, S. &#8218;Involvement Of Aquaporin-4 In Astroglial Cell Migration And Glial Scar Formation&#8216;. <em>Journal of Cell Science</em> 118.24 (2005): 5691-5698. Web.</p>
<p>Soto, Claudio. &#8218;Unfolding The Role Of Protein Misfolding In Neurodegenerative Diseases&#8216;. <em>Nature Reviews Neuroscience</em> 4.1 (2003): 49-60. Web.</p>
<p>Usui, Chie et al. &#8218;Irreversible Subcortical Dementia Following High Altitude Illness&#8216;. <em>High Altitude Medicine &amp; Biology</em> 5.1 (2004): 77-81. Web.</p>
<p>Verkman, Alan S., Marc O. Anderson, and Marios C. Papadopoulos. &#8218;Aquaporins: Important But Elusive Drug Targets&#8216;. <em>Nat Rev Drug Discov</em> 13.4 (2014): 259-277. Web.</p>
<p>Voss, J D et al. &#8218;Association Of Elevation, Urbanization And Ambient Temperature With Obesity Prevalence In The United States&#8216;. <em>Int J Obes Relat Metab Disord</em> 37.10 (2013): 1407-1412. Web.</p>
<p>Voss, Jameson D. et al. &#8218;Lower Obesity Rate During Residence At High Altitude Among A Military Population With Frequent Migration: A Quasi Experimental Model For Investigating Spatial Causation&#8216;. <em>PLoS ONE</em> 9.4 (2014): e93493. Web.</p>
<p>West, John B. &#8218;Exciting Times In The Study Of Permanent Residents Of High Altitude&#8216;. <em>High Altitude Medicine &amp; Biology</em> 12.1 (2011): 1-1. Web.</p>
<p>Xie, L. et al. &#8218;Sleep Drives Metabolite Clearance From The Adult Brain&#8216;. <em>Science</em> 342.6156 (2013): 373-377. Web.</p><p>The post <a href="https://genetisches-maximum.de/motivation/gesunder-schlaf-und-atemuebungen-fuer-schlaue-koepfe/">Gesunder Schlaf und Atemübungen für schlaue Köpfe</a> first appeared on <a href="https://genetisches-maximum.de">Biochemie für dein genetisches Maximum</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Bye Bye Paleo &#8211; Schluss mit der Pseudowissenschaft</title>
		<link>https://genetisches-maximum.de/paleo/paleo-pseudowissenschaft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Chris Michalk]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jul 2015 18:41:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Paleo]]></category>
		<category><![CDATA[Evolution]]></category>
		<category><![CDATA[Fett]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#8222;Paleo&#8220; heißt: Wir, als Art, sind daran angepasst Wenn ich darüber nachdenke &#8230; bald befasse ich mich seit einem Jahrzehnt mit der so genannten &#8222;Steinzeiternährung&#8220;, engl. &#8222;The Paleo Diet™&#8220; oder &#8222;Paläo-Diät&#8220;. Jahrelang war ich fasziniert [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align: justify;">&#8222;Paleo&#8220; heißt: Wir, als Art, sind daran angepasst</h2>
<p style="text-align: justify;">Wenn ich darüber nachdenke &#8230; bald befasse ich mich seit einem Jahrzehnt mit der so genannten &#8222;Steinzeiternährung&#8220;, engl. &#8222;The Paleo Diet™&#8220; oder &#8222;Paläo-Diät&#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">Jahrelang war ich fasziniert von dem Gedanken der <strong>Angepasstheit (= Adaptation) des Menschen an seine Umwelt und somit auch an eine (bestimmte) Ernährungsform</strong>.</p>
<p style="text-align: justify;">Das ist auch ganz wichtig: Die ganze Szene beruft sich genau auf dieses grundlegende, biologische Gesetz.</p>
<p style="text-align: justify;">Der &#8222;Umkehrgedanke&#8220; wird auch praktiziert: <strong>Ist es nicht &#8222;paleo&#8220;, ist es nicht gut für uns</strong>.</p>
<p style="text-align: justify;">An dieser Stelle finden wir bereits die erste ernsthafte Frage: Welche Zeiträume sind denn überhaupt relevant, wenn man sich mit der Frage nach der Angepasstheit beschäftigt? 40 Millionen Jahre oder doch eher 50.000?</p>
<p style="text-align: justify;">Der Name &#8222;Paläo&#8220; (&#8222;Paläolithikum&#8220;) beantwortet die Frage bereits vorweg: <strong>2,5 Millionen bis circa 10.000 vor Christus</strong>. Ungefähr in dieser Zeit (vor 2,5 Mio. Jahren) entstand die Gattung Homo. Homo <em>sapiens</em> ist circa 200.000 Jahre alt.</p>
<p style="text-align: justify;">Klar wird direkt: Alles, was danach passierte, wird als Zeitraum verstanden, in dem nicht nennenswerte Veränderungen bezüglich der Angepasstheit stattfanden.</p>
<p style="text-align: justify;">In diesen Zeitraum fällt auch das Dasein als Landwirt und Viehzüchter.</p>
<p style="text-align: justify;">Bitte beachten: &#8222;Primaten&#8220; gibt es seit 85 Mio. Jahren. Fossilien sind 55 Mio. Jahren alt. Menschenaffen gibt es seit circa 20 Mio. Jahren. Schimpansen und Menschen haben einen gemeinsamen Vorfahr &#8230; vor 5 Mio. Jahren war das.</p>
<p style="text-align: justify;">Also: Wir Menschen sind bestenfalls Hybride mit einer pflanzenfressenden Vergangenheit. Tatsächlich macht das Paläolithikum, im Hinblick die Geschichte der Menschenaffen, gerade einmal circa 10 % aus. Viele Vertreter der Paläo-Ernährung berufen sich sogar auf einen Zeitraum von nur 50.000 Jahren, wo die Eiszeit in Europa vermutlich einen enormen selektiven Druck ausübte. 50.000 Jahre &#8230;</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn die Evolution derart schnell agieren kann, wie wir das bei der Menschwerdung sehen können, wieso lassen wir dann die letzten 10.000 Jahre in unserer &#8222;Paläo-Rechnung&#8220; argumentativ nicht gelten?</p>
<p style="text-align: justify;">Als weiteren Denkanstoß, vorweg, möchte ich anmerken, dass heute lebende Europäer keine reinerbigen Wesen sind, die in der Eiszeit entstanden. Tatsächlich ist der Genpool in unserer Welt so durchmischt und erfährt eine so hohe Fluktuation, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass heute lebende Europäer sogar Wurzeln einer späteren Auswanderungswelle (aus Afrika) in sich tragen &#8211; und zwar nach der Eiszeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Hier wird direkt klar, dass Verallgemeinerungen jeglicher Art, nicht zielführend und sogar irreführend sind.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Paleo ist eine Scheinwissenschaft</h2>
<p style="text-align: justify;">Doch &#8230; je länger man sich mit der Wissenschaftlichkeit (!) dahinter befasst, umso &#8230; ja &#8230; schwieriger wird es, auch für einen selbst, die postulierten Dinge so zu akzeptieren.</p>
<p style="text-align: justify;">Denn: <strong>Solange man nicht klar beweisen bzw. definieren kann, was Paleo eigentlich ist, solange ist es ein schwammiges Gebilde, eine Fantasie-Figur, die zwar ein nettes Paradies suggeriert, aber das sich jeder &#8211; im Kopf &#8211; so gestalten kann, wie er das möchte. </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Denn genau am Punkt der Wissenschaftlichkeit scheitert jede Diskussion und Argumentation.</p>
<p style="text-align: justify;">Wie wollen wir die Sache &#8222;Paleo&#8220; wissenschaftlich greifbar machen? Beim derzeitigen Stand, ist das nicht möglich.</p>
<p style="text-align: justify;">Was viele nicht wissen: Alle (!) Studien zum Thema Paleo, also Studien, die versuchen, die Vergangenheit greifbar zu machen, sind <strong>reine Spekulationen</strong>!</p>
<p style="text-align: justify;">Wie soll das auch anders gehen?</p>
<p style="text-align: justify;">Wie soll man wissenschaftlich präzise rekonstruieren, was vor zwei Millionen Jahren passiert ist?</p>
<h2 style="text-align: justify;">Alle Paleo-Arbeiten sind Spekulationen</h2>
<p style="text-align: justify;">Also &#8230; noch einmal: Alle Studien zu dem Thema sind Spekulationen. Im besten Fall: Beobachtungen oder Kalkulationen.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch Wissenschaftler haben es schwer, bei solchen Themen eine ordentliche wissenschaftliche Arbeit abzuliefern.</p>
<p style="text-align: justify;">Das liegt ganz einfach daran, dass das Themengebiet &#8222;Paleo&#8220; so weit, breit und farbig ist, dass es einem Wunschkonzert gleicht, seine eigenen Thesen &#8211; vermeintlich objektiv &#8211; darzulegen.</p>
<p style="text-align: justify;">Es gibt eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Schwächen, so genannte &#8222;Experimenter&#8217;s bias&#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">Das sind im Prinzip Schwächen der menschlichen Natur bezüglich einer generellen Objektivität, die es im menschlichen Verstand eigentlich nahezu nicht gibt &#8211; zumindest nicht, solange der menschliche Verstand, ob bewusst oder unbewusst, &#8222;zuschlagen&#8220; kann.</p>
<p style="text-align: justify;">Doch werden wir konkreter.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Homo erectus als Fett-Fresser &#8211; oder doch eher der Autor?</h2>
<p style="text-align: justify;">Es gibt eine sehr ausführliche Studie zum Thema Homo <em>erectus</em>. Heißt: Viel Arbeit. In meinen Augen vertritt die Studie valide Gedanken (!), darum habe ich sie damals als kleine Erklärungshilfe in mein Buch gepackt, um ein möglichst breitgefächertes Bild von &#8222;Paleo&#8220; zu generieren &#8211; so gut wie dies auf 30-50 Seiten eben möglich ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Nun ja: Die Grundthese der Arbeit ist, dass Homo <em>erectus</em> Großwildjäger (genauer: Elefantenjäger) war, der viel Tierfett, viel Protein gefuttert hat. Auch in dieser Arbeit findet man viele Kalkulationen und so weiter. Von diesem Standpunkt aus &#8230; ist alles legitim. Diese Thesen kann man, so geschildert, ruhig vertreten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Problem: Der Autor dieser Studie hatte vor 4-5 Jahren einen Beitrag im englischen Paleo-Internet kommentiert, aus dem seine persönliche Position deutlich hervor ging.</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Seine Position: Ich praktiziere Low-Carb, eher noch Keto.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wohl gemerkt: Das war <em><strong>vor </strong></em>der Veröffentlichung seiner Arbeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Viele der Szene wussten das natürlich nicht und nutzen diese Arbeit, um &#8211; dann &#8211; allgemeingültige Thesen wiederum zu bestätigen. <strong>Nach dem Motto: Die Wissenschaft gibt uns recht!</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Falsch: <strong>Die Szene gibt sich selbst recht.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Man würde sicherlich auch keinen Schiri, der gerade Dortmund-Fan ist, ein Dortmund-Spiel pfeifen lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">Das kann man nur dann auch so einordnen, wenn man weiß, dass &#8222;Paleo&#8220; &#8211; wie es heute existiert &#8211;<strong> auf der Basis von vielleicht 10 wissenschaftlichen Arbeiten gegründet (und begründet) wurde</strong>.</p>
<p style="text-align: justify;">Und auch hier schrieben quasi zwei Autoren (Cordain und Eaton) den Großteil der Thesen (etc.) nieder.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Jeder Paleo-Wissenschaftler hat eine ganz eigene Vorstellung</h2>
<p style="text-align: justify;">Wenn man dann Cordain und Eaton studiert, wird wiederum klar, dass beide ganz andere Vorstellungen einer Paleo-Ernährung haben, was sich wiederum äußert in ihren Ausführungen.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch wenn Cordain ein sehr guter Wissenschaftler ist, der sich sicher sehr viel Mühe gibt und sichtlich nicht das praktiziert, was er postuliert (und somit vielleicht objektiver ist, :-) ), hat auch er sich später von einigen Punkten, die er selbst so dargelegt hat, distanziert. Vor allem bezogen auf gesättigte Fette und so weiter.</p>
<p style="text-align: justify;">Es gibt mittlerweile noch viele weitere Wissenschaftler, die sich mit dem Thema &#8222;Paleo&#8220; befassen und immer ihre ganz eigenen Thesen vertreten.</p>
<p style="text-align: justify;">Und wie das eben so ist, dann, wenn das Thema so schwammig ist und keiner das Gegenteil beweisen kann, wird auch jeder seine eigenen Thesen belegen können. So wie das u. a. Milton macht, auch eine Biologin (Anthropologin), die Primaten studiert hat und viele ihrer Thesen auch von ihren gewonnen Erfahrungen ableitet.</p>
<p style="text-align: justify;">Mich würde nicht wundern, wenn die sich wiederum vegan ernährt oder zumindest fast-fleischlos.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Selbstverarschen ist menschlich</h2>
<p style="text-align: justify;"><strong>Man kann als Wissenschaftler alle möglichen Thesen vertreten und mit anderen Studien untermauern</strong>. Dieses Phänomen nennt man <em>Cherry-Picking</em>. Man pickt sich eben die Früchte heraus, die man gerade für seine eigenen Behauptungen braucht und ignoriert die gesamte Datenlage. Dabei malt man dem geneigten Leser ein Bild, das &#8222;rund&#8220; erscheint, aber überhaupt nicht rund ist.</p>
<p style="text-align: justify;">(Anmerkung: Da wissenschaftliche Studien ebenfalls von Leuten durchgeführt werden, die sich wiederum auf andere Arbeiten berufen, kann eine ganz eigene &#8222;Arbeiten-Nische&#8220; entstehen, die sich selbst bestärkt und recht gibt. Klassisches Beispiel ist der Cholesterin-Hype in Verbindung mit dem Herzinfarkt. Die Wissenschaftler damals waren nicht dumm &#8230; nur, um das einmal gesagt zu haben. Nur &#8230; Unwahrheiten [oder besser: Unüberprüfbare, unbestätigte &#8222;Wahrheiten&#8220;] werden nicht wahr durch ständiges Wiederholen. Gilt auch für wissenschaftliche Arbeiten.)</p>
<p style="text-align: justify;">Ich könnte auf Anhieb ein paar Autoren (auch im deutschsprachigen Internet) nennen, die dieses Handwerk bestens beherrschen. Das gilt übrigens auch für das eigene Gehirn. Man kann sich &#8211; wörtlich &#8211; selbst verarschen. Auch vor allem dann, wenn man gerade etwas praktiziert und sich für die wissenschaftliche Wahrheit überhaupt nicht interessiert, solange man die ganz eigene Wahrheit im Herzen trägt &#8230; oder so ähnlich.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich bin selbstverständlich nicht frei davon und weiß, dass ich mein Unterbewusstsein mit Cherry-&#8222;Fakten&#8220; bombardiert habe &#8230; und am Ende voll von einer Sache überzeugt war. Dabei habe ich alles andere &#8211; bewusst und unbewusst &#8211; ignoriert. Heute weiß ich es besser und weiß, dass gute (!) Wissenschaft (= Biochemie) nicht lügt. Da kann ich mir noch 100 x einreden, dass die Fette in Butter optimal für meine Gesundheit sind und Olivenöl ein Kunstprodukt ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Darüber hinaus bedient sich Paleo &#8211; wie keine andere Ernährungsform &#8211; an Epidemiologie, an Beobachtungen und vermeintlichen, daraus resultierenden Ereignissen. Und das, obwohl die &#8222;Methoden&#8220; tatsächlich alles andere als valide sind. Oder anders ausgedrückt: Man zieht Rückschlüsse anhand von Menschen, die nicht mehr existieren (oder am anderen Ende des Kosmos leben) und deren Leben wir in keinster Weise nachvollziehen können, erfinden danach Ereignisse (&#8222;Diese Menschen hatten weniger Krankheiten als wir &#8230;&#8220;), die gut klingen, die aber allerhöchstens der Fantasie entspringen. Zumindest sind solche Aussagen aus der Sicht moderner Analysen völlig unzureichend und nichtssagend.</p>
<p style="text-align: justify;">Ignoriert wird dabei, dass man auch im Jetzt Epidemiologie betreiben kann. Stichwort &#8222;Blue Zones&#8220; etc. &#8211; aber diese Epidemiologie ist nicht erlaubt, zeigt Schwächen, hilft uns anscheinend nicht, sinnvolle Aspekte für unser persönliches Leben abzuleiten.</p>
<p style="text-align: justify;">Tatsächlich werden auch nur die Punkte ignoriert, die nicht in den eigenen Denkhorizont passen. Denn Populationen wie Masai oder Inuit werden gerne beschrieben. Von allen möglichen Leuten. Aber nicht der Objektivität halber, sondern der Legitimation wegen. Der Objektivität halber müsste man dann doch noch Volksgruppen wie Hadza, Kitava-Bewohner oder Menschen wie Tarahumara oder andere Ureinwohner irgendwelcher Länder (siehe oben, &#8222;Menschen vom anderen Ende des Kosmos&#8220;) erwähnen &#8211; Tatsache? Niemals. &#8222;Veganer!&#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Witz ist, dass diese heroischen Low-Carb-Völker, bei genauerer Betrachtung, ganz anders leben, als wir das in unserem Kopf gerne glorifizieren. Ich habe da mal ein paar ältere Studien herausgepickt und in meinem Buch zitiert. Ältere Studien &#8230; damit man auch wirklich den &#8222;alten, nativen Lebensstil&#8220; der Menschen bewerten kann. Denn auch dieses &#8222;früher war in diesen Stämmen alles besser&#8220; &#8230; wird gerne als Argument genutzt. Doch zurück: Masai-Männer, echte Masai-Männer haben im mittleren Alter Arteriosklerose wie alte US-Männer.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch die tollen Inuit sind alles andere als Vorbilder: Genmutationen verhindern die hepatische Ketogenese, der RQ weist nicht auf konstante Fettverbrennung hin, die Leber ist überdimensional groß, Arteriosklerose haben die massig, aber keinen Herzinfarkt (merkst du das Cherry-Picking?), weil das Blut durch Omega-3-Fettsäuren eine bessere Fließeigenschaft bekommt &#8211; leider geht damit ein deutlich erhöhtes Schlaganfallrisiko einher. Da platzen die Äderchen im Kopf halt schneller.  Letzteres erzählt man dir dann aber nicht.</p>
<p style="text-align: justify;">Keiner von den ganzen Paleo-Gurus hat jemals bei oder mit den Inuit gelebt. Kein einziger dürfte sich auch nur ein einziges Wort, Life-Style-beschreibendes Wort erlauben oder gar Aspekte für das tägliche Leben (bei uns!) ableiten. Sogar Cordain nutzt bei seinen ganzen Kalkulationen andere Arbeiten, deren Inhalt er ja nicht auf Korrektheit überprüfen kann. Wie soll das auch gehen? Er beschreibt etliche, natürlich lebende Völker &#8211; aber hat er sie auch besucht?</p>
<p style="text-align: justify;">Das sind doch keine argumentativen Grundlagen, um daraus dann ernsthaft und detailversessen ganze Lebensratschläge abzuleiten. Was soll das?</p>
<h2 style="text-align: justify;">Paleo ist ein &#8222;Kulturprodukt&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">Das eigentliche Problem von Paleo ist dann am Ende doch nicht die Studienlage, denn tatsächlich interessiert sich kaum jemand dafür, sondern die Kultur.</p>
<p style="text-align: justify;">Paleo durchläuft keine &#8222;echte&#8220; Evolution, sondern eine kulturelle &#8211; Paleo wird getragen von den einzelnen Strömen, die zum Teil tatsächlich aus &#8222;echter Evolution&#8220; hervorgehen, aber am Ende doch nur das Konstrukt von Menschen sind, die sich ihre ganz eigene Geschichte basteln und diese froh im Internet verkünden. Manchmal vereinen sich Ströme und erscheinen dann noch kräftiger.</p>
<p style="text-align: justify;">So geschieht es, dass Paleo am Ende keine auf Wissenschaft fußende, echte Bereicherung ist, sondern ein netter Roman, eine spannende Geschichte, die mit Biegen und Brechen ein interdisziplinäres Ganzes schaffen will &#8211; ganz in der Manier der Menschheit, eine Lösung für Alles finden möchte, eine &#8222;Feldtheorie&#8220;, eine zufriedenstellende Kohärenz.</p>
<p style="text-align: justify;">Dabei spielt es am Ende dann auch keine Rolle mehr, ob man es biochemisch (oder anders) begründen kann. Sobald das Totschlagargument, eine Paleo-Legitimation, fällt, gibt es nahezu keinen argumentativen Ausweg mehr. Und das, obgleich viele Paleo-Vertreter sehr weit weg sind von der tatsächlichen, originalen Wissenschaft hinter Paleo, diese womöglich noch nie studiert haben.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Paleo ist ein Marketing-Wunder</h2>
<p>Genau genommen ist es für uns Menschen schwer, eine &#8222;Ernährungsform &#8220; einfach deshalb so zu praktizieren, weil wir von Haus aus glauben, dass uns diese Form der Ernährung gut tut.</p>
<p>Häufig kommt dann noch ein Paradox hinzu, das wir von Kindern oder Tieren kennen.</p>
<p>Im Zusammenhang mit etwas Gutem, widerfährt uns etwas Schlechtes, was uns den Glauben an das Gute nimmt.</p>
<p>Resultat ist, dass wir eine 360-Grad-Wendung durchleben, anstatt Dinge mit Gefühl zu optimieren. 360 Grad deshalb, weil wir &#8211; nicht wissend &#8211; danach genauso schlecht dastehen wie vorher. Wenn nicht jetzt, dann auf lange Sicht.</p>
<p>Das ist dann ungefähr so: Weil einige mit Gluten nicht zurecht kommen, werden Kohlenhydrate im Allgemeinen nie wieder verzehrt. Man orientiert sich nun in eine andere Richtung und sucht nach Antworten auf das &#8222;Warum?&#8220;, hinter dem, was uns widerfahren ist.</p>
<p>Wohl gemerkt: Das sind menschliche Verhaltensweisen, eine ganz natürliche Sache.</p>
<p>Jedoch führt es häufig zur &#8222;Überkompensation&#8220;: Letztlich übersteuert man das Ganze und übertreibt in der Ausführung. Noch einmal: Eine Minimal-Intervention hätte gereicht, um das System neu zu justieren. Unsere Reaktion ist jedoch ein Weglaufen, eine Suche nach dem anderen, besseren Ort.</p>
<p>Ich habe das auch 1:1 so erlebt und habe letztendlich mehr Probleme mit dem &#8222;anderen Extrem&#8220; generiert.</p>
<p>Extreme wirken anziehend, wirken richtig. Vielleicht ist das eine Macke unserer Zeit. Aber, um auf den Eingangspunkt zurückzukommen, eine Ernährungsform lebt man nicht einfach so. Man zelebriert sie, am besten verknüpft man sie direkt mit einem sozialen Aspekt, mit einem Gruppen-Gefüge.</p>
<p>Das Schlimme ist, dass sich daraus ganze Marktzweige entwickeln, die aus einer guten Sache (&#8222;Die Suche nach der perfekten Ernährung&#8220;) ein Konstrukt entstehen lassen, das zwar den Verbraucher bedienen möchte, aber am Ende etwas kreiert, was man nicht braucht: Die &#8222;Paleo-Pizza&#8220;, &#8222;Paleo-Proteinpulver&#8220; und &#8222;glutenfreie Unterhosen&#8220;.</p>
<p>Anstatt zu fr*ssen, was wir von Natur aus als &#8222;natürlich, gut, gesund&#8220; einstufen und das zu unterlassen, was uns nicht gut tut (und nein, es sind nicht die Kohlenhydrate!), fließt massig Geld in eine Maschinerie, die wir nicht brauchen, die kostspielig ist und die uns nichts geben wird, was uns der gesunde Menschenverstand nicht auch diktieren könnte.</p>
<p>Anstatt den Blick auf die Vergangenheit zu richten und Lebensweisen zu emulieren, die wohl eher mit Fantasie, als mit Menschsein zu tun haben, sollten wir uns alle an der eigenen Nase packen und Geld in Nachhaltigkeit investieren, in Innovationen, in neue Möglichkeiten.</p>
<p>Nicht in das teure Angus-Steak, weil im Paleo-Buch geschrieben steht, dass wir alle Fleischfresser sind und täglich ein Kilogramm davon anpeilen sollten.</p>
<h2>Vom Top-Down zum Bottom-Up</h2>
<p style="text-align: justify;">Das größte Problem allerdings ist, dass es vielen Menschen schwer fällt, sich eine eigene, unvoreingenommene Meinung zu bilden. Dies geht selbstverständlich nur dann, wenn man über Methoden verfügt, um das zu bewerkstelligen.</p>
<p style="text-align: justify;">Vielen kann man diesbezüglich auch keinen Vorwurf machen, denn es bedarf vermutlich jahrelanger Erfahrung, um gewisse Behauptungen etc. richtig einschätzen zu können.</p>
<p style="text-align: justify;">Am Ende bleibt die Frage:<strong> Wieso muss es eine Top-Down-Analyse sein? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Antwort unserer Fragen finden wir nicht in Arbeiten zum Thema Evolution (&#8222;Top&#8220;), die Antworten unserer Fragen finden wir in den Zellen (&#8222;Bottom&#8220;), im Organismus, in unserer Physiologie, in unserer Biochemie.</p>
<p style="text-align: justify;">Es muss ein Umdenken her. <strong>Eine Bottom-Up-Analyse</strong>.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Evolution kann uns helfen, biochemische Tatsachen (!) zu erklären.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Evolution per se ist ein sehr, sehr schlechter Ratgeber, um konkrete, spezielle Aspekte für uns abzuleiten. <strong>Wir verrennen uns!</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Und so bleibt am Ende &#8211; bezogen auf die Ernährung &#8211; das nüchterne Ergebnis: Es gibt kein Schwarzweiß, es gibt Diversität wie Sand am Meer, der menschliche Organismus kann mit einer riesigen Breite an Nahrungsmitteln gut umgehen. <strong>Es gibt keine spezielle, artgerechte Ernährung</strong>.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Biochemie lehrt uns, dass die Frage nach der &#8222;speziellen&#8220; Ernährung weit weniger wichtig ist, als die Frage nach dem Life-Style. Oder anders ausgedrückt: Lasst uns das System Mensch fokussieren, nicht Glaubenskriege bezüglich der Frage nach der &#8222;richtigen Ernährung&#8220; &#8211; dann, ja dann kann eine Top-Down-Analyse tatsächlich Sinn machen.</p>
<p style="text-align: justify;">Nicht, um &#8222;spezielle Diäten&#8220; abzuleiten, sondern Grundprinzipien.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Doch dafür muss man kein Evolutionsbiologe sein. Dafür muss man ein Mensch sein &#8230; mit gesundem Menschenverstand, Intuition und Körperintelligenz. </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Jedes Kind weiß das.</p>
<p style="text-align: justify;">Und ja, es geht auch ohne Fleisch. Und ohne Paleo-Diät.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Wie ist deine Meinung zur Paleo-Diät? Hinterlasse einen Kommentar! (PS: Glaubenskriege und unnötige Diskussionen sind nicht erwünscht.)</h2><p>The post <a href="https://genetisches-maximum.de/paleo/paleo-pseudowissenschaft/">Bye Bye Paleo – Schluss mit der Pseudowissenschaft</a> first appeared on <a href="https://genetisches-maximum.de">Biochemie für dein genetisches Maximum</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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