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Vitamin D: Die Verblödung geht weiter

Da schickt mir kürzlich jemand per Instagram wieder einmal einen Link zu einem neuen Vitamin-D-Beitrag vom SWR. Titel: Doc Fischer – Vitamin D – wie sinnvoll sind Vitamin D-Präparate?

Es ist ja vorher immer schon absehbar, was der Tenor dieser Sendungen sein wird. „Vitamin D ist unnötig und gefährlich“. Da kann wirklich eine ganze Datenlandschaft zeigen, dass Vitamin-D-Ergänzung schützt, wenn man den typischerweise halbjährigen D-Mangel damit ausgleicht, es finden sich immer „Hausärzte“ und irgendwelche Professoren, von denen man noch nie gehört hat, die das absolute Gegenteil davon erzählen.

Da denke ich mir immer: Wieso wollen die eine Gesellschaft ständig in eine erlernte Hilflosigkeit drängen? Haben die Angst um ihren Job, oder was ist das Problem? Doch was ich in diesem Beitrag, den ich mir wirklich mit Mühe – natürlich auf 2x gestellt – angeschaut habe, sehe und höre, schlägt dem Fass den Boden aus.

Verzerrte Darstellung der VITAL-Studie

Zunächst einmal wird die VITAL-Studie referenziert. Das sei die bisher größte „Goldstandard-Studie“ zu Vitamin D. Die würde noch immer laufen, aber es gebe bereits Ergebnisse. Ich zitiere mal aus der Studie:

Die VITamin D and OmegA-3 TriaL (VITAL) war eine landesweite, randomisierte, placebokontrollierte, 2 × 2 faktorielle Studie mit täglichem Vitamin D3 (2000 IE) und marinen Omega-3-Fettsäuren (1 g) zur Primärprävention von Krebs und CVD bei 25.871 US-Männern im Alter von ≥50 und Frauen im Alter von ≥55, darunter 5106 Afroamerikaner.

Klingt gut. Man hat also 2000 IE und 1 g Omega-3-Fettsäuren gegeben und hat sich dann angeschaut, wie sich das nach ein paar Jahren auf Herzkreislauferkrankungen und Krebs auswirkt. Erste Auswertungen der Studie hatten in der Tat ergeben, dass Vitamin D das Risiko für Herzkreislauferkrankungen und Krebs nicht senkt, weitere Analysen zeigten zudem keine Effekte auf Schlaganfälle und Knochenbrüche bzw. Stürze.

Genau das wird natürlich genüsslich ausgeschlachtet. Was nicht erzählt wird: Die Probanden hatten im Schnitt bereits einen Basis-Vitamin-D-Wert von knapp 80 nmol/L, also 32 ng/ml. Das ist jetzt sicher kein allzu hoher Werte, aber das ist weder eine suboptimale Versorgung noch ein Mangel. Tatsächlich hatten gerade einmal rund 10 % der Probanden in dieser Studie einen Mangel.

Ganz anders sieht es bei uns in Deutschland aus. Hier sind 80 % der Menschen halbjährlich suboptimal versorgt bzw. im Mangel, mit Werten um 30 nmol/L. Im Schnitt haben die Deutschen lt. RKI-Studie von Rabenberg et al. (2015) 45,6 nmol/L (20 ng/ml), sind also im Schnitt ganzjährig suboptimal versorgt. Also diese wesentlichen Unterschiede muss man doch mal verstehen, oder? Wer keinen Mangel hat, wird nicht profitieren.

Die Studie hatte noch einige weitere Schwächen.

  • So wurde der Vitamin-D-Wert im Verlauf nur noch bei einer kleinen Menge an Probanden nochmal bestimmt.
  • Ungefähr die Hälfte der Teilnehmer nahm bereits Vitamin D ein.
  • Die Studie adjustiert nicht für Sonnenexposition und andere modifzierende Faktoren (Büroarbeit).
  • usw.

Die Limitationen wurden längst auch in kritischen Stellungnahmen aufgearbeitet:

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Vitamin D wirkt – aber nur bei Normalgewichtigen

Doch die VITAL-Studie hat noch was anderes rausgefunden, was der SWR-Beitrag natürlich verheimlicht. Zwar senkt Vitamin D in der Studie das Risiko für Krebs nicht, aber es senkt die krebsassoziierte Sterblichkeit um 20 %. Oh! Tatsächlich gab es in der Folge aufgrund dieser Erkenntnisse a secondary analysis, also eine vertiefte Analyse.

