„Wer liegen bleibt, stirbt“, ist ein maximal martialischer Glaubenssatz, der unglaublich viel Wahrheit transportiert.
Diejenigen, die gerade liegen müssen, können darüber natürlich nur müde lächeln. Die liegen ja nicht umsonst, sondern weil sie im Moment halt nicht anders können.
Vor zehn Jahren wäre mir der Satz noch ein bisschen leichtfertiger über die Lippen gekommen. Als ich meine Mutter nur noch liegend dahinschrumpfen gesehen habe, habe ich den aus meiner Hilflosigkeit einmal gesagt.
Was wir damals nicht wussten: Schwer krebskrank und ein paar Wochen später tot. Man kann sich vorstellen, dass mich dieser Satz bis heute „ein bisschen“ verfolgt.
Bewegung öffnet Türen
In der Biologie treffen wir überraschend häufig Causation und Reverse Causation zugleich. Schwere Erkrankungen fesseln uns nicht selten längerfristig ans Bett.
Umgekehrt gilt auch, dass uns jeder Schritt, den wir uns nicht bewegen, ein Stück altern lässt. Liegen zu bleiben, kann man folglich wörtlich oder im übertragenden Sinne verstehen.
Im übertragenden Sinne sehen wir ganze westliche Gesellschaften, die liegen bleiben und daher viel zu schnell altern. Auch das drehen wir natürlich um, schreiben dann modern-sexy von Gesundheitsspanne und Longevity.
Obwohl wir in Wahrheit einfach nur schneller altern als vielleicht alle Vorfahren vor uns. Nur wer sich bewegt, kriegt den Körper zurück an den Verhandlungstisch. Auch bei chronischen Erkrankungen.
Druck auf die Knochen
Die Komplexität, wie Bewegung gesund macht und gesund hält, übersteigt unser aktuelles Wissen drastisch. Wir denken ja immer noch an Muskeln und Blutfluss.
Ganz aktuell erschien eine Arbeit, die mich persönlich beeindruckt. Mir aber wieder mal zeigt, dass ich biologische Wissenschaft irgendwie im Urin habe. Für mich atmet der ganze Organismus, nicht nur Teile davon.
Die Storyline der Tierstudie geht so: Forscher konnten zeigen, dass Mäuse kürzer leben, wenn sie ein Protein abschalten, das erkennt, ob der Knochen belastet wird. Der Knochen scheint also mitzubestimmen, wie alt jemand wird.
Das war nicht alles. Wenn die Forscher ältere Mäuse zum gezielten Schienbein-Training schickten (unter Narkose..), bei dem gezielt axialer Druck auf das Schienbein ausgeübt wurde, wurden die Tiere wieder jünger.
- Besseres Gehirn
- Besserer Zuckerstoffwechsel und weniger Fett in der Leber
- Weniger Zellalterung und Entzündungen
- Bessere Knochen
- Jüngeres Immunsystem
Der Knochen ist unterschätzt
Du erinnerst dich bestimmt noch sehr genau an diesen alten Artikel von mir:

Dort geht es darum, dass ein Knochen, den man beispielsweise mechanisch stimuliert (Sport…), Hormone bildet, die wiederum einen großen Einfluss auf Testosteron haben.
Heute wissen wir: Das war bei weitem nicht alles. Ein Knochen, den wir mechanisch belasten, steuert ein ganzes Arsenal an Molekülen, die offenbar enormen Einfluss auf gesundes Altern haben.
Umgerechnet auf uns: Die Tiere in den Versuchen waren so ca. 60-70 Jahre alt und konnten durch die mechanische Reizung ihrer Schienbeinknochen eine molekulare Verjüngung von vielen Jahren erreichen.
Im Übrigen lebten die Tiere auch länger: Ihre mittlere Lebensspanne stieg um rund 10 %. Würde ich auch mitnehmen wollen.
Im Kopf noch dabei? Verstehst du, was da steht?
Gesundheit machen
Wer den Tierversuch nachmachen möchte: Am ehesten erreicht man ähnliche Belastungen durch rhythmisches Hüpfen wie beim Seilspringen, durch Laufen, Kicken oder dynamische Kniebeugen.
Ich bleibe bei den Kniebeugen. Bin mir sicher, dass man den Reiz verstärkt, wenn man die Kniebeuge ziemlich schwer macht. Das Schienbein soll leiden. 😈
Aber mal im Ernst: Gesunderhaltung ist wie ein schönes Puzzle. Alles, was wir am Tag in konstruktiver Weise tun, macht oder hält gesund. Das fängt bei mentaler Hygiene an, bringt uns zum Kuscheln, zum Sport, zur Sauna und so weiter.
Manche Puzzleteile sind besonders groß und wichtig. Bewegung zum Beispiel. Daher sollten wir uns alle gut merken: Nur wer sich bewegt, kriegt den Körper zurück an den Verhandlungstisch.
1 comments On Bewegung macht langlebig – aber anders
Passt zwar vielleicht nicht ganz richtig zum Artikel, aber mir kamen beim Lesen gerade die Vibrationsplatten in den Sinn. Täusche ich mich oder werden die unter anderem auch zur Osteoporose-Therapie und/oder Osteoporose-Prävention genutzt? (quasi zur sanften Knochenstimulation)