Linkedin Bullshit

Zwei Idiotien zum Lachen

Bin ja auf Linkedin unterwegs – macht man so. Interessiert vermutlich kaum jemanden, was dort passiert. Die, die sich dort aufhalten, glauben aber, dass sie sehr wichtig sind und der Welt viel zu sagen haben.

Daher ist heute jeder Blogger. Früher – also bis vor zwei Jahren – musste man dafür noch irgendein Talent fürs Schreiben mitbringen. Heute kann man sich die Beiträge einfach von der KI schreiben lassen.

Was man sich nicht schreiben lassen kann: den eigenen Sachverstand. Bullshit bleibt Bullshit. Daran ändert in der Regel auch eine KI nichts mehr.

Sprechen wir mal über zwei mich amüsierende Beispiele.

Kalorien – so wichtig

Wer Ernährung im Jahr 2026 noch immer nicht verstanden hat, glaubt ganz fest an die Kalorie.

Wer abnehmen will, muss nur Kalorien streichen. Das klappt ganz sicher auch bei denjenigen, die sich willentlich und umgebremst gerne den Wanst vollgeschlagen haben. Aber wer frisst sich gerne absichtlich fett?

Es geht um eine Fehlregulation des Körpers. Auf systemischer Ebene, im Muskel, im Gehirn, wo auch immer. Jeder, der klar denken kann und einen normalen Energiestoffwechsel hat, weiß das auch.

Wenn ich mir jetzt 5000 Kalorien reinknalle, dann nehme ich – bei einem angenommenen Verbrauch von 3000 Kalorien – natürlich nicht einfach 2000 Kalorien, also ca. 300 g Fett zu. Ein gesunder Körper …

  • wird heiß
  • wird sich bewegen wollen, rumzappeln
  • wird die darauf folgende Mahlzeit kompensieren

Genau deshalb musste kein Mensch vor uns jemals über „Kalorien“ nachdenken. Die Kernfrage ist:

Warum greift das bei Übergewichtigen nicht mehr?
Warum werden die von ihrem Körper im Stich gelassen?

Bei Linkedin findet man stattdessen Ernährungsratschläge wie aus dem vergangenen Jahrtausend:

abnehmen bei linkedin

Bild habe ich adaptiert.

Das ist keine Ernährung, kein Diät-Tipp, das ist eine vollständige Verzerrung der Ernährungsphysiologie und die Eintrittspforte zur Essstörung. Wer glaubt, mit Magerprodukten wie dem Eiklar schlank und mit fetten Produkten wie dem Eigelb dick zu werden, hängt tief drin. Um höflich zu bleiben.

Dürfte aber auf keinen Fall mit Menschen darüber sprechen.

Kollagen für die Haut – oder nicht

Kollagen hat in den vergangenen Jahren ohne Frage einen unglaublichen Boom erlebt. Wer hät’s gedacht? Tipp: Wir natürlich :-) Im Ernst: Kollagen hat eine sinnvolle Daseinsberichtigung.

Die typischen Kollagen-Aminosäuren Glycin und Prolin kommen auf dem Speiseplan sonst kaum vor und man weiß seit über zehn Jahren, dass die Biochemie Extra-Glycin braucht, um alle glycinabhängigen Prozesse im Körper ordentlich zu speisen.

Dazu zählt die Kollagenbildung. Außerdem stimulieren die Kollagenpeptide selbst direkt die Kollagensynthese in den dafür verantwortlichen Körperzellen (z. B. Fibroblasten).

Frauen sind besonders offen für alles, was das Kollagen betrifft. Denn Kollagen verleiht der Haut ihre Struktur – ergo: Kollagen macht schöne Haut. Die Frage ist nur: Macht zugeführtes Kollagen besseres Hautkollagen? 

Bis vor wenigen Jahren war die Mehrheit der Forschungsdaten klar: auf jeden Fall. 2025 kam eine Meta-Analyse, die den von manchen Leuten ersehnten Schlussstrich zog. Fazit: Hilft nur in pharmafinanzierten Studien. Hilft nicht, wenn nicht gesponsert.

Narrative – lieben wir. Nur: Die Studie wurde für ihre mangelnde Qualität längst zerlegt. Trotzdem liest man auf Linkedin immer wieder: Kollagen bringt nix für die Haut.

Ob’s ein Wundermittel für die Haut ist? Keine Ahnung. Ich weiß aber, dass mein Leben kein Studienzeitraum von vier Wochen ist:

Kollagen Einnahme Haut
Kollagengehalt der Haut über die Lebensspanne. 

Mein Bizeps ist nach vier Trainingseinheiten noch nicht gewachsen? Nein, doch, oh!

Der Kollagenabbau ist ein lebenslanges Problem, kein vierwöchiger Studienzeitraum. Das muss man doch verstehen. Und wer’s oral nicht zuführt – egal ob Knochenbrühe oder Pulver –, hat dem genau Null entgegenzuwirken.

Man muss wissen, wann man lachen darf – und wann man ernst zuhören sollte.

In diesen beiden Fällen sollte man besser schmunzeln und es unter der Kategorie „Kein Mensch braucht Linkedin-Weisheiten“ verbuchen. Gilt natürlich gleichermaßen für ähnliche Beiträge auf anderen Plattformen.

 

Der Text ist von mir, Chris Michalk. Fast zwei Jahrzehnte war ich dem Leistungssport treu und studierte als Folge Biologie und drei Jahre Sport. Leistungsphysiologie war mein Hauptinteresse, das mich vor circa 15 Jahren dazu gebracht hat, Studien zu lesen. In Folge einer Stoffwechselerkrankung gründete ich den Blog edubily und verfasste zusammen mit meinem Kollegen Phil Böhm mehrere Bücher (u. a. "Gesundheit optimieren, Leistungsfähigkeit steigern"). Ich machte meinen Abschluss in zellulärer Biochemie (BSc, 1,0) – und neben meinem hier ausgelebten Interesse für "Angewandte Biochemie", bin ich zusammen mit Phil Böhm Geschäftsführer der edubily GmbH.

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