Zöliakie Abnehmen

Die dicken Kinder mit Zöliakie

Wer kennt sie noch? „Die dicken Kinder von Landau“, 90er-Jahre, Harald Schmidt.

Da war die Südpfalz-Metropole, wie man Landau im Volksmund nennt, einmal ganz wichtig. Überregional bekannt – mit ihren „dicken Kindern“. Später gab es auch eine gute, gleichnamige Band ebd. Legendär auf Weinfesten.

Daher fand ich die Überschrift ganz hübsch. Denn: Zöliakie wird in der Regel ziemlich früh im Leben diagnosiziert. Hoffentlich! Bei mir leider nicht. Ich war eins von den … ach lassen wir das :-)

Weizen kann extrem krank machen

Mein halbes Leben habe ich mich – unwissend – mit einer extremen Störung herumschlagen müssen. Bin insofern hypersensibilisiert, was die Auswirkungen von Getreide angeht.

Findige Ärzte, Wissenschaftler und andere Experten, die freilich ihre Brötchen sehr lieben, würden entgegnen: Ausnahme. Tangiert die anderen doch nicht.

Meiner bescheidenen Erfahrung nach: Jeder (!) unterschätzt den negativen Einfluss von Getreide, insbesondere Weizen, auf den Körper. Das nennt sich heute ganz modern „Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität“. Wieder so ein komischer Begriff.

Trifft es Menschen besonders hart – Zöliakie, wie ich –, können nahezu alle Körperteile und -prozesse betroffen sein:

  • natürlich Darm / Leaky gut
  • die Haut
  • die pubertäre Entwicklung und Körperreifung
  • der Energiestoffwechsel
  • das Immunsystem an sich / mit Neigung zu anderen Immunerkrankungen
  • insbesondere Gehirn / Psyche / Thema Depression bis hin zu Ataxie
  • und vieles andere

Getreide – genauer: Weizen – kann Leben systemisch und systematisch zerstören.

Einer meiner Augenöffner war damals das legendäre Werk vom Paleo-Erfinder Loren Cordain,

Getreide: Das zweischneidige Schwert der Menschheit (klick)

Ein Meisterwerk. Da steht ja wirklich fast alles drin, was man wissen muss. Sollte JEDER (jaa, du, genau du!) kennen. Später kamen bei mir die Werke von Dr. Fasano (berühmteste Gluten-Koryphäe).

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Absichtlich missverstanden

Um Zöliakie und – weiter gefasst – Weizenunverträglichkeit ranken sich viele Mythen, die in der Mehrheit falsch oder zumindest unzureichend sind.

Beispiele:

  • „Nur ein kleiner Teil der Menschen entwickelt Zöliakie“ (Hatte ich hier schon mal entkräftet)
  • „Zöliakie ist eine Darmerkrankung“
  • „Zöliakie macht Mangelerkrankung und Untergewicht“

Und so weiter. Der letzte Punkt ist besonders wichtig.

Menschen mit Zöliakie gelten bis heute stereotypisch als untergewichtig. Also diejenigen, die besonders sensibel auf den Konsum reagieren, sind statistisch betrachtet dünner als der Rest. Glaubt man bis heute.

In ganz neuen, großen Studien findet man plötzlich was ganz anderes. Dort heißt es ganz überrascht:

Unsere Analyse zeigte, dass nur wenige CD-Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose untergewichtig waren und fast 37 % übergewichtig oder adipös waren.

Dazu passend wurde vor kurzem ein Case Report über eine 52-jährige Frau mit BMI 50 publiziert – also außergewöhnlich fettleibig – die „nie abnehmen“ konnte und unerkannterweise an Zöliakie litt. Nach der Umstellung hat’s dann endlich geklappt mit dem Gewichtsverlust – wenn auch marginal.

Natürlich nur Zufall.

Dass also Weizen bei besonders sensitiven Menschen tiefgreifende Störungen des Energiestoffwechsels hervorrufen kann, scheint inzwischen klar. Dass sowas jedoch nicht nur diese Personengruppe betreffen könnte, darauf muss man im Brötchen-High erst mal kommen, nicht wahr?

Hinter „Weizenwampe“ steckt mehr als man denkt

Faktisch lassen sich in Weizen mehrere Faktoren nachweisen, die Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht in mechanistischen Studien – ganz ohne Krankheit – begünstigen: Raffinierte Stärke (Q), ATIs (Q), Gliadin (Q, Q, Q, Q). Und zwar in Mengen, die man in einer herkömmlichen Ernährung findet.

Nur, dass wir uns richtig verstehen: Mein Weltbild ist nicht, dass Menschen gerne hochkalorisch essen und deshalb entgleisen. Mein Weltbild ist, dass wir Dinge essen, für die wir nicht gemacht sind, und die unseren Energiestoffwechsel systematisch sabotieren.

Genau das wird übrigens gedeckt von wichtigen neueren Human-Studien (z. B. Q oder Q).

Es ist bezeichnend, dass Menschen grundsätzlich verstehen, dass ein Affe nicht wie ein Löwe essen kann. Dass jede Spezies ein Ernährungsprofil hat, mit dem sie gesund bleibt. Nur bei uns Menschen wird süffisant gelächelt. Da zählen nur die Kalorien. Rein mit der Butterbrezel.

Wenn ich in die Welt blicke, wird Dobzhansky (1973) für mich immer wichtiger:

Nichts in der Biologie ergibt Sinn, außer im Lichte der Evolution. 

Psalm 23,4 mal ganz real.

Welchen weit verbreiteten Mangel Weizen in Studien verursachen kann, erfährst du im nächsten Artikel. 

Der Text ist von mir, Chris Michalk. Fast zwei Jahrzehnte war ich dem Leistungssport treu und studierte als Folge Biologie und drei Jahre Sport. Leistungsphysiologie war mein Hauptinteresse, das mich vor circa 15 Jahren dazu gebracht hat, Studien zu lesen. In Folge einer Stoffwechselerkrankung gründete ich den Blog edubily und verfasste zusammen mit meinem Kollegen Phil Böhm mehrere Bücher (u. a. "Gesundheit optimieren, Leistungsfähigkeit steigern"). Ich machte meinen Abschluss in zellulärer Biochemie (BSc, 1,0) – und neben meinem hier ausgelebten Interesse für "Angewandte Biochemie", bin ich zusammen mit Phil Böhm Geschäftsführer der edubily GmbH.

2 comments On Die dicken Kinder mit Zöliakie

  • Freudig und mit einem bejahenden Lächeln sowie Nicken habe ich Deinen Artikel mal wieder gelesen, lieber Chris.

    Wirklich traurig stimmt mich, wie viele Mediziner (zum Glück nicht alle) und Ökotrophologen tatsächlich der Ansicht sind (/waren?), man könne ohne die hiesige westliche Weizen-Mast kaum überleben, leistungsfähig sein und wäre mit einer Ernährung mit Protein (bloß nicht zu viel!1!11! (Hust, hust, 1,2 g/kg als Sportler = „viel“, hust, hust) Und (dauerhaft) vegetarisch zu leben, ist löblich und der Gesundheit förderlich!1!!!11 (so zumindest der O-Ton meines damaligen Hausarztes – Eisenspeicher has left the conversation)) und zellulären Kohlenhydraten nicht gesund und würde über kurz oder lang krank und/oder sterben (okay, war vor 13+ Jahren, aber ob sich sonderlich viel im Denken, Handeln und praktischen Erfahren eben dieser Menschen geändert hat…?).

    Und natürlich bloß niemals eine Mahlzeit auslassen (am besten drei Hauptmahlzeiten, natürlich alle mit einer großen Weißmehl-Getreide-Komponente, plus zwei Zwischenmahlzeiten), denn das könnte ja gefährlich werden und man könnte unterzuckern…
    (Am Rande gedacht: Was gibt’s nochmal im Krankenhaus zu essen? Weißmehl, Zucker, hochverarbeitete und sehr fettige Fleischwaren, kaum Ballaststoffe, kaum Kalium, lächerlich wenig Protein und Antioxidantien (dafür aber oft sehr viel Antibiotikum, am besten 24/7 – da freut sich natürlich der Darm (nicht, dass wir uns falsch verstehen – absolut nichts gegen Antibiotika in Härte- und Notfällen, aber was ich früher in meiner Kindheit/Jugend (als Patient) in den Kliniken und Arztpraxen so erlebt habe bezüglich scheinbar unbedachter Antibiotika-Gabe zu jeder Symptomatik))… Demnach beste Voraussetzungen, damit der Patient möglichst schnell wieder gesund wird und/oder sich von einer Operation erholt (aber der Mensch will’s wohl nicht anders – hier bei uns gibt’s ein Schmerz-Therapiezentrum, in dem Menschen zur Reha nach Amputationen untergebracht sind; laufe ich daran vorbei, stehen vor dem Eingang mindestens fünf Kette rauchende Personen mit frisch amputierten Gliedmaßen und grauen Gesichtern (Vitamin C, anyone?) und hintenrum durch das Fenster zum Speisesaal sieht man die Mengen an Weißbrötchen zum Abendessen).)

    Traurigerweise haben viele Menschen, die eine Meinung (/Überzeugung/Getreide-Abhängigkeit, die sie sich nicht eingestehen wollen) diesbezüglich haben und die ich teils auch persönlich kenne, ihr Leben lang noch keinen einzigen Tag oder eine längere Zeit ohne Getreide-Fokus („-Mast“ zu schreiben, wäre mir hier dann doch etwas zu zynisch) verbracht, geschweige denn mal eine temporäre Nahrungskarenz eingelegt – und meinen dennoch, Dinge, die sie nie selbst erlebt haben, besser zu wissen (how ‚bout „mal wirklich leben, praktisch ERleben, und aus dem eigenen Kokon und Bekannten ausbrechen und sehen, was wirklich möglich ist und wohin es eventuell führt“? [Eventuell läuft hier gerade ein kleiner Pinguin, begleitet von der Musik Gigi D’agostinos, in Richtung der Eisberge…]).

    LG
    Chris(tian)

  • Im CrossFit war zumindest früher Paleo extrem en-vogue. Habe mir damals, 2014, von Cordain “ Cordain und 1 weitere
    Das Paläo-Prinzip der gesunden Ernährung im Ausdauersport“.
    Mein 1. Buch zum Thema Ernährung.. ich fands mega!! Die Bedeutsamkeit des Buches für mich habe ich aber damals noch nicht vollends verstehen können.

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