Kürzlich titelt das deutsche Leitmedium BILD:

Toll! In dem Artikel werden natürlich einige vielversprechende Medikamente vorgestellt. Aktuell können selbst die besten Medikamente die Krankheit nicht heilen.
Ein Professor zeigte sich jedoch optimistisch:
Wenn wir diesen komplexen Code knacken, könnten wir endlich Medikamente entwickeln, die Alzheimer heilen können.
Blog-Leser kennen den magischen Stoff
Amerikanische Forscher lächeln bei solchen Aussagen verschmitzt. Denn soeben wurde eine Studie publiziert, in der Alzheimer – zumindest im Tiermodell – nicht nur verlangsamt oder gestoppt, sondern geheilt wurde.
Nicht: der „komplexe Code“ könnte bald geknackt sein. Er wurde grade ganz real geknackt. Die Wissenschaftler haben nämlich den ultimativen Alzheimer-Bottleneck in den Gehirnen von Mäusen und höchstwahrscheinlich auch in den Gehirnen von Menschen entdeckt:
NAD+
Kennste, kennste? Nein? Dann lies am besten das Handbuch oder beispielsweise den Artikel hier.
Kurz: Ein Schlüsselmolekül im Energiehaushalt von Zellen. Fehlt NAD, bricht der Energiestoffwechsel zusammen. Blöd: Aus verschiedenen Gründen sinkt der NAD-Spiegel bei Alzheimer.
NAD kehrt Alzheimer um
Wie löst man das Problem? Nun, bekanntermaßen gibt es dafür einige Wege. Bei fortgeschrittener Erkrankung muss es aber möglicherweise ein Medikament sein. Das heißt hier: P7C3-A20.
P7C3-A20 kurbelt die Bildung von NAD mächtig an. Dadurch bleiben Neuronen energetisch funktionsfähig und sterben nicht ab – selbst unter starkem neurodegenerativem Stress.
Die Forscher fassen zusammen:
- Die Aufrechterhaltung der NAD+-Homöostase im Gehirn verhindert AD bei Mäusen
- Die Wiederherstellung der NAD+-Homöostase im Gehirn kehrt fortgeschrittene AD bei Mäusen um
- Multiomik-Untersuchungen an AD-Gehirnen von Menschen und Mäusen identifizieren Knotenpunkte für die Umkehrung von AD beim Menschen
Herrlich!
Mehr NAD hausgemacht
NAD-Werte, auch im Gehirn, lassen sich präventiv auf vielfältige Weise stabilisieren. Sehr wahrscheinlich schon durch Sport, daher wirkt Sport auch alzheimerpräventiv (Q). Nichts Neues. Viele Wege könnten nach Rom führen.
P7C3-A20 setzt an der enzymatischen Schlüsselstelle der NAD-Bildung an, wo aus Vitamin B3 (Nicotinamid) das inzwischen bekannte NMN (Nicotinamidmononukleotid) wird und daraus blitzschnell … the holy NAD (s. Abb.).

Zumindest NR – als Vorstufe von NMN – ist in der EU als NEM zugelassen. Aber, aber… Ein partizipierender Forscher warnt schon davor, „diese Strategie mit frei verkäuflichen NAD+-Vorläufern zu verwechseln“, denn die würden – im Gegensatz zum Medikament – viel zu stark wirken :-)
Mein Take hier wäre: Aus zellbiologischer Sicht ist nicht entscheidend, ob NAD über NMN/NR oder pharmakologisch erhöht wird – relevant sind Höhe, Dauer, Lokalisation und Kontext der NAD-Verfügbarkeit, aber die Quelle ist sekundär.
Da gibt es noch was
Natürlich möchte ich betonen, dass auch ich nicht empfehle, NMN einzunehmen, „um Alzheimer zu heilen“. Wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, Alzheimer weit fortgeschritten ist, hilft später vielleicht so ein Medikament.
Ich persönlich werde die Forschungslage weiter intensiv verfolgen. Denn: erstens, könnte uns bald viel Leid erspart bleiben. Und: zweitens, ganz eigennützig, weil ich Träger des bekannten „Alzheimer-Gens“ APOE4 bin.
Das war ja nicht mal die einzige positive Nachrichten, die wir quasi zu Weihnachten über Alzheimer gehört haben. Es gab da weitere:
- Sehr hohe Dosen der Aminosäure Arginin konnte in Alzheimer-Tiermodellen auch erstaunliche Effekte erzielen. Da heißt es: „Arginin ist ein sicherer und kostengünstiger Kandidat als Medikament gegen Alzheimer.“ (Q)
- Außerdem erwies sich Spermin, eng verwandt mit Spermidin, ein körpereigenes Polyamin, das man auch essen kann, als wirkungsvoller Kandidat gegen zelluläre Schäden bei Alzheimer – jedenfalls beim Fadenwurm. :-) (Q)
Spannender könnte es nicht sein.