Und die hat „nach BMI stratifiziert“. Man höre und staune:

So ergab sich für die Vitamin-D-Gruppe ein signifikanter Rückgang der Fälle von metastasierendem oder tödlichem Krebs bei Personen mit normalem BMI (BMI<25: HR, 0,62 [95% CI, 0,45-0,86]), nicht jedoch bei übergewichtigen oder fettleibigen Personen (BMI 25-<30: HR, 0,89 [95% CI, 0,68-1,17]; BMI≥30: HR, 1,05 [95% CI, 0,74-1,49]).

Also: Vitamin D sorgt für einen „signifikanten Rückgang“ des Risikos für aggressive Tumore. Nämlich um knapp 40 % (HR: 0,62). Leider, leider galt dies nur für Normalgewichtige. Die übergewichtigen und fettleibigen Menschen in der Vitamin-D-Gruppe haben also mal wieder die Werte verzerrt und uns blind für große Effekte werden lassen. So ist das, wenn man nicht nachdenkt, also wie häufig.

Doch das ist gar kein Bodyshaming. Denn (schwer) übergewichtige Menschen brauchen schlicht mehr Vitamin D! Das weiß man doch.

Übergewichtige brauchen mehr Vitamin D

Und so wurden die Daten in einer soeben publizierten Studie erneut ausgewertet. Die haben einfach nur die Daten der Menschen analysiert, von denen zu Beginn und nach zwei Jahren der Studie Blutproben vorhanden waren. Und, die haben sich die Mühe gemacht, einmal ein vollständiges Vitamin-D-Panel damit durchzuführen:

Die Forscher maßen den Gesamtgehalt und den Gehalt an freiem Vitamin D sowie viele andere neue Biomarker für Vitamin D, wie seine Metaboliten, Kalzium und Parathormon, das dem Körper bei der Verwertung von Vitamin D hilft.

Und natürlich fanden die Forscher heraus, was Phase ist: Vitamin D wirkt, auch bei Übergewichtigen. Nur wirkt es bei denen eben schwächer. Die Erhöhungen der Vitamin-D-Metabolite bei Vitamin-D-Gabe waren „significantly smaller“. Die Forscher sprechen von „auffälligen Unterschieden, die auf eine abgeschwächte Reaktion auf die Vitamin-D-Supplementierung bei höherem BMI hinweisen“.

Und so kommen die in der aktuellen Studie, übrigens publiziert im renommierten Fachmagazin JAMA, zum Schluss:

„Diese Studie wirft ein Licht auf die Frage, warum wir bei Menschen mit einem niedrigeren BMI eine 30-40-prozentige Verringerung von Krebstodesfällen, Autoimmunerkrankungen und anderen Folgen einer Vitamin-D-Supplementierung beobachten, bei Menschen mit einem höheren BMI jedoch nur einen minimalen Nutzen, was darauf hindeutet, dass es möglich sein könnte, mit einer individuelleren Dosierung von Vitamin D Vorteile für die gesamte Bevölkerung zu erzielen“, so Manson. „Diese Nuancen machen deutlich, dass es bei Vitamin D noch mehr zu beachten gibt“.

Selbstredend, nicht wahr? Man kann einem Menschen mit großer Körpermasse doch nicht die gleiche Menge Vitamin D wie einem Menschen mit kleiner Körpermasse geben und dann gleiche Resultate erwarten. Das sollte wirklich jedem einleuchten.

DO-HEALTH: Vitamin D wirkt, und zwar profund

Doch das ist ja nicht auch nicht alles. Denn es gab nicht nur die VITAL-Studie in Goldstandard-Manier.

Erst im April vergangenen Jahres wurden ja die Ergebnisse der DO-HEALTH-Studie veröffentlicht. Da hat man gesunden Ü-70-jährigen auch 2000 IE Vitamin D und/oder 1 g O3-Fettsäuren gegeben. Und man hat – je nach Gruppe – zusätzlich ein Sportprogramm absolvieren lassen. Die Studie war mit rund 2100 Probanden kleiner, aber vom qualitativen Niveau her ähnlich gut gemacht.

Diese Studie fand heraus, dass die Kombination von jeweils zwei der drei Interventionen, also z. B. Vitamin D + Sport, das Risiko für Krebs halbiert. Die einzelnen Interventionen an sich, also z. B. die Vitamin-D-Gabe ohne Omega 3 und ohne Sport, brachte eine Risikoreduktion um ca. 20-30 %. Auch das sind ja keine kleinen Zahlen.

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Vitamin D, Omega 3, ein Sportprogramm, einzeln oder in Kombination, senkt das Risiko für Krebs (Hazard Ratio) in der DO-HEALTH-Studie, wobei die größte Schutzwirkung von Vitamin D + Omega 3 + Sport ausgeht, mit einer Risikoreduktion um rund 60 %. 

Natürlich werden solche Ergebnisse nie in einem Beitrag des ÖR auftauchen. Traurig, aber wahr.

Der SWR begräbt Vitamin D

Stattdessen wird Vitamin D von einer Frau Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhauser, wohlgemerkt 70 Jahre alt und seit 2019 im Ruhestand, in einem einminütigen Monolog endgültig begraben, jedenfalls beim gemeinen SWR-Gucker:

Dieser Wert sagt überhaupt nichts über die Gesundheit eines Menschen aus. Und dieser Wert sagt auch nichts darüber aus, wie Ihre Gesundheit sich entwickeln wird im Laufe der nächsten Jahre, ob Sie früher oder später sterben werden.

Es gibt wenige medizinische Maßnahmen, die so umfassend und intensiv untersucht worden sind, wie Vitamin-D-Zugabe, -Aufnahme, -Supplementierung. Die Studien, die vorliegen, und das ist eine sehr große Anzahl von Studien, haben gezeigt, dass man mit diesem Vitamin-D-Präparaten Krankheiten nicht verhindern kann und das Leben nicht verlängern kann.

Besser ist, Sie vergessen den Wert. *lacht*

Also. Besser ist es, Sie vergessen den Wert. Alles klar. Das sagt eine Frau Professorin, die – soweit ich das überblicken kann – nicht eine einzige Arbeit zu Vitamin D in einem Fachmagazin publiziert hat und ansonsten nur durch Vitamin-D-kritische Beiträge und Interviews auffällt (hier, hier, hier). Vielleicht ist ihr ja langweilig im Ruhestand.

Fakt ist, selbst wenn Vitamin D überhaupt keine Wirkung oder Bedeutung hätte – eine Idee, die ja total Banane ist –, würde der Wert immer noch ein guter Marker für sonstige Komorbiditäten sein, die mit einem niedrigen D-Wert assoziiert sind, also z. B. Alter, Fettleibigkeit, Entzündungsstatus und Krankheit.

Wie man sich also zu so einer völlig falschen Aussage hinreißen lassen kann, erschließt sich mir kein bisschen, kenne aber natürlich die Verbohrtheit speziell dieser älteren Generation der Ärzteschaft aus eigener Erfahrung bestens.

Das Fazit der Wissenschaft

Der Beitrag endet mit dem Fazit, Vitamin D solle nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Für Risikogruppen oder ältere Menschen, könne eine Vitamin-D-Gabe sinnvoll sein. Für gesunde Menschen stehe jedoch das Fazit aus der Wissenschaft:

Wir leben nicht länger und können auch keine Krankheiten vorbeugen, wenn wir präventiv Vitamin D einnehmen.

Wer oder was Risikogruppen, ältere Menschen oder gar Gesunde sein sollen – ist man gesund, wenn man von Oktober bis März mit suboptimalen Werten durch die Gegend läuft? Ich weiß nicht, ich weiß nicht –, wird natürlich nicht erklärt.

Es ist einfach eine Schande, für was „die Wissenschaft“ heutzutage herhalten muss. Das ist eigentlich der Missbrauch einer guten, einer ehrbaren Sache. Denn Wissenschaft soll auf möglichst objektiver Basis Hinweise und Erkenntnisse liefern. Stattdessen werden Fetzen je nach Gusto völlig undifferenziert aus dem Kontext gerissen, um eine Agenda zu forcieren. Das sollte immer bedenken, wenn man solche Beiträge anschaut.

