… gibt es. Glaubst du nicht? Lass es mich erklären.
Deutschland, das D-Mangel-Land
Wir sind uns einig: Wir in Deutschland – von anderen Populationen wollen wir erst mal nicht sprechen – sind schlecht mit Vitamin D versorgt.
Die Frage ist: Wie kommt’s?
Auf Anhieb würde mir persönlich einfallen, dass die Zufuhr einfach nicht passt. Vitamin D kommt kaum in der Nahrung vor und ab spätestens Oktober bis März/April reicht die UV-Strahlung nicht aus, um genug VitD in der Haut selbst zu bilden (Q).
Ohne Ergänzung sind das also mindestens vier ganze Monate, in denen der Körper keine exogene bzw. endogene Vitamin-D-Quelle hat. Auch das im Fettgewebe gespeicherte VitD reicht nicht – lässt sich schon an den niedrigen Spiegeln erkennen.
Und die wurden beispielsweise vom RKI via Rabenberg et al. 2015 publiziert. Die Ergebnisse habe ich hier einmal zusammen mit zwei Datenpunkten aus Tabriz et al. (2025) vereinfacht darstellen lassen:

Was fällt auf? Genau: Nach Definition vom RKI sind die Deutschen in 7-8 Monaten von 12 inadäquat mit Vitamin D versorgt. Setzt man Referenzwerte nach Publikationen etwas höher an (≥ 75 nmol/l) , findet man eine ganzjährige Unterversorgung.
Ernährung macht VitD-Mangel
Was, wenn nicht nur saisonale Schwankungen entscheidend wären, sondern auch das, was man in den Mund steckt? Das im vorigen Beitrag verlinkte Cordain-Werk liefert dazu spannende Einsichten, Zitat:
In Tierversuchen ist seit langem bekannt, dass ein übermäßiger Verzehr von Getreide bei einer Vielzahl von Tieren, darunter auch Primaten, zu einem Vitamin-D-Mangel führen kann.
Jetzt wird’s spannend. Denn ohne darauf im Detail einzugehen, gibt es mindestens drei Faktoren wie diese getreidelastige Nahrung einen Vitamin-D-Mangel (= niedriger 25-OHD-Spiegel im Blut) hervorrufen kann:
- Calcium-Mangel primär: Fehlt Calcium muss das aktive VitD-Hormon Calcitriol ansteigen, was wiederum die Speicherform (25-OHD) im Blut wegreagiert.
- Calcium-Mangel sekundär: Wenn beispielsweise eine phytatreiche Kost dazu führt, dass weniger Calcium aufgenommen wird – größter Phytatlieferant hierzulande: Getreide. (Vgl. Q)
- Entzündungen: Entzündungen steigern die Bildung vom aktiven VitD Calcitriol und lassen dadurch 25-OHD sinken – Entzündungen sind oft hausgemacht, vor allem im Darm.
Hier setzen Studien an.
Konkrete Beispiele
Beispiel Zöliakie. Die Krankheit macht auch die Knochen kaputt. Erstens ist die Ca-Aufnahme verringert und zweitens liegt eine chronische Darmentzündung vor. Resultat: niedrige VitD-Spiegel (Speicherform im Blut), viel systemisches Calcitriol macht hohe Knochenresorption.
→ Folglich normalisieren sich VitD-Spiegel bei glutenfreier Kost (Q, Q, Q). Und die Knochenmasse gleich mit. Ohne eine Ergänzung.
Beispiel IBS-D (Reizdarm). In Studien findet man häufig ein „Entzündungsmarker-Profil wie bei Zöliakie“ und verringerte VitD-Spiegel. Natürlich.
→ Die VitD-Spiegel steigen bei einer Low-FODMAP-Ernährung (wenig Getreide) drastisch an. Ohne eine Ergänzung. Siehe Abb. unten. (Vgl. Q, Q, Q)
Wie immer sollte man vorsichtig mit voreiligen Schlüssen sein – die saisonale Blutwertbestimmung hat sicher Einflüsse auf die Ergebnisse.
Nichtsdestotrotz liefern die Daten Hinweise darauf, dass die Ernährung ein gