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	<title>Kaffee - Biochemie für dein genetisches Maximum</title>
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	<description>Der Blog von Chris Michalk &#38; Phil Böhm. Seit 2014.</description>
	<lastBuildDate>Wed, 16 Jul 2025 06:45:03 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Kaffee - Biochemie für dein genetisches Maximum</title>
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	<item>
		<title>Ich liebe Koffein (Nikotin gegen Long Covid?)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Chris Michalk]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Jul 2025 06:37:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Energiehaushalt]]></category>
		<category><![CDATA[Kaffee]]></category>
		<category><![CDATA[Pflanzenstoffe]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schon mitbekommen? Gerade ist eine Arbeit von der Uni Leipzig erschienen, Thema Long Covid. Nicht wieder Kopf in den Sand stecken, sondern ein vielversprechender Therapieansatz. Nikotin gegen Long Covid Studien hätten nämlich herausgefunden, dass bei [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Schon mitbekommen?</p>
<p>Gerade ist <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40011942/">eine Arbeit</a> von der Uni Leipzig erschienen, Thema Long Covid. Nicht wieder Kopf in den Sand stecken, sondern ein vielversprechender Therapieansatz.</p>
<h2>Nikotin gegen Long Covid</h2>
<p>Studien hätten nämlich herausgefunden, dass bei Long Covid offenbar ein wichtiger Rezeptor blockiert ist, durch das Virus blockiert sein könnte: der <em>nikotinische Acetylcholinrezeptor </em>(kurz: nAChR).</p>
<p>Der wurde insbesondere bekannt, weil er für die Reizweiterleitung zwischen Nerv und Muskel entscheidend ist. Bindungspartner dort ist <strong>Acetylcholin</strong>. <strong>Nikotin</strong> kann auch daran binden und wirken. Deshalb heißt der Rezeptor entsprechend.</p>
<ul>
<li>Bestimmte Formen dieses Rezeptors finden sich aber z. B. auch<strong> auf Immunzellen</strong> (<em>α7-nAChR</em>).</li>
</ul>
<p style="padding-left: 40px;">Hier dämpft der Rezeptor Immunreaktionen. Jetzt wird&#8217;s spannend, nicht wahr? Ein blockierter Rezeptor könnte das Immunsystem dauerhaft aktiver halten.</p>
<ul>
<li>Besonders im Fokus steht der <em>α4β2-nAChR</em>. Der kommt nämlich <strong>reichlich im ZNS</strong>, also auch im Gehirn vor.</li>
</ul>
<p style="padding-left: 40px;">Dort aktiviert er Wachheit, Aufmerksamkeit, Lernen und stimuliert Dopamin, Stichwort innerer Antrieb. Das Gegenteil könnte sein&#8230; Konzentrationsstörungen, Fatigue, &#8222;Brain Fog&#8220;, vegetative Dysregulation. Oh!</p>
<p>Die Idee: Menschen mit niedrig dosiertem transdermalem Nikotin behandeln. Bei einem intensiv untersuchten Probanden (Case Report) aktivierte Nikotin das nAChR-System im Gehirn und führte zu deutlicher Besserung der Symptomatik.</p>
<p>Zudem wurde ein Fragebogen ausgewertet, der zuvor an über 200 Menschen verschickt wurde, die niedrig dosierte transdermale Nikotin-Therapie bereits für sich nutzten. Ergebnis:</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Über 2/3 der Teilnehmer berichteten über signifikante Besserungen!</strong></p>
<p>Finde ich bahnbrechend. Also ich wüsste ja, wie ich handeln würde&#8230;</p>
<h2>Mit Koffein zur Langlebigkeit?</h2>
<p>Apropos handeln. Die Natur liefert uns einen weiteren, sehr verbreiteten und bekannten Stoff. <strong>Koffein</strong>. Koffein ist mein Lebenselexier. Natürlich in Maßen&#8230;</p>
<p>Zum Beispiel wie <strong>im Schwarztee mit kurzer Ziehzeit.</strong> Über meinen selbstgemachten Eistee, Stichwort Theanin, habe ich ja erst am vergangenen Wochenende im Newsletter berichtet.</p>
<p style="padding-left: 40px;">Du bist noch nicht dabei? Das ist ja schade! :-)</p>
<p>Wenn ich an Koffein denke, denke ich an zwei Effekte:</p>
<ol>
<li><strong>Mehr Energie</strong></li>
<li><strong>Anti-Krebs-Wirkung</strong></li>
</ol>
<p>Koffein macht Energie, weil es direkt den Zentralschalter für &#8222;mehr Energie&#8220; in den Zellen, nämlich <strong>cAMP</strong> (<em>zyklisches Adenosinmonophosphat</em>) erhöht und uns mehr vom Neurohormon <strong>Noradrenalin</strong> (= innerer Antrieb) schenkt.</p>
<p>Zudem scheint Koffein ziemlich gut vor Krebs zu schützen. Das legen einige Studien nahe. <a href="https://rdcu.be/ewoFe">So eine</a> ist vor kurzem wieder im renommierten Fachmagazin <em>Nature Communications</em> erschienen.</p>
<p>Ganz aktuell ist <a href="http://microbialcell.com/researcharticles/2025a-alao-microbial-cell/">eine Arbeit</a> an einem mit uns verwandten Einzeller (Hefe). An diesem Modell konnten die Wissenschaftler zeigen, dass Koffein den &#8222;uralten Langlebigkeitsschalter&#8220; AMPK aktiviert. Zur Erinnerung: <strong>Langlebigkeit und Prävention geht nur und geht hauptsächlich über AMPK.</strong></p>
<blockquote><p>Ein direkter pharmakologischer Angriff auf AMPK könnte sich auch über Hefen hinaus positiv auf die Gesundheit und Lebensdauer auswirken, da dieser wichtige zelluläre Energiesensor sehr konserviert ist.</p></blockquote>
<p>Das ist natürlich keine neue Erkenntnis. Koffein ist einer der wichtigsten AMPK-Aktivatoren, die wir täglich zuführen können.</p>
<h2>Kaffee und Kippe, oder was?</h2>
<p>Man kann Dinge ja immer gut oder schlecht machen. Die meisten entscheiden sich meistens intuitiv für den falschen Weg :-) <strong>Mit Kaffee und Kippe geht&#8217;s eher nicht.</strong></p>
<p>Man sollte das Gute schon destillieren. Wie das gehen könnte, steht ja hier im Artikel.</p>
<p>Jedenfalls hat uns die Natur mit Koffein und Nikotin zwei wirkungsvolle Substanzen geschenkt, die sich chemisch relativ ähnlich sind und beide zu den psychoaktiven Alkaloiden zählen.</p>
<p>Natürlich darf man vorsichtig damit umgehen – und natürlich muss man sie auch gar nicht nutzen. Aber speziell für Long-Covid-Betroffene scheint sich hier ein neuer Therapieansatz zu ergeben. Sollte man wissen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Würdest du diesen Stoff konsumieren?</title>
		<link>https://genetisches-maximum.de/pflanzenstoffe/wuerdest-du-diesen-stoff-konsumieren/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Chris Michalk]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Jun 2024 11:09:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Energiehaushalt]]></category>
		<category><![CDATA[Kaffee]]></category>
		<category><![CDATA[Pflanzenstoffe]]></category>
		<category><![CDATA[Stoffwechsel]]></category>
		<category><![CDATA[Zellgesundheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Tag hauen wir uns ja alles mögliche rein. Nach wie vor verstehen die meisten Menschen nicht, dass Essen und Trinken eine der beiden größten Einflussfaktoren für unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind. Jeder Einzeller weiß [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: proxima-nova;">Am Tag hauen wir uns ja alles mögliche rein.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Nach wie vor verstehen die meisten Menschen nicht, dass Essen und Trinken eine der beiden größten Einflussfaktoren für unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Jeder Einzeller weiß seit hier seit Milliarden von Jahren Bescheid, genau wie jeder Löwe in der Savanne.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Daher darf die Frage gestattet sein, ob du etwas zu dir nehmen würdest, was wie folgt wirkt:</span></p>
<p style="padding-left: 40px;"><span style="font-family: proxima-nova;">✓ Hemmt Verdauungsenzyme</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Macht den Darm &#8222;leaky&#8220;</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Beschleunigt die Magenentleerung und hemmt so eine gute Verdauung</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Hemmt Enzyme deines Energiestoffwechsels</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Erzeugt in der Zelle einen Energiemangel</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Hemmt die so wichtige Methylierung (Genregulation! Energiestoffwechsel!)</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Hat so weitreichende Effekte auf die Gehirngesundheit, Krebsabwehr, Energielevel</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Erhöht Stresshormone</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Überdreht dich neurokognitiv</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Stört deinen Tiefschlaf (Regeneration! Anpassungsfähigkeit!) </span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Erhöht Insulin</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Hemmt die Glukoseverarbeitung</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Überdreht deine Mitochondrien </span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Hemmt die Produktion von Antikörpern (Immunsystem!)</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Verändert das Verhalten von Immunzellen</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Senkt Vitamin-B-Spiegel</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Hemmt die Aufnahme von Spurenelementen</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Verändert die Verteilung der Spurenelemente in den Geweben</span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Stört allgemein Hormongleichgewichte (z. B. Schilddrüse!) </span><br />
<span style="font-family: proxima-nova;">✓ Steigert den Abbau von energieerzeugenden Elementen wie Häm (Hämeisen!) </span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Würdest du sowas zu dir nehmen? Vermutlich nicht. </span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;"><strong>Nennt sich Kaffee.</strong> Zugegeben: kein Stoff, aber ein Stoffgemisch. </span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Wenn Jugendliche bzw. Anfang-20-jährige heute ihren Carnivore-Hype leben, weiß ich, dass da viel dran ist. Pflanzen, allen voran ihre Reproduktionsorgane, schützen sich massiv gegen Fraßfeinde. </span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Und das macht, oft subtil, große gesundheitliche Probleme. </span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Blöd nur: Die meisten dieser Carnivores hauen sich das Steak rein, meiden die Banane, aber gönnen sich fröhlich ihren Capuccino. Also, nichts verstanden – oder einfach:<strong> gefangen im Gift einer Pflanze. </strong></span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Denn etwas, was für dich nicht gut ist, dich aber abhängig macht &#8230; ist toxisch. Das kennt der eine oder andere vielleicht aus anderen Lebensbereichen. Bei der Ernährung, gerade da, ist es nicht anders. </span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Merke: <strong>Du bist nicht krank, du trinkst nur zu viel Kaffee.</strong> Sollte man sich auf seine Kaffeetasse schreiben :-) </span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kaffee: Der heimliche Insulinsaboteur</title>
		<link>https://genetisches-maximum.de/ernaehrung/kaffee-der-heimliche-insulinsaboteur/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Chris Michalk]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Apr 2024 08:01:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Kaffee]]></category>
		<category><![CDATA[Ketogen]]></category>
		<category><![CDATA[Stoffwechsel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt zwei Möglichkeiten abzunehmen. Mit biologischem Rückenwind Ohne biologischen Rückenwind Den ersten Fall hat die Natur eigentlich für uns eingerichtet: Das Insulin-Signaling fällt, das heißt die AMPK/mTOR-Ratio steigt an. Kennen wir vom Fasten. Insulin niedrig, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt zwei Möglichkeiten abzunehmen.</p>
<ul>
<li>Mit biologischem Rückenwind</li>
<li>Ohne biologischen Rückenwind</li>
</ul>
<p>Den ersten Fall hat die Natur eigentlich für uns eingerichtet: <strong>Das Insulin-Signaling fällt, das heißt die AMPK/mTOR-Ratio steigt an</strong>.</p>
<p>Kennen wir vom Fasten. Insulin niedrig, Wachstumshormon steigt an, wir verbrennen Fett und haben kaum Hunger. Einen Gewichtsrebound gibt es hier nur selten. Das hat man auf dieser Abbildung gut visualisiert:</p>
<figure id="attachment_323744" aria-describedby="caption-attachment-323744" style="width: 809px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Comparison-2.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-323744" title="Comparison 2" src="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Comparison-2.png" alt="Comparison 2" width="809" height="416" srcset="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Comparison-2.png 2696w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Comparison-2-300x154.png 300w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Comparison-2-1024x526.png 1024w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Comparison-2-768x395.png 768w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Comparison-2-1536x790.png 1536w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Comparison-2-2048x1053.png 2048w" sizes="(max-width: 809px) 100vw, 809px" /></a><figcaption id="caption-attachment-323744" class="wp-caption-text"><strong><em>Adaptiert von mir (<a href="https://www.startwellness.com/blog/intermittent-fasting/intermittent-fasting-calorie/">Quelle</a>) </em></strong></figcaption></figure>
<p>Vielleicht hat es ja einen Grund, warum die meisten von uns so lange ein bisschen (oder stark) übergewichtig sind, bis die Bauchspeicheldrüse den Geist aufgibt und wir &#8230; <strong>einfach kein Insulin mehr im System haben</strong>.</p>
<p>Was mit Diabetikern passiert, die kein Insulin bekommen, passiert, hat mein damaliger Zellbio-Professor mal so ausgedrückt:</p>
<blockquote><p>Die fallen vom Fleisch.</p></blockquote>
<p>Und werden natürlich krank, weil Hirn, Muskeln, Knochen und Co. eine bestimmte Insulinwirkung brauchen, um gesund zu bleiben. <strong>Daher ist Diabetes sicher keine tolle Diätoption.</strong></p>
<h2>Low Insulin ist nicht immer Low carb</h2>
<p>Aber man kann etwas lernen. Zum Beispiel, dass man vielleicht so lebt, dass Insulin bzw. <strong>die Insulinwirkung nicht überdreht</strong> und wir uns in einem <strong>ständigen Insulinbad</strong> wiederfinden.</p>
<p>Der außerordentliche Erfolg von Low- bzw. No-carb-Diäten liegt unter anderem daran, dass man dieses oben geschilderte System verstanden hat. Wo es im Körper einen Hebel zum <em>Aufbau</em> gibt, muss es auch einen zum geregelten <em>Abbau</em> (Katabolie) geben.</p>
<p>Doch Moment&#8230; Denn die Folgerungen sind leider nicht immer richtig.</p>
<ol>
<li>Es muss nämlich nicht per se Low carb sein, besser wäre wohl &#8222;Right carb&#8220;. Wurzelgemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse und so weiter (&#8222;zelluläre Carbs&#8220;) sind ja auch Kohlenhydrate, aber die werden halt so verstoffwechselt, dass wir nicht im Insulin baden. Hatte ich ja alles schon x-fach erklärt.</li>
<li><strong>Es gibt Dinge in unserem Leben, die das Insulin-Signaling verstärken.</strong></li>
</ol>
<p>Beim zweiten Punkt höre ich immer eine leise Stimme im Kopf, die &#8222;ätschi bätsch!&#8220; sagt. Und nur ungerne schreibe ich darüber. Also zum Beispiel darüber, dass Milchprodukte uns insulinogen(er) machen. Das muss ja so sein, weil die fürs schnell wachsende Kalb gemacht sind.</p>
<p>Oder darüber, dass Kaffee uns insulinogener macht. Und zwar zum einen den Empfänger des Insulins, also die (Fett-)Zelle. Die verstärkt die Wirkung des Insulins dann einfach. Ungünstig. <strong>Zum anderen erhöht Kaffee, vor allem in Verbindung mit Koffein, das Insulin nach Mahlzeiten.</strong></p>
<h2>Mit Kaffee ins Insulinbad</h2>
<p>Eine <a href="https://diabetesjournals.org/care/article/33/2/278/27026/Decaffeinated-Coffee-and-Glucose-Metabolism-in">Beispielstudie</a> zeigt dies ganz gut. Hier duften junge Männer ein Placebo, koffeinfreien, koffenhaltigen Kaffee bzw. Koffein trinken (T-60). Eine Stunde später (T0) wurde ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT) durchgeführt. Der Insulinverlauf sah so aus:</p>
<figure id="attachment_323702" aria-describedby="caption-attachment-323702" style="width: 791px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class="wp-image-323702 " title="Verlaeufe Pastelltne ohne Ereignisse" src="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Verlaeufe_PastelltC3B6ne_ohne_Ereignisse.png" alt="Verlaeufe Pastelltne ohne Ereignisse" width="791" height="475" srcset="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Verlaeufe_PastelltC3B6ne_ohne_Ereignisse.png 2000w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Verlaeufe_PastelltC3B6ne_ohne_Ereignisse-300x180.png 300w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Verlaeufe_PastelltC3B6ne_ohne_Ereignisse-1024x614.png 1024w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Verlaeufe_PastelltC3B6ne_ohne_Ereignisse-768x461.png 768w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Verlaeufe_PastelltC3B6ne_ohne_Ereignisse-1536x922.png 1536w" sizes="(max-width: 791px) 100vw, 791px" /><figcaption id="caption-attachment-323702" class="wp-caption-text"><strong><em>Eigene Grafik </em></strong></figcaption></figure>
<p>Sowohl der entkoffeinierte als auch der koffeinierte Kaffee (der ganz besonders) ließen Insulin massiv ansteigen. Die Fläche unter dem Kurvenverlauf (AUC) – also die ausgeschüttete Insulinmenge über den kompletten Zeitraum – lässt sich auch so darstellen:</p>
<figure id="attachment_323703" aria-describedby="caption-attachment-323703" style="width: 587px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class="wp-image-323703 " title="Insulin AUC Pastellfarben" src="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Insulin_AUC_Pastellfarben.png" alt="Insulin AUC Pastellfarben" width="587" height="440" srcset="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Insulin_AUC_Pastellfarben.png 1600w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Insulin_AUC_Pastellfarben-300x225.png 300w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Insulin_AUC_Pastellfarben-1024x768.png 1024w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Insulin_AUC_Pastellfarben-768x576.png 768w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2024/04/Insulin_AUC_Pastellfarben-1536x1152.png 1536w" sizes="(max-width: 587px) 100vw, 587px" /><figcaption id="caption-attachment-323703" class="wp-caption-text"><strong><em>Eigene Grafik </em></strong></figcaption></figure>
<ul>
<li>Der entkoffeinierte Kaffee potenziert die Insulinausschüttung um ca. 44 %.</li>
<li>Der koffeinierte Kaffee erhöht die Insulinausschüttung um ca. 90 % (= fast doppelt so viel!)</li>
<li>Zum Vergleich: Koffein alleine kann hier für einen gewaltigen Insulinzusatz sorgen!</li>
</ul>
<p>Auch in einer großen <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/pmid/30505337/">chinesischen Studie</a> mit über 1300 Probanden mit erhöhtem Diabetesrisiko fand man unter Kaffeetrinkern über fünf Zeitpunkte nach einem OGTT insgesamt ca. 23 % höhere Insulinwerte im Vergleich zu Abstinenzlern. Obwohl die Blutglukosewerte etwas besser waren, lag der HOMA-Index (Maß für die Insulinresistenz) 20 % höher und damit im insulinresistenten Bereich.</p>
<p>Es kommt also eben nicht immer nur drauf, ob man ein Stück Torte isst (ganz böse!). Es geht eben auch darum, dass der/die Otto-Normal-Deutsche das ja mit einer großen Tasse Kaffee runterspült. Und morgens ja auch schon. Und dazwischen ja auch schon.</p>
<h2>Kaffee-Stoffe wirken wie Insulin</h2>
<p>Warum wirkt Kaffee so? Er ist ein Wirkstoffgemisch aus ca. 1500 Substanzen. Einige der wirksamen Pflanzenstoffe sind gut charakterisiert.</p>
<ul>
<li>Das bekannte <strong>Koffein</strong></li>
</ul>
<p>&#8230; erhöht Stresshormone und kurbelt den Energiestoffwechsel via cAMP (ein Botenstoff) an – die Folge: das Fettgewebe gibt mehr Fettsäuren ab, die eigentlich verbrannt werden sollten. Außerdem ist Koffein ein Adenosinrezeptorantagonist, was <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0928098715000299">in Studien</a> insulinresistent macht. Ich erinnere an der Stelle an <a href="https://genetisches-maximum.de/energiehaushalt/kaffee-und-koffein-machen-energiekrise/">diesen Artikel</a>.</p>
<p>Ergo: Der Körper ist im Flight-or-fight-Modus und will körpereigene Energie verbrennen. Wenn wir an der Stelle noch Kohlenhydrate bzw. viel Energie ins System kippen (Sahnetorte!), erhöht sich der Insulinspiegel ziemlich stark (siehe oben). Keine Raketenwissenschaft.</p>
<p>Mal ist das nicht schlimm. Viele von uns baden aber den ganzen Tag in Koffein – und essen weiterhin fröhlich die Currywurst.</p>
<ul>
<li><strong>Cafestol</strong>, ein fettlösliches Terpen</li>
</ul>
<p>&#8230; erhöht <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26465380/">in Studien</a> dosisabhängig die Insulinsekretion. Wer seine Bauchspeicheldrüse regelmäßig in Kaffee, d. h. Cafestol badet, darf auf eine erhöhte Insulinausschüttung (siehe oben) hoffen.</p>
<blockquote><p>Langfristige Exposition mit (&#8230;) Cafestol erhöhte die Insulinsekretion um 34% bzw. 68%.</p></blockquote>
<ul>
<li><strong>Chlorogensäure</strong></li>
</ul>
<p>&#8230; ist neben Koffein vermutlich der Hauptwirkstoff des Kaffees und zeitgleich das vielleicht wichtigste Polyphenol auf dem Speiseplan eines westlich lebenden Menschen.</p>
<p>Die Chlorogensäure ist in mechanistischen Studien ein potenter <em>PPARγ-Agonist </em>(<a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3766985/">1</a>, <a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s10973-020-09801-w">2</a>)<em>. </em>Die PPARs sind Genschalter, die weitreichenden Einfluss auf unseren Energiestoffwechsel haben.</p>
<p>PPARγ findet sich vorwiegend im Fettgewebe und dient der Nährstoffaufnahme und -speicherung. Daher wird es nach dem Essen (unter Insulin) besonders aktiv – Ziel: Zuckeraufnahme und Fettspeicherung.</p>
<blockquote><p>Chlorogensäure (CGA) ist ein neuartiger Insulinsensibilisator, der die Insulinwirkung potenziert. (&#8230;) Die Potenz von CGA zur Stimulierung der Aufnahme von (markierter Glukose) war vergleichbar mit der des Antidiabetikums Rosiglitazon (TZD).</p></blockquote>
<p>PPARγ-Agonisten werden auch medikamentös in der Typ-2-Diabetesbehandlung eingesetzt. Man drückt den Zucker mit dieser Methode förmlich in die Zellen.</p>
<p>Das hat seinen Preis. <strong>Die als Thiazolidinedione (TZD bzw. Glitazone) bekannten Medikamente sorgen nämlich ziemlich oft für eine Unterhautfettzunahme. </strong>Ein wunderbares Beispiel dafür, wie Medikamente das Problem nicht beheben, sondern erst mal aufschieben und später (weil noch mehr Fett = Insulinresistenz) verschlimmern.</p>
<p>In einem <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38098209/">druckfrischen Review</a> heißt es:</p>
<blockquote><p>Im Vergleich zu der Kontrollgruppe erhöhte TZD signifikant das Unterhautfettgewebe, das Gesamtkörperfett, das Gewicht, den Taillenumfang und den Body-Mass-Index.</p></blockquote>
<p>Das ist die Folge, wenn man das Insulinsignaling überdreht. Freilich wird den Leuten deshalb empfohlen, sich mit einer Kalorieneinschränkung (&#8222;Low calorie diet&#8220;) schlanker zu quälen. Biologischer Gegenwind!</p>
<h2>Kaffee macht dank Insulin gute Laune</h2>
<p>Der Kaffee-induzierte Insulinboost ist ein (oder der?) Grund, warum wir so gerne Kaffee trinken. Er ist ein Insulinmimetikum, im wahrsten Sinne des Wortes. Und unsere Zellen lieben halt Insulin – und daher auch Junkfood, weil das massiv Insulin triggert. Insulin aktiviert im Hirn dann Gute-Laune-Signalwege.</p>
<p style="padding-left: 40px;">Zum Beispiel dadurch, dass mehr Tryptophan ins Hirn kommt, woraus Serotonin (&#8222;Glückshormon&#8220;) wird. (Vgl. <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7260070/">Zou et al. 2020</a>)</p>
<p>Was unsere Zellen nicht wissen: <strong>dass wir nicht mehr in der Steinzeit leben.</strong></p>
<p>Ich versuche das ja immer wieder zu erklären&#8230; Für den Diabetiker ist Kaffee ganz toll, weil er den letzten Rest des Insulins noch aus der Bauchspeicheldrüse kratzt. Für uns Noch-nicht-Diabetiker ist Kaffee halt ein nettes Genussmittel, das einige beim Erreichen ihres Ziels (gute Körperkomposition) hemmt.</p>
<p>Genau so erklären das auch moderne Studien, z. B. Zusammenfassungen. Die sagen halt: &#8222;Ja mei&#8230; immerhin drückt der hohe Insulinspiegel den Blutzucker dann runter!&#8220; Und das soll dann vor Diabetes schützen. Völlig absurd. (Vgl. <a href="https://europepmc.org/article/med/31193893">Reis et al. 2018</a>)</p>
<blockquote><p>&#8230; bei Langzeitstudien kann koffeinhaltiger Kaffee den glykämischen Stoffwechsel <em>verbessern</em>, indem er die Glukosekurve senkt und die Insulinantwort <em>erhöht</em>.</p></blockquote>
<h2>Mal ein bisschen Ernährung verstehen</h2>
<p>Es sind genau solche Zusammenhänge, die nie verstanden werden. Natürlich <em>muss</em> ein starker Kaffeetrinker, der sich für Gesundheit interessiert, vom Grundgefühl her irgendwann zum Schluss kommen, dass man die Carbs noch weiter senken muss, um gesünder zu werden und abzunehmen.</p>
<p>Der merkt ja, dass der Körper irgendwie zu anabol, zu insulinogen ist. Einziger Schluss: Der Kaffee halt ohne Torte, nur noch mit Sahne, umgedeutet: Butterkaffee (&#8222;Bulletproof&#8220;, was für ein Witz!). Dieses irre Verhalten muss man doch mal durchschauen.</p>
<p>Umgekehrt wird meist ein Schuh draus: <strong>Die meisten Leute bräuchten vielleicht gar kein &#8222;Low carb&#8220;, sondern einfach mal &#8222;No coffee&#8220;, damit der Körper mal wieder runter von seinem Insulintrip kommt.</strong></p>
<p>Das wiederum ist – das weiß ich aus der Praxis – nur schwer vermittelbar. Ich höre schon das &#8222;Aber&#8230;&#8220;. Und natürlich hat das &#8222;Aber&#8220; insofern Gültigkeit, als Kaffee ja auch nützliche Seiten hat. Mein Punkt ist daher eher: Hinterfrage deinen Überkonsum und teste 30-60 Tage ohne, <strong>um dein Körper auf Kaffee besser zu verstehen</strong>.</p>
<p>Nur so kannst du deinen biologischen Rückenwind nutzen.</p><p>The post <a href="https://genetisches-maximum.de/ernaehrung/kaffee-der-heimliche-insulinsaboteur/">Kaffee: Der heimliche Insulinsaboteur</a> first appeared on <a href="https://genetisches-maximum.de">Biochemie für dein genetisches Maximum</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Kaffee &#038; Immunsystem</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Chris Michalk]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Jul 2023 09:07:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Immunsystem]]></category>
		<category><![CDATA[Kaffee]]></category>
		<category><![CDATA[Prävention]]></category>
		<category><![CDATA[Vitamine]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die für uns im Alltag vermutlich wichtigsten Immunzellen sind Neutrophile. Sie machen rund die Hälfte bis zwei Drittel der Immunzellen des Blutes – Leukozyten – aus. Das sollte was heißen. Auch wenn Antikörper und T-Zellen [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://genetisches-maximum.de/vitamine/kaffee-immunsystem-neutrophile/">Kaffee & Immunsystem</a> first appeared on <a href="https://genetisches-maximum.de">Biochemie für dein genetisches Maximum</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: proxima-nova;">Die für uns im Alltag vermutlich wichtigsten Immunzellen sind Neutrophile. Sie machen rund die Hälfte bis zwei Drittel der Immunzellen des Blutes – Leukozyten – aus. Das sollte was heißen.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Auch wenn Antikörper und T-Zellen immer als besonders wichtige Komponenten des Immunsystems dargestellt werden, so sind es die Neutrophilen, die oft wirklich entscheidend sind, wenn es darum geht, Infekte schnell und nachhaltig auszuheilen.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Das hatten wir <a href="https://genetisches-maximum.de/praevention/wo-die-leistung-des-immunsystems-wirklich-steigt-und-faellt/">hier</a> ausführlich erklärt.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;"><em>Antikörper</em> blockieren die Wirkung von Pathogenen. <em>T-Zellen</em> vernichten mit Pathogenen befallene Zellen. <strong>Aber Neutrophile machen die Drecksarbeit und vernichten große Mengen Pathogene direkt oder schränken sie in ihrer Beweglichkeit ein.</strong></span></p>
<h2><span style="font-family: proxima-nova;">Wunderwaffe Neutrophile</span></h2>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Dabei können Neutrophile in sehr tiefe Schichten eines jeden Gewebes einwandern und selbst dort Pathogene vernichten, wo Antikörper oder T-Zellen gar nicht hinkommen könnten. Neutrophile machen den Weg frei ;-)</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Sie haben ein beeindruckendes Waffenarsenal:</span></p>
<ul>
<li><span style="font-family: proxima-nova;">Sie können &#8222;Netze&#8220; spannen (<em>Neutrophil Extracellular Traps</em>) in denen sich Pathogene verheddern und verfangen und so umliegende Gewebe nicht weiter infizieren können.</span></li>
<li><span style="font-family: proxima-nova;">Sie können Pathogene mit bestimmten, z. B. zellwandauflösenden Proteinen bombardieren (<em>Degranulation</em>)</span></li>
<li><span style="font-family: proxima-nova;">Sie können Viren, Bakterien und Co. mit Sauerstoffradikalen und Säuren (hypochlorige Säure) &#8222;verbrennen&#8220;.</span></li>
</ul>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Speziell letztere Eigenschaft ist essentiell. Denn Neutrophile, die Hunderte Male größer sind als z. B. Viren, sperren ihren &#8222;Mund&#8220; weit auf und schlucken Viren wie Wale Krebse – bei diesem Prozess werden sie via Sauerstoffradikale und hypochlorige Säure zersetzt.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Man spricht von <em>Oxidative Burst. </em>Denn hier werden bewusst und aktiv Sauerstoffradikale – die man sonst unter dem Begriff <em>oxidativen Stress</em> verbucht – von Neutrophilen gebildet, die u. a. weiter zu hypochloriger Säure reagieren, um Pathogene zu vernichten.</span></p>
<h2><span style="font-family: proxima-nova;">Nrf2: Das Gleichgewicht </span></h2>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Natürlich will man das möglichst zielgerichtet haben. Nicht wenige Menschen sind chronisch entzündet, nicht wenige Menschen haben <em>systemisch</em> oxidativen Stress. Warum? Weil die Leute einfach nicht auf ihren Lebensstil achten. Völlig überflüssig also.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;"><strong>Genau das ist ein Grund, warum Kaffee stets bejubelt wird.</strong> Der Erlöser, der Retter. Denn Kaffee aktiviert einen Schalter, der den oxidativen Stress natürlicherweise austariert und damit senkt: <strong>Nrf2</strong>.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Nrf2 wird auch im Zuge von Infekten aktiv, dann, wenn u. a. Neutrophile mal so richtig losgelegt haben. Ziel: Oxidativen Stress bremsen, so dass Gewebe gesund bleiben. <strong>Nrf2 dient also dem körpereigenen Feintuning und der Balance zwischen Oxidation und Antioxidation.</strong></span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Nun leben wir in einer Zeit, in der Tenor ist, dass Antioxidation ganz wichtig und toll ist. Daher werden stets Interventionen beworben, die Oxidation hemmen, die &#8222;anti-entzündlich&#8220; sind und vor den bösen (Sauerstoff-)Radikalen schützen.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Die meisten kommen nicht auf die Idee, dass Antioxidation eben nicht immer ganz toll ist – zum Beispiel bei Infekten. Da will man den Immunzellen – den Neutrophilen – ja nicht ihre Waffe wegnehmen.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Und da denke ich immer an die Menschen, die mehrfach im Jahr krank und selbst ausgewiesene Kaffeeliebhaber sind. Ob die wissen, dass sie sich möglicherweise ihre Immunfunktion mit ihrem Kaffeeabusus unterdrücken?</span></p>
<h2><span style="font-family: proxima-nova;">Kaffee senkt Oxidative Burst </span></h2>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">In einem ganz, ganz einfachen in-vitro-Versuch haben Forscher Menschen mal Blut entnommen und ein bisschen Kaffee dazu geträufelt, um zu schauen, was das mit den hier beschriebenen Neutrophilen macht.</span></p>
<figure id="attachment_322889" aria-describedby="caption-attachment-322889" style="width: 777px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-322889 " title="kaffee neutrophile oxidative burst" src="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/07/kaffee-neutrophile-oxidative-burst-1024x252.png" alt="kaffee neutrophile oxidative burst" width="777" height="191" srcset="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/07/kaffee-neutrophile-oxidative-burst-1024x252.png 1024w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/07/kaffee-neutrophile-oxidative-burst-300x74.png 300w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/07/kaffee-neutrophile-oxidative-burst-768x189.png 768w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/07/kaffee-neutrophile-oxidative-burst-1536x378.png 1536w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/07/kaffee-neutrophile-oxidative-burst-2048x504.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 777px) 100vw, 777px" /><figcaption id="caption-attachment-322889" class="wp-caption-text"><span style="font-family: proxima-nova;"><em><strong><span style="font-family: proxima-nova;">Kaffee senkt die Superoxidproduktion von Neutrophilen um 60 % – jedenfalls im Reagenzglas ;-)</span></strong></em></span></figcaption></figure>
<p><span style="font-family: proxima-nova;"><strong>Die Wissenschaftler finden doch glatt, dass Neutrophile bei diesem ganz einfachen Setting rund 60 % weniger Sauerstoffradikale (Superoxid) bilden.</strong> Kaffee entwaffnet hier also ganz gekonnt die Neutrophilen – glücklicherweise nur im Reagenzglas.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Natürlich werden diese Erkenntnisse in der Arbeit gefeiert. Die Autoren folgern:</span></p>
<blockquote><p><span style="font-family: proxima-nova;">Es könnte bedeuten, dass Kaffee die Potenz von oxidativem Stress verringern könnte. Mit anderen Worten: Kaffee könnte unsere Gesundheit vor oxidations-assoziierten, entzündlichen Erkrankungen schützen.</span></p></blockquote>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Ich denke, hier werden ganz schön viele Aspekte vertauscht. Denn: Menschen sind entweder chronisch entzündet, weil sie Infekte nicht ordentlich ausheilen. Dafür wären die Erkenntnisse hier also eher nicht zuträglich, im Gegenteil. Das Immunsystem würde schwächer werden.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Oder sie sind (chronisch) entzündet, weil sie ihren Lebensstil nicht in den Griff bekommen – <strong>dafür wäre Kaffee aber kein Heilmittel, sondern höchstens Symptombekämpfung mit Nebenwirkungen.</strong> Warum sollte man auch auf die Torte verzichten, wenn man sie mit Kaffee runterspülen kann, nicht wahr?</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Jedenfalls zeigen Studien seit vielen Jahren, dass Kaffee ziemlich potent diese mit <em>aktivem Immunsystem</em> assoziierten Prozesse hemmt. 2018 wurde beispielsweise <a href="https://jurnal.ugm.ac.id/mkgi/article/view/28352">eine vergleichbare Studie</a> veröffentlicht, die zeigte, dass Robusta-Kaffee die TNF-α-Bildung der Neutrophilen bei bakterieller Stimulation hemmt.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">TNF-α gilt heute als Botenstoff, der unbedingt niedrig gehalten werden sollte. Denn obwohl er sämtliche Immunzellen stimuliert und maßgeblich das Immunsystem steuert, ist er gleichermaßen mit Entzündung und damit entzündlichen Erkrankungen assoziiert – leider sind die wiederum eine Erfindung der Neuzeit.</span></p>
<h2><span style="font-family: proxima-nova;">Nette Erkenntnisse: Vitamin B3 boostet Neutrophile</span></h2>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Übrigens: Es sind auch die Neutrophilen, von denen 2012 gezeigt wurde, dass sie <em>Staphylococcus aureus</em>, ein bekanntes Bakterium, 100-1000-fach stärker abtöten, wenn hohe Dosen Nicotinamid (eine Form von Vitamin B3) ins Medium gegeben werden. (vgl. <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3428083/">Kyme et al. 2012</a>) </span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Schon 2009 konnte u. a. vom deutschen Forscher Karl Welte gezeigt werden, dass Nicotinamid <a href="https://www.strunz.com/news/immunsystem-verwoehnen.html">&#8222;schnell und gut&#8220; Neutrophile macht</a>. Denn Nicotinamid aktiviert einen essentiellen Zellschalter, der wichtig bei der Reifung von Granulozyten ist. (vgl. <a href="https://www.nature.com/articles/nm.1913">Skokowa et al. 2009</a>) </span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Bei Dosen von 10-20 mg/kg Körpergewicht – also weit über herkömmlichen Mengen – verdoppelte sich die Neutrophilenzahl bei Gesunden bereits innerhalb eines Tages. Die Werte sanken nach Absetzen von Vitamin B3 wieder auf Basislevel (Tag 10) ab.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-322893 aligncenter" title="granulozyten vitamin b3" src="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/07/granulozyten-vitamin-b3.png" alt="granulozyten vitamin b3" width="453" height="338" srcset="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/07/granulozyten-vitamin-b3.png 646w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/07/granulozyten-vitamin-b3-300x224.png 300w" sizes="auto, (max-width: 453px) 100vw, 453px" /></span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Auch bei kranken Menschen, die aus genetischen Gründen zu wenig Neutrophile bilden, wirkt Nicotinamid. Die Erkenntnisse wurden <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33471934/">erst 2021, auch u. a. von Karl Welte, publiziert</a>.</span></p>
<h2><span style="font-family: proxima-nova;">Der Ausblick  </span></h2>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Überspitzt formuliert: Mehr Vitamine und weniger Kaffee ist das Gegenteil von dem, was wir in unserer Gesellschaft generell so leben. <strong>Da ist Kaffee das schwarze Gold und Vitamine sind unnötig.</strong></span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Gilt meistens solange, bis einem das Leben an den Karren fährt. Plötzlich stehen die Leute überfordert und in erlernter Hilflosigkeit da und wissen nicht weiter. Dass sowas aus psychologischer Sicht nicht optimal ist, haben wir ja erst in den vergangenen Jahren erlebt.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Erst dann beginnen die Leute mal umzudenken und zu verstehen, dass es einen Unterschied zwischen unserer westlichen Normalität und der Normalität normaler Menschen gibt. Bei letzteren ist sowas wie eine Entzündung gut, bei uns meistens tödlich.</span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Da kommt mir doch glatt wieder mein Vorbild Jack Lalanne in den Sinn, der sich selbst als &#8222;huge believer in vitamins&#8220; bezeichnete. Kaffee würde er nicht mal seinem Hund geben. Und er selbst nahm ein Leben lang &#8222;alles ein, von A bis Z, einschließlich Dingen wie Fischöl, Lebertran, allen Vitaminen und Mineralien und Enzymen&#8220;. </span></p>
<p><span style="font-family: proxima-nova;">Gut, wollen wir mal nicht übertreiben. Der kleine Espresso am Morgen hat vermutlich noch keinem das Immunsystem zerschossen. Das sei uns vergönnt. :-) </span></p>
<p>&nbsp;</p><p>The post <a href="https://genetisches-maximum.de/vitamine/kaffee-immunsystem-neutrophile/">Kaffee & Immunsystem</a> first appeared on <a href="https://genetisches-maximum.de">Biochemie für dein genetisches Maximum</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Hypomethylierer: Vorsicht vor Kaffee!</title>
		<link>https://genetisches-maximum.de/ernaehrung/hypomethylierer-vorsicht-vor-kaffee/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Chris Michalk]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Apr 2023 07:26:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Kaffee]]></category>
		<category><![CDATA[Kontroverses]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich frage mich, ob überhaupt jemand auf den Artikel klickt. Was ist denn ein Hypomethylierer? &#8222;Vorsicht vor Kaffee&#8220;?! Nicht mit mir! Kennen wir. Trotzdem ist mit der Artikel ein Anliegen. Methylierung kurz und knapp Aktuell [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://genetisches-maximum.de/ernaehrung/hypomethylierer-vorsicht-vor-kaffee/">Hypomethylierer: Vorsicht vor Kaffee!</a> first appeared on <a href="https://genetisches-maximum.de">Biochemie für dein genetisches Maximum</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich frage mich, ob überhaupt jemand auf den Artikel klickt.</p>
<ol>
<li>Was ist denn ein Hypomethylierer?</li>
<li>&#8222;Vorsicht vor Kaffee&#8220;?! Nicht mit mir!</li>
</ol>
<p>Kennen wir. Trotzdem ist mit der Artikel ein Anliegen.</p>
<h2>Methylierung kurz und knapp</h2>
<p>Aktuell erscheinen einige moderne Studien über die epigenetische Wirkung von Kaffee (<a href="https://www.nature.com/articles/s41467-021-22752-6">Q</a>, <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28198392/">Q</a>, <a href="https://academic.oup.com/hmg/article/26/16/3221/3848993?login=false">Q</a>). <strong>Denn man weiß lange, dass Kaffee Gene an- bzw. abschalten kann.</strong> Einer der wichtigsten Regulatoren dieser Genaktivitäten ist die <em>Methylierung</em>. Und genau das wird vermehrt untersucht.</p>
<p>Denn: über komplizierte Reaktionskreisläufe (s. Abb. 1), in denen u. a. die <strong>essentielle Aminosäure Methionin</strong> und die <strong>Vitamine B6, B12, B2, Cholin</strong>, aber vor allem <strong>Folsäure (Folate)</strong> involviert sind, entsteht am Ende ein &#8222;universeller Methylgruppen-Spender&#8220;, das s. g. <em>S-Adenosylmethionin</em> (kurz: <em>SAMe</em>). Vielleicht schon mal gehört, z. B. <a href="https://genetisches-maximum.de/blutwerte/homocystein-wert-senken/">hier</a> ;-)</p>
<p style="padding-left: 40px;">Die Methylgruppe an sich ist vielleicht die einfachste Kohlenstoffverbindung – sie besteht nur aus einem Kohlenstoffatom (C), das mit drei Wasserstoffatomen (H) verknüpft ist, was dann chemisch <em>CH3-</em> macht.</p>
<p>Und das o. g. <em>S-Adenosylmethionin</em> verteilt diese Methylgruppe an andere chemische Verbindungen. Über die Methylierung werden einige sehr, sehr wichtige Stoffe gebildet (z. B. Kreatin, Carnitin, Melatonin) oder wichtige chemische Reaktionen gespeist (z. B. Abbau von Stresshormonen via <em>COMT</em>).</p>
<figure id="attachment_322578" aria-describedby="caption-attachment-322578" style="width: 633px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-322578 " title="homocystein methylierung taurin mthfr" src="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/04/homocystein-methylierung-taurin-mthfr.png" alt="homocystein methylierung taurin mthfr" width="633" height="458" srcset="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/04/homocystein-methylierung-taurin-mthfr.png 1416w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/04/homocystein-methylierung-taurin-mthfr-300x217.png 300w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/04/homocystein-methylierung-taurin-mthfr-1024x741.png 1024w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/04/homocystein-methylierung-taurin-mthfr-768x555.png 768w" sizes="auto, (max-width: 633px) 100vw, 633px" /><figcaption id="caption-attachment-322578" class="wp-caption-text"><strong><em>Abb. 1: Der Folat- und der Methionin-Zyklus sind verbunden. Wichtiges Ziel: Die Bildung von SAMe, das z. B. Methyltransferasen wie die DNA-Methyltransferase mit einer Methylgruppe belädt.   (<a href="https://www.fxmedicine.com.au/blog-post/what-methylation">Quelle</a>) </em></strong></figcaption></figure>
<h2>Hemmt Kaffee die DNA-Methylierung?</h2>
<p>Besonders wichtig ist die Methylierung allerdings auch – wie angedeutet– für die <strong>Genregulation</strong>: Methylgruppen werden an bestimmte Stellen der DNA geheftet, wodurch Gene &#8222;stumm&#8220; geschaltet werden. Über wichtige Experimente diesbezüglich hatten wir <a href="https://genetisches-maximum.de/evolution/epigenetik-leben-und-tod-selbst-der-hand/">hier</a> schon berichtet.</p>
<p>Kurz: <strong>Durch DNA-Methylierung können z. B. krankmachende Gene stummgeschaltet werden</strong>. Das berühmteste Experiment dafür sind die bekannten <em>Agouti</em>-Mäuse, wo das <em>Agouti</em>-Gen natürlicherweise zu aktiv ist – das macht die Tiere krank, fett, diabetisch und schenkt ein <span style="color: #000000;">gelbes Fell</span>.</p>
<figure id="attachment_322574" aria-describedby="caption-attachment-322574" style="width: 334px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-322574 " title="agouti.jpg" src="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/04/agouti.jpg.webp" alt="agouti.jpg" width="334" height="390" srcset="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/04/agouti.jpg.webp 438w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/04/agouti.jpg-257x300.webp 257w" sizes="auto, (max-width: 334px) 100vw, 334px" /><figcaption id="caption-attachment-322574" class="wp-caption-text"><strong><em>Abb. 2: Durch das &#8222;Stummschalten&#8220; des Agouti-Gens über Methylgruppen (grün; rechts), werden Mäuse braun statt gelb und bleiben stoffwechselgesund.</em></strong></figcaption></figure>
<p>Durch vermehrtes Füttern von Stoffen, die die Methylgruppen-Bildung forcieren – die stehen oben: Folat, Cholin, B12, usw. – in der Schwangerschaft, kann das Agouti-Gen bei Nachkommen via Methylierung (Abb. 2., grün) unterdrückt werden und die Tiere bleiben gesund und haben ein braunes Fell. Hier fungiert das Fell also quasi als Marker für die DNA-Methylierung.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>DNA-Methylierung ist wichtig.</strong></p>
<p>Es geht allerdings nicht um einzelne Gene, sondern um Muster, also um <em>Methylierungsmuster</em>. Das kann man sich so vorstellen: <strong>Es geht wie bei der Musik nicht um einzelne Töne, sondern um die Melodie, also um das Resultat eines stimmigen Musters an Tönen.</strong></p>
<p>Daher untersuchen Wissenschaftler heutzutage &#8230; <em>Methylierungsmuster</em> an der DNA. Man kann sich vorstellen, dass z. B. Sportler ein völlig anderes <em>Methylierungsmuster</em> an ihrer Muskel-DNA aufweisen als Sitzenbleiber. Das wiederum wird Auswirkungen haben auf das <em>Methylierungsmuster</em> des ganzen Körpers &#8230; und so weiter.</p>
<p>Über Kaffee liest man ganz modern u. a. folgendes:</p>
<blockquote><p>Studien deuten darauf hin, dass Kaffeeextrakt und seine Bestandteile möglicherweise die Genexpression durch Veränderung der DNA-Methylierung (&#8230;) beeinflussen können und somit lang anhaltende Auswirkungen auf das Epigenom haben.</p></blockquote>
<p>Das wurde schon vor bald 20 Jahren an zwei Hauptwirkstoffen des Kaffees gezeigt, nämlich der Chlorogensäure und der Kaffeesäure (<a href="https://academic.oup.com/carcin/article/27/2/269/2476070">Q</a>). Auch der Kaffee-Extrakt kann sowas logischerweise.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Diese Bestandteile fungieren dabei als <span style="text-decoration: underline;">Hemmstoffe der DNA-Methylierung</span>.</strong></p>
<p>Denn <em>S-Adenosylmethionin</em> überträgt die Methylgruppe auf eine <em>DNA-Methyltransferase</em> – und die überträgt die Methylgruppe wiederum auf die DNA. <strong>Kaffee scheint genau diese DNA-Methyltransferase potent zu hemmen.</strong> Und auf diese Weise beeinflusst Kaffee die DNA-Methylierung.</p>
<p>Das wiederum kann je nach Lebensstilkontext helfen, gesündere Methylierungsmuster zu reetablieren oder &#8230; eine <span style="text-decoration: underline;">globale Hypomethylierung</span> provozieren, die dann nicht wirklich hilft, im Gegenteil.</p>
<h2>Hypomethylierung: Kaffee schützt &#8230; oder schadet</h2>
<p>Das bringt uns wieder zum Individuum.</p>
<p>Allgemein gilt: Methylierung ist besonders beim Embryo/Fötus entscheidend, weshalb eine <span style="text-decoration: underline;">Hypo</span>methylierung in der Schwangerschaft – z. B. durch Folat-Mangel – extrem ungünstige Effekte auf Nachkommen hat. Genau solche Effekte zeigen sich auch bei Tierversuchen mit Kaffeebestandteilen.</p>
<p>Bei Erwachsenen wird es ein bisschen differenzierter. Denn viele moderne, lebensstilabhängige Erkrankungen – aber auch Krebs (<a href="https://www.nature.com/scitable/topicpage/the-role-of-methylation-in-gene-expression-1070/">Q</a>) – gehen mit <span style="text-decoration: underline;">Hyper</span>methylierungen bestimmter schützender Gene einher (= Gene sind stumm geschaltet), sodass Interventionen, die <span style="text-decoration: underline;">hypo</span>methylierend wirken, gesundheitsschützend sind (= Gene sind wieder aktiv). Aus diesem Grund ist eine bestimmte Menge an Kaffee sicher äußert gesund.</p>
<blockquote><p>Tumorsuppressorgene werden in Krebszellen aufgrund von <span style="text-decoration: underline;">Hyper</span>methylierung häufig zum Schweigen gebracht. Im Gegensatz dazu sind die Genome von Krebszellen im Vergleich zu normalen Zellen nachweislich insgesamt <span style="text-decoration: underline;">hypo</span>methyliert&#8230;</p></blockquote>
<p>Entscheidend ist das Bigger Picture, wie so oft: <strong>Kaffee</strong> <span style="text-decoration: underline;"><strong>nimmt</strong></span>. <a href="https://www.instagram.com/p/CfgJUTOM194/?hl=de">Es hemmt z. B. eine Vielzahl an Enzymen</a>, stört den Energiestoffwechsel. In niedrigen Dosen ist das förderlich, weil wir dem Körper im Leben immer erst ein bisschen nehmen müssen, um zu bekommen.</p>
<p>Man kann also beispielsweise nicht nur den ganzen Tag essen (&#8222;Geben&#8220;), man muss auch mal nicht essen (&#8222;Nehmen&#8220;). Man kann nicht immer nur sitzen bleiben und sich schonen (&#8222;Geben&#8220;), man muss sich auch mal sportlich, körperlich quälen (&#8222;Nehmen&#8220;) &#8230; um gesund zu bleiben.</p>
<p><strong>Deshalb ist es gut, wenn uns in unserer <em>Überfluss</em>gesellschaft <em>genommen</em> wird. Durch Kaffee.</strong> Zum Beispiel, indem er Verdauungsenzyme hemmt. Oder eben, indem er <span style="text-decoration: underline;">demethylierend</span> wirkt. Das sorgt dann am Ende des Tages dafür, dass wir halt trotz der Sahnetorte ein bisschen (stoffwechsel-)gesünder sind.</p>
<p><strong>Logischerweise gibt es hier eine Balance.</strong> Mit Blick auf die Genregulation: Methylgruppen von der DNA zu nehmen, wenn zu viel Methylgruppen dran hängen: gut. Noch mehr Methylgruppen von der DNA zu nehmen, wenn nicht mehr viele dran hängen: schlecht.</p>
<p>Eine gute DNA-Methylierung ist bei Erwachsenen z. B. entscheidend für die Gesundheit unserer Neuronen. Die können nur wachsen und neue Synapsen bilden, wenn sie genug methylieren können (s. Abb. 3).</p>
<p>Auch deshalb reguliert die DNA-Methylierung im Gehirn &#8222;motorische Funktion, kognitive Leistung, Langzeitpotenzierung (Lernen!), emotionales Verhalten&#8220; – und schaltet freilich Risikogene z. B. für Alzheimer an oder aus (<a href="https://www.mdpi.com/2073-4409/10/11/3064">Q</a>, <a href="https://www.mdpi.com/2072-6643/13/11/3979">Q</a>).</p>
<p>Hier zeigt sich ggf. die Dichotomie der Kaffeewirkung: Während niedrige Mengen durchaus schützend auf das Gehirn und damit offenbar positiv auf Methylierungsmuster wirken, sind hohe Mengen Kaffee mit einem höheren Demenzrisiko und einer verstärkten Hirnatrophie assoziiert (<a href="https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/1028415X.2021.1945858">Q</a>).</p>
<p>Was &#8222;hoch&#8220; für das <strong>Individuum</strong> jedoch ist, ist maximal &#8230; individuell und liegt nicht zuletzt daran, welcher Lebensstil sozusagen die Basis ist. Mehr zur &#8222;Statistik über die Kaffeewirkung&#8220; hatten wir <a href="https://genetisches-maximum.de/praevention/statistik-ein-kleines-missverstaendnis/">hier</a>.</p>
<figure id="attachment_322576" aria-describedby="caption-attachment-322576" style="width: 550px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/04/embj2020107100-abs-0001-m.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-322576 size-full" title="embj2020107100 abs 0001 m" src="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/04/embj2020107100-abs-0001-m.jpg" alt="embj2020107100 abs 0001 m" width="550" height="399" srcset="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/04/embj2020107100-abs-0001-m.jpg 550w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2023/04/embj2020107100-abs-0001-m-300x218.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px" /></a><figcaption id="caption-attachment-322576" class="wp-caption-text"><strong><em>Abb. 3: Die Neurogenese, also die Neubildung von Nervenzellen aus neuronalen Stammzellen, brauchen eine ausreichende DNA-Methylierung (oberer Teil des Bildes), um &#8222;erwachsen&#8220; und hochgradig funktionell zu werden. Fehlt eine ausreichende DNA-Methylierung (unterer Teil), ist &#8222;die vom Hippocampus abhängige kognitive Flexibilität&#8220; eingeschränkt. </em></strong></figcaption></figure>
<h2>Ganz mein Humor: MTHF ergänzen, literweise Kaffee trinken</h2>
<p>Ein zweiter Teil des Bigger Picture ist ein Hinweis von mir. Ein weiteres Paradoxon, über das man manchmal fast schmunzeln muss: <strong>Viele Menschen sorgen sich – ob wissend oder unwissend – um ihre Methylierung.</strong></p>
<p style="padding-left: 40px;">Übrigens besonders vor und zu Beginn der Schwangerschaft. Denn Folat nimmt man deshalb, weil Neuralrohrdefekte entstehen, wenn nicht genug oder falsch methyliert wird. Das betrifft DNA, aber auch Proteine und andere chemische Substanzen, die insbesondere in der frühen Schwangerschaftsphase stark von der Methylierung abhängen.</p>
<p>Ganz modern ist z. B. die Genanalyse der <em>Methylentetrahydrofolat-Reduktase</em>, kurz <em>MTHFR </em>(s. Abb 1.). Da gibt es dann z. B. die bekannte C677T-Mutation (rs1801133), bei der die Enzymfunktion, je nachdem, ob man die Mutation einfach oder doppelt trägt, um 65-90 % verringert sein kann.</p>
<p><strong>Betrifft immerhin fast jeden zweiten Europäer. </strong>Die Folge ist, dass der Körper nicht gut darin ist, das aktive Folat (5-MTHF) zu bilden, was zwangsläufig dazu führt, dass vermeintlich weniger S-Adenosylmethionin gebildet wird, womit wir wieder beim Thema Methylierung wären.</p>
<p style="padding-left: 40px;">Wichtig: Ob eine MTHFR-Mutation tatsächlich Krankheitswert hat, ist nach wie vor Thema in der Forschung. Denn wie immer gilt auch hier, dass es vielleicht etwas komplexer ist als es zunächst zu sein scheint. Der Körper ist nun mal ein System und es lohnt oft nicht, eine Stelle zu fixieren. Der einzelne Ton macht selten die Musik. So scheint C677T eher im Kontext einer folatarmen Ernährung eine Rolle zu spielen.</p>
<p>Na ja, jedenfalls betreiben Menschen viel Aufwand, nutzen dann z. B. 5-MTHF als Ergänzungsmittel, um ihre Spiegel zu wahren und damit die Methylierung zu unterstützen. Gute Idee an und für sich. <strong>Dumm nur, wenn man das Ganze mit den üblichen Kaffee-Mengen runterspült, der ja offenbar das Gegenteil bewirkt. </strong></p>
<p>Was uns wieder zu den gelben (wenig Methylierung, krank) oder braunen (viel Methylierung, gesund) Agouti-Mäusen bringt. Denn Forscher haben das amüsanter Weise schon per Studie verifiziert: Hier wurde ein Kaffeepolyphenol, das die DNA-Methyltransferase in-vitro hemmt, an Agouti-Muttertiere verfüttert (<a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32781171/">Q</a>):</p>
<blockquote><p>In einer Tierstudie haben wir festgestellt, dass eine mütterliche Kaffepolyphenol-Verfütterung die Fellfarbenverteilung der 21 Tage alten <em>Agouti</em>-Nachkommen in Richtung des gelben Phänotyps verschiebt, was darauf hindeutet, dass das Kaffeepolyphenol die Methylierung des Agouti-Gens in vivo hemmt.</p></blockquote>
<p><em>Proof of concept. </em></p>
<p>Mir ist wichtig sowas immer wieder zu betonen: <strong>Viele Menschen handeln unwissentlich so, dass sich durch sie aktivierte biochemische Signalwege im Wege stehen.</strong> Oft durch Unwissenheit, noch öfter weil sie nicht auf ihren Körper hören. Daher ist das Körpergefühl nach wie vor das beste und einzige Messinstrument, das uns irgendwie helfen kann, herauszufinden, was zu viel oder zu wenig ist. Kein Arzt, kein Biochemiker kann hier helfen.</p>
<h2>Mal wieder der gute Rat</h2>
<p>Natürlich habe ich auch in diesem Artikel wieder vereinfacht. Kaffee hemmt bekanntermaßen eine Vielzahl an Enzymen – daher auch nicht nur die DNA-Methyltransferase, sondern z. B. auch die oben kurz erwähnte <em>COMT</em>, <em>Catecholamine-O-Methyltransferase</em>. Daher macht Kaffee Stress: Er verhindert den Abbau von Stresshormonen.</p>
<p>Außerdem wurde gezeigt, dass Kaffee-Polyphenole an sich die o. g. Reaktionskreisläufe hemmen, möglicherweise indem es die dafür nötigen Vitamine (B6 und Co.) senkt, was sich u. a. an <span style="text-decoration: underline;">erhöhten Homocysteinwerten</span>, je nach Studie um ca. 10-20 %, zeigt (<a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18606630/">Q</a>, <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36515040/">Q</a>). Heißt:</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Kaffee hat sogar direkten Einfluss auf die Methylierungskreisläufe. </strong></p>
<p>&#8230; was wiederum zeigt, dass Kaffee &#8230; <em>nimmt</em>.</p>
<p>Ich persönlich würde ein gesundes Methylierungsmuster eher durch einen allgemein gesunden Lebensstil einstellen wollen, der ergänzt wird durch kleine Mengen Kaffee, z. B. einen kleinen Espresso am Tag (oder am Wochenende ;-). Besser, weil schonender, ist sicher Grün- bzw. Schwarztee.</p>
<p>Umgekehrt wird&#8217;s ganz schwierig: <strong>Ein crappy Lifestyle mit niedriger Mikronährstoffdichte – mit wenigen &#8222;Methyllieferanten&#8220; (Cholin und Co.) – und mit viel Kaffee – also der Standard vieler Menschen –, ist ein sicherer Weg sich scheiße zu fühlen.</strong> Da wären wir nämlich wieder beim Thema: System verzogen.</p>
<p>Im Kontext eines ungesunden, &#8222;westlichen Lebensstils&#8220; senkt Kaffee dann vielleicht das Risiko für manche stoffwechselbedingte Erkrankungen, sorgt aber auch dafür, dass manches (oder vieles?) in unserem Körper so gar nicht funktionieren möchte. Heißt: Diabetesrisiko etwas niedriger, <a href="https://genetisches-maximum.de/kaffee/wie-neugeboren-ohne-kaffee/">Lebensgefühl viel schlechter.</a></p>
<p>Ein gesunder Lebensstil ist gesund. Und das heißt auch, dass hier nur niedrige Mengen Kaffee zu finden sein sollten.</p>
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		<title>&#8222;Wie neugeboren&#8220; ohne Kaffee</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Chris Michalk]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Sep 2022 13:15:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaffee]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich ist zu Kaffee bei uns alles gesagt. Heute nochmal eine kleine Ergänzung mit Erfahrungsbericht einer Leserin von uns. Nachdem ich meine Einstellung zu Kaffee auf den Social-Media-Kanälen (und natürlich hier) ein bisschen verbreitet habe, gab [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich ist zu Kaffee bei uns alles gesagt. Heute nochmal eine kleine Ergänzung <strong>mit Erfahrungsbericht einer Leserin</strong> von uns.</p>
<p>Nachdem ich meine Einstellung zu Kaffee auf den Social-Media-Kanälen (und natürlich hier) ein bisschen verbreitet habe, gab es gewaltiges Feedback, <span style="text-decoration: underline;">bis heute</span>. Viele Menschen unterschätzen offenbar, wie stark Kaffee wirklich wirkt.</p>
<h2>Kaffee weg, Probleme weg?</h2>
<p>Nicht bei allen, aber bei vielen. Und bei den meisten negativ. Drum hören wir immer die gleichen Aussagen: Viel mehr und gleichmäßigere Energie über den Tag, besserer Schlaf, keine Mittagstiefs mehr, keine drastischen Blutzuckerschwankungen, weniger Hunger, Gewichtsverlust und so weiter.</p>
<p>Kaffee macht in unserem Körper <a href="https://genetisches-maximum.de/low-carb/ein-entscheidendes-prinzip/">Feedforward</a>. Er hat einige interessante positive Wirkungen. Aber offenbar auch sehr viele negative. So scheint es, dass Kaffee die Wirkung von Insulin nachahmt. Gut fürs Hirn (bei bestimmten Menschen), gut bei Prädiabetikern – schlecht bei normalen Menschen, weil es den Energiestoffwechsel verzieht.</p>
<p><strong>Vermutlich der wichtigste Grund für mich – der Kaffee, Espresso usw. eigentlich liebt, so geschmacklich –, ist, dass er mir wörtlich Lebensenergie nimmt.</strong> In biochemischer Fachsprache ist das <strong><em>ATP</em></strong>. Genau genommen nimmt Kaffee dem Körper &#8222;Sauerstoff&#8220; – und mehr Sauerstoff im Körper und in den Zellen wiederum ist Hauptgrund dafür, dass wir z. B. überhaupt Ausdauersport machen, uns bewegen.</p>
<p>Wenn wir im Alltag weniger Sauerstoff in den Zellen haben, fühlen wir uns müder, der Energiestoffwechsel läuft nicht ordentlich und &#8230; Belastungen werden schwerer. Das beginnt beim Treppensteigen und hört beim Gewichteheben im Kraftraum auf.</p>
<h2>Kaffee aktiviert Nrf2 – the good, the bad, the ugly</h2>
<p>Klingt jetzt ein bisschen wie Esoterik. Ist es aber nicht. Der Grund, warum Kaffee so wirkt, ist, dass er ein starker Aktvitator von <strong><em>Nrf2</em></strong> ist (Quelle z. B. <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20655719/">hier</a> und <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24328189/">hier</a>). <strong>Nrf2 ist sozusagen der Masterregulator des Körperschutzes vor freien Radikalen (oxidativer Stress), Entzündung und Entgiftung, denn es steuert Gene bzw. reguliert Proteine hoch, die daran beteiligt sind.</strong></p>
<figure id="attachment_321529" aria-describedby="caption-attachment-321529" style="width: 660px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-321529 " title="Nrf2" src="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2022/09/Nrf2-1024x934.png" alt="Nrf2" width="660" height="601" srcset="https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2022/09/Nrf2-1024x934.png 1024w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2022/09/Nrf2-300x274.png 300w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2022/09/Nrf2-768x700.png 768w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2022/09/Nrf2-1536x1400.png 1536w, https://genetisches-maximum.de/wp-content/uploads/2022/09/Nrf2.png 1540w" sizes="auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px" /><figcaption id="caption-attachment-321529" class="wp-caption-text"><strong><em>Abbildung nach eigener Modifikation: (Röst-)Kaffee ist ein starker Aktivator des Nrf2-Signalwegs und reguliert damit eine Vielzahl an Proteinen positiv, die an der Entgiftung, an der Bildung von Antioxidantien und im Eisenhaushalt beteiligt sind. </em></strong></figcaption></figure>
<p>Klingt gut. <strong>Nrf2 wird prinzipiell von Röststoffen aktiviert</strong>, weil die eigentlich toxisch für uns sind. Röststoffe kommen in der Umgebung vom Menschen aber seit Ewigkeiten vor. Beispielsweise beim Braten von Fleisch, beim Rösten von Bohnen, Nüssen und Co., aber auch in der Luft – man denke ans Lagerfeuer.</p>
<p>Der Körper ist also so gut darauf eingestellt, dass diese Röstsubstanzen in niedrigen Mengen gesund sind, weil sie Nrf2 aktivieren, was dem Körper guttut. Stichwort <strong><em>Hormesis</em></strong>. Wenn Nrf2 aber überaktiv ist, sind auch Gene überaktiv, die im Eisenhaushalt eine tragende Rolle spielen, dazu zählen Proteine, die das Eisenspeicherprotein Ferritin aufbauen, aber auch Proteine, die Häm abbauen (mehr dazu gleich).</p>
<p>Jetzt schließt sich der Kreis. Häm ist ein Eisenkomplex und grundsätzlicher Baustoff der Hämproteine im Körper. <strong>Wichtige Hämproteine sind beispielsweise <span style="text-decoration: underline;">Hämoglobin</span> (Sauerstofftransport im Blut), <span style="text-decoration: underline;">Myoglobin</span> (Sauerstoffspeicher in Geweben), <span style="text-decoration: underline;">Neuroglobin</span> (Sauerstofftransport im Hirn!) oder <span style="text-decoration: underline;">Cytochrom-C-Oxidase</span> (<em>COX</em>), auch <span style="text-decoration: underline;">Komplex IV</span> genannt, in den Mitochondrien.</strong></p>
<p><strong><em>COX</em></strong> ist dafür da, in den Mitochondrien Sauerstoff zu binden – nur so können unsere Mitochondrien Energie bilden. Und genau das ist der Grund, warum wir überhaupt atmen und Sauerstoff brauchen. Ohne Sauerstoff, nix Leben.</p>
<h2>Hämoxygenase baut Häm und damit Leistungsfähigkeit ab</h2>
<p>Nrf2 aktiviert ein Enzym, das sich Hämoxygenase-1 nennt. Dieses Enzym ist weitreichend involviert in sämtlichen Krankheit- &#8230; oder auch &#8222;Gesundheitsprozessen&#8220; ;-) <strong>Ein Hochregulieren dieses Enzyms baut die eben genannten Hämproteine ab.</strong> Kurzfristig ist das gut, weil das z. B. antientzündlich wirken kann. Macht Sinn bei Infektionen wie Covid.</p>
<p>Umgekehrt aber fehlen diese Hämproteine dann. Vor allem in den Mitochondrien. Und darunter leidet die Energiegewinnung. Und wir atmen schwerer, wenn wir die Treppe hochlaufen. Man könnte sagen: <strong>Viel Kaffee und damit ein hohes Hämoxygenase, hat &#8222;Anti-Trainings-Effekt&#8220;, weil es genau das Gegenteil von dem macht, was wir mit Sport hervorrufen wollen, nämlich MEHR Hämproteine.</strong></p>
<p>Zusätzlich klaut Nrf2 den Zellen Eisen, indem es Eisenspeicherproteine hochreguliert (<em><strong>FTL1</strong></em> und <strong><em>FTH1</em></strong>, s. Abbildung). Logischerweise fehlt das dann für den Aufbau wichtiger Eisenproteine.</p>
<h2>&#8222;Wie neugeboren&#8220; – ein Leserbericht</h2>
<p>Und genau deshalb erreicht uns Leserfeedback, das fast immer wie folgt klingt:</p>
<blockquote><p>Als ich (ebenfalls durch euren Blog) zusätzlich auf Kaffee verzichtet habe, fühlte ich mich wie ein neugeborener Mensch. Anfangs war es sehr schwer den Entzug durchzuziehen. Aber danach fühlte ich pure ENERGIE! Pure Lust am Leben, an Aktivitäten&#8230; Durchgehende Motivation, mehr Konzentration, mehr Fokus im Alltag&#8230;</p>
<p>Ich konnte einfach so 20 kg mehr kreuzheben. Einfach so?!?! Anstrengung beim Sport? Nö, plötzlich geht da immer mehr! Aber am schönsten war das Gefühl: den Drang richtig Leben zu wollen, das Leben zu spüren, Reisen zu gehen, was erleben zu wollen, den Rausch zu fühlen. Ein Stück vom Kuchen abhaben zu wollen, dass sich LEBEN nennt!</p>
<p>Ich fühlte mich so unglaublich motiviert und lebendig, wie ein kleines Kind welches die Welt entdeckt. Es ist unglaublich wie viele Jahre ich in diesem Zombie &#8211; Leben, wach &#8211; aber gar nicht anwesend, verbrachte und im Dunkeln tappte. Es kommt mir vor, als sei die Lösung des Problems so simpel, wie die Entstehung dessen gewesen.</p></blockquote>
<h2>Du bist nicht krank&#8230;</h2>
<p>Wollen wir nicht alle genau dieses Gefühl haben? Beneidenswert. Drum sage ich immer wieder:</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Du bist nicht krank, du trinkst nur zu viel Kaffee. </strong></p>
<p>Natürlich lässt sich dieser Spruch auch auf z. B. den hiesigen Brötchenkonsum beziehen. Oder auf das Stück Torte jeden Nachmittag. Wie dem auch sei.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Das ist Sauerstoff.</strong></p>
<p>Oder zu wenig davon. Das ist &#8222;Energiestoffwechsel&#8220; und &#8222;Lebensenergie&#8220; – bzw. zu wenig davon. Nur leider keine Esoterik, sondern wichtige Zusammenhänge, die offenbar durch Kaffeekonsum beeinflusst werden.</p>
<h2>Ist Kaffee &#8222;schlecht&#8220;?</h2>
<p>Nein. Kaffee ist alles andere als schlecht. Manche vertragen eben nur Mikrodosen davon. Denn Hormesis macht Kaffee bei jedem von uns. Und bei jedem von uns wirken solche kleinen &#8222;Giftstöße&#8220; positiv.</p>
<p><strong>Viele von uns unterschätzen aber, wie stark Kaffee in seiner Potenz eigentlich ist und wie wenig wir davon wirklich vertragen, bevors ins Gegenteil umschlägt.</strong> Diese Artikel sollen ein kleiner (oder großer) Reminder dafür sein, dass auf dich – nach kleiner Überwindung, also Kaffeeentzug – ggf. ein Reich voller positiver Überraschungen warten könnte.</p>
<p>Möglicherweise brauchst du gar nicht viel zu ändern. Möglicherweise reicht es, wenn du ab sofort Kaffee streichst. Ach ja: Nein, es gibt keine wirkliche Alternative für Kaffee. Trink&#8216; halt Wasser. Du darfst auch koffeinhaltige Getränke zu dir nehmen, weil um Koffein geht es nicht.</p>
<p style="padding-left: 40px;">Schon tausend Mal wiederholt: Kaffee enhält 1500 Substanzen, die alle Wirkungen in deinem Körper haben. Koffein ist <span style="text-decoration: underline;">eine</span> davon.</p>
<p>Du hast auch Erfahrungen mit Kaffeeentzug? Dann schreib was in die Kommentar oder schick uns eine Mail an kontakt@edubily.de :-)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p><p>The post <a href="https://genetisches-maximum.de/kaffee/wie-neugeboren-ohne-kaffee/">„Wie neugeboren“ ohne Kaffee</a> first appeared on <a href="https://genetisches-maximum.de">Biochemie für dein genetisches Maximum</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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