 

Der Text ist von mir, Chris Michalk. Fast zwei Jahrzehnte war ich dem Leistungssport treu und studierte als Folge Biologie und drei Jahre Sport. Leistungsphysiologie war mein Hauptinteresse, das mich vor circa 15 Jahren dazu gebracht hat, Studien zu lesen. In Folge einer Stoffwechselerkrankung gründete ich den Blog edubily und verfasste zusammen mit meinem Kollegen Phil Böhm mehrere Bücher (u. a. "Gesundheit optimieren, Leistungsfähigkeit steigern"). Ich machte meinen Abschluss in zellulärer Biochemie (BSc, 1,0) – und neben meinem hier ausgelebten Interesse für "Angewandte Biochemie", bin ich zusammen mit Phil Böhm Geschäftsführer der edubily GmbH.

26 comments On Vitamin D: Die Verblödung geht weiter

  • So, wie die junge Dame nach dem Kommentar von Frau Prof. Dr. med. zu dem gemessenen VitD-Wert gelacht hat und ihr Gesichtausdruck dazu, relativiert sich ihr abschließendes Fazit für mich.
    Ich hätte wahrscheinlich auch so reagiert auf diese Aussage. ;-)

  • Hallo Andy,
    bin zwar nicht Chris, kann aber vielleicht etwas beisteuern. Zunächst einmal würde ich den einmal gemessenen Wert nicht überbewerten. Er gehört kontrolliert und im Zusammenhang mit Calcium und Phosphat sowie 25OH-VitD und Parathormon aus dem Serum sowie ggf. Calcium aus dem Urin gemessen. DANN kann man sich ein Bild von Calcium- und VitD-Stoffwechsel machen und schauen, woher der 1,25OH-VitD-Wert kommt. Es gibt z.B. unterschiedliche „VitaminD-Responder“, dazu ist vielleicht die Forschung von Dr. Carsten Carlberg spannend. Zum Einstieg hier ein Interview mit ihm: https://www.vitamind.net/interviews/dr-carlberg-epigenetik-response-index/.

  • Ich hatte gerade deinen Artikel zu Vit D gelesen und da kam diese Sendung. Das passte natürlich überhaupt nicht zusammen und ich fand dann beim SWR angenehmerweise den Text des TV-Beitrages. Zu meiner Überraschung war der Text wesentlich umfangreicher als der gesendete Beitrag, enthielt mehr Hinweise und Aussagen zur positiven Wirkung von Vit D und andere Meinungen von weiteren internationalen Fachleuten. Damit gab es zumindest nicht diese extreme negative Einseitigkeit des TV-Beitrages.
    Für mich ist damit ein weiterer Skandal festzustellen, wenn man die Vorlage für die Sendung einkürzt, bis ein Vit D-feindliches Bild entsteht, welches die tatsächliche wissenschaftliche Landschaft ignoriert und letztlich gegen eine gesündere Gesellschaft bei geringeren Gesundheitskosten gerichtet ist.
    Wem nützt es? …
    Ich messe regelmäßig im 1. Quartal und nehme im Winterhalbjahr 10000 IE. Damit liege ich dann bei 55.
    Ich bedanke mich für Eure Arbeit wirklich von ganzem Herzen.

  • Vor einer kurzen Zeit erschien bei Welt ein Artikel über die Gefährlichkeit der frei verkäuflichen Vitamine, unter anderem gab es Hinweis auf vermehrte Anrufe bei Ärzten wegen vermeintlicher Vergiftung mit Vitamin D. Ich habe mir dann die Kommentare der Leser angeschaut. Den Autor haben sie richtig fertig gemacht. Die Leute sind nicht dumm, sie informieren sich und zwar nicht bei swr. Ihr und immer mehr Ärzte und Wissenschaftler macht eine richtige Aufklärungsarbeit, vielen Dank für diese wertvolle Arbeit.

    • Es ist ja auch eine Unverschämtheit, die Leute mit solchen Überschriften für dumm zu verkaufen. Das hat ja mit Journalismus heutzutage nichts mehr zu tun. Das ist einfach nur Sensationalism, Clickbait und sich daran erfreuen, dass man in Vitamin D einen Buhmann gefunden hat, mit dem man ständig Schlagzeilen generieren kann. Frei nach Louis de Funès: Nein, doch, oh!

  • Was Frau Prof. Dr. med von sich gibt, ist für mich durch die „Meinungsfreiheit“ abgedeckt. Was der SWR (Anstalt öffentlichen Rechts) daraus macht, ist m.E. die übliche Manipulation, der halt leider ein sehr großer Teil unserer Mitmenschen erliegt, weil er nicht selbstständig denken kann oder will (zuletzt belegt durch die Befürwortung und Befolgung der C-Maßnahmen inkl. Mehfachimpfungen). Wenn sich alle Menschen gesund ernähren und verhalten würden, wäre ein wohl großer Teil der „Gesundheitsindustrie“ (Pharma, Politik, inkl. Aktivitäten mancher „Philantropen“) überflüssig. Ist doch klar, dass die das durch entsprechende (Des)Information verhindern möchten. Nicht auszudenken, wenn der pandemiebedingte Anstieg der Vitamin D Supplementierung nachweislich positive Auswirkungen auf die Bevölkerung hätte ;-)

    • Als ich die Vorankündigung zu besagter Sendung sah, verzichtete ich auf diese, da mir klar war, dass wie so oft Bullshit verbreitet wird.
      Es werden alle Menschen über einen Kamm geschoren, egal woher, wie groß, dick, alt, jung, hautfarbe, vorbelastet, usw.
      Es gibt hervorragende Ärzte und Wissenschaftler die leider von Pharma, Politik und anderen profitgesteuerten gierigen Machthabern unterdrückt, bekämpft und mundtot gemacht werden.

    • Tja, so ist das wohl leider.

      Natürlich ist die Aussage der Frau Professorin durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Man sollte sich nur immer vor Augen halten, wer oder was hier spricht. Hier missbraucht jemand seine Autorität, um etwas im Namen der Wissenschaft zu vertreten. Das ist ein entscheidender Unterschied.

  • Es ist erschreckend, wie heutzutage Recherche getrieben und unfundierte Urteile getroffen und in öffentlichen Medien verbreitet werden. Wie hat Paracelsius schon gesagt: „die Dosis macht das Gift“. Ich teste und stelle als Zahnarzt seid mehr als zwei Jahren meine Patienten ein und habe kaum Patienten mit ausreichender Vit D Versorgung ( 33 ng/ ml ) gefunden. Dies sogar über das Jahr gesehen ( gerade in Pandemiezeiten). Weiterhin ist neben der Supplimentierung von Cholecalciferol auch K2 und eine ausreichende Versorgung mit Vit K2 und Magnesium notwendig. Diese Studie, die hier zitiert wurde, zeigt wieder mal, das es nicht wirklich möglich ist randominierte Studiendesigns an Menschen durchzuführen, da jeder Mensch immer noch, trotz Einnahme von 2000 IE , eine sehr unterschiedliche Physiologie aufweist und daher nicht normierter ist. Diese Studie beweist letztendlich nur, das wir immer individuell arbeiten müssen. Die Natur ist divers und jeder Mensch sehr individuell zu betrachten. Normierung geht nur in der Industrie. Danke für den Beitrag.

  • Hallo Chris,
    ich danke dir für diesen wieder einmal hervorragenden Beitrag.
    Der kommt wieder in meine „Aufklärungskiste“, für die Anwendung in regelmäßigen Diskussionen mit Ablehnern sämtlicher Ergänzungen.
    Es wird einfach ZU VIEL MIST publiziert und geglaubt und oft obrigkeitshörig dem Onkel Dr. Hausarzt das Thema Gesundheit zugeschoben.
    Vielen Dank, macht bitte weiter so

  • Gibt es eigentlich auch nur eine Studie oder Untersuchung, die bei gängiger „Hochdosis“ Supplementierung auch nur annähernd kausal irgendwelche Schäden durch Vitamin D darlegen? In Ami-Land werden Supplemente, Multivitamine, etc. wie blöd geschluckt (selbst ein erheblicher Anteil der VVITAL Probanden haben noch zusätzlich supplementiert). Wenn das irgendwie gefährlich wäre, würde ich da einiges an Schadenersatzklagen in Mio. Höhe erwarten. Gibt oder gab es da was?

    Selbst wenn ausreuchend versogte Personen noch zusätzlich 2k-10k IU supplementieren, was würde passieren? Im schlimmsten Fall vermutlich gar nichts.

    Aber es ist wie bei so vielen „neuen“ Erkenntnissen aus Wissenschaft und Technik. Die setzen sich nicht durch, weil sie überzeugender und richtiger sind (was sie ja sind), sondern dadurch, dass die Anhänger und Verteidiger der alten Lehren aussterben. Ein leider oftmals langwieriger Prozess…

    • Auch wenn wir alle einen Mangel haben, sollte man seine Werte gelegentlich überprüfen. Hier findet sich ja ein VitD-Rechner, mit dem man seine Dosis berechnen kann. Die Nephrologin meines Vertrauens berichtete mir von einem eigenen Fall, in dem es durch eine dauerhafte, hochdosierte VitD-Gabe zum Nierenversagen aufgrund einer Hyperkalzämie kam.

      • Ich denke, wichtig ist nicht so sehr Messen. Man muss schon sehr genau klarstellen, wer sich da mit Hyperkalzämie vorstellt. Das sind Menschen, die die Vorstellung haben, dass Vitamin D so eine Art „Gesundheits-Allzweckwaffe“ ist. Es gibt genug Bücher und mit dem Coimbra-Protokoll auch ernstzunehmende Arbeiten, die ja schon mal 100.000 IE und mehr Vitamin D empfehlen. Darüber hinaus merke ich in persönlichen Gesprächen immer wieder, dass es kaum eine Mitte gibt. Die einen glauben an die von RKI/DGE empfohlenen 800 IE und glauben wirklich, damit könnten normale Spiegel im Winter erreicht werden. Bei anderen fängt ein normaler Spiegel erst bei 50 ng/ml an. Da fehlt halt jegliches Verständnis für Sinn und Maß.

        Daher betone ich in neueren Beiträgen immer wieder, dass es darum geht, einen Mangel vorzubeugen. Und das erreichen die meisten so ca. mit 2000 IE über den Winter, ggf. auch 1500 oder 3000. Wir brauchen in Deutschland endlich mal vernünftige Aufklärung und ordentliche, wissenschaftsbasierte Dosierungen. Dann muss man nicht mit Mangel im Winter rumlaufen und sich auch nicht beim Endokrinologen vorstellen.

    • Ne, also zwischen 2k und 10k pro Tag wird vermutlich nichts passieren, weil die D-Spiegel einem Sättigungsverlauf unterliegen. Problematisch sind eher völlig überzogene „Auffüllaktionen“ mit 100.000 IE Vitamin D und mehr oder der Glaube, man könnte mit Vitamin-D-Hochdosen irgendwie etwas therapieren. Natürlich laufen diese Menschen Gefahr, wie von Jens dargelegt, eine Hyperkalzämie zu entwickeln. Mich würde nicht wundern, wenn die Fälle in den letzten Jahren zugenommen haben.

  • „Da denke ich mir immer: Wieso wollen die eine Gesellschaft ständig in eine erlernte Hilflosigkeit drängen?“
    Könnte man drüber philosophieren und sind dann ganz schnell bei Verschwörungstheorien. Da diese aber ganz böse und vor allem undemokratisch sind, lasse ich das lieber. ;)

  • Hi Chris, vielen Dank für den tollen Beitrag. Ich mache regelmäßig in meiner Praxis als Heilpraktiker genau diese Erfahrungen, wenn ich die Leute über Vitamin D aufkläre. Der Arzt redet es im Vorfeld schlecht und rät (ob aus Unwissenheit oder Mutwilligkeit) meinen Kunden davon ab. Traurig, aber wahr. Ich bin sehr froh, dass ich euren Blog entdeckt habe, um selbstbestimmt gesund sein zu dürfen. Wer die Reise mitgeht, ist hier und auch in meiner Praxis herzlich Willkommen. Danke, Chris!

  • Ich frage mich bei diesen Studien, warum die immer mit diesen Minimaldosierungen gemacht werden. Warum nicht mit Dosen, mir denen man einen guten Omega-3 Index erreicht (nachmessen!) einen guten Vitamin D Spiegel, mit einem Wert wie im Sommer, um die 50 ng.
    Das gibt doch ein völlig undifferenziertes Bild. Einerseits sind Studienprobanden da, die schon mit einem verhältnismäßig guten Wert starten, andererseits wird der Spiegel bei Probanden die als Ausgangswert eine niedrigen Spiegel vorweisen auch nur minimal erhöht. Die Aussagekraft dürfte eher dürftig sein. Umso erstaunlicher ist es, dass sich trotzdem positive Effekte abzeichnen! Mich für dein studienergebnis interessieren, bei denen der Omega 3 wird zwischen 8 und 11% liegt und der Vitamin-D-Spiegel um die 50 ng.
    Selbiges gilt für Studien aus dem kardiovaskulären Bereich.

    • „Korrektur: Mich würde ein Studienergebnis interessieren…“

    • Guter Punkt danke. Ich denke, mit Blick auf einen „hohen“ Spiegel ist die individuelle Bandbreite enorm. Manche kriegen den Wert auch nach einem ganzen Sommer nicht über 40. Ich bezweifele, dass eine Ergänzung auf 50, wenn überhaupt möglich dann, so zielführend ist. Die größten Sprünge mit Blick auf Effekte sind, wenn man von niedrigen bzw. suboptimalen Werten in einen Normalwert ergänzt. Wenn man auf Basis von Normalwerten dann nochmal mit einer relativ bescheidenen D-Dosis ergänzt, wird sich, wie du richtig sagst, nicht mehr viel ändern. Ob sich mit hohen Dosen hier nochmal was bewegen lässt, weiß ich nicht, aber darum sollte es in den Studien auch nicht gehen. Nur die Message der Studie ist halt auf Basis der Methode ziemlich schwach.

      Mit Blick auf den O3I hast du einen guten Punkt. Auch hier wird ja ins Blaue supplementiert, statt einfach mal zu messen. Wenn man O3 in Japan oder an der lachsreichen Nordwestküste der USA ergänzt, wird vermutlich nicht mehr viel passieren. Umgekehrt sollten mit einer Ergänzung wenigstens untere Kanten von Optimalbereichen erreicht werden, ansonsten ist es sinnlos.

      • Hallo Chris,
        toller Artikel.
        Möchte kurz meine Erfahrung schildern und dich um deine Einschätzung bitten.
        Ich hatte im Dezember einen Vitamin D Spiegel von 14 ng und habe daher 30 Tage lang 15000 iE mit 250mg Magnesium und 200 ug K2 eingenommen. Jetzt nur noch 5000iE alle 2 Tage im Moment.
        Bin normal schlank, 181cm, 80kg, ernähre mich abwechslungsreich und esse alles.
        Letzte Woche wollte ich meinen Vitamin D Spiegel zur Kontrolle erneut messen lassen. Die Arzthelferin hat wohl falsch angekreuzt und hat das aktive 1,25 Vitamin (Calcitriol) messen lassen.
        Dabei wurde ein Wert von 96pg gemessen. Deutlich über der normalen Referenz 20-80pg.
        Bei ausreichend Vitamin D Spiegel sollte der eher im niegrigen Bereich (20-30pg) sein.
        Mein Arzt meint ich hätte es mit Vitamin D übertrieben, der hat da aber mMn keine Ahnung. Leider.
        Daher meine Frage, fehlt mir Calcium? Oder wieso habe ich zuviel Calcitriol?
        Fühle mich eigentlich sehr gut. Keine Anzeichen irgendeiner Krankheit.
        Werde nächste Woche erneut alles mögliche messen lassen und mir wohl einen Experten suchen müssen. Wahrscheinlich ein Endokrinologe.
        Wollte nur vorab wissen, ob das beunruhigen oder normal ist.
        Herzlichen Dank

        • Ich kann dir nur meine Einschätzung geben und ich würde deshalb jetzt nicht zum Endokrinologen gehen und ein Fass aufmachen. Der Wert ist nur leicht drüber. Vielleicht hast du ein bisschen zu wenig Calcium in der Ernährung ja, und vielleicht ist es wirklich „Abfallprodukt“ des Auffüllens. Aber wenn’s dir gut geht und du sowieso nur moderat dosierst aktuell, würde ich mir darüber keine Gedanken machen. Da ich aber kein Arzt bin darf ich dir natürlich keine medizinischen Ratschläge geben, insofern musst du am Ende des Tages ne Entscheidung für dich treffen.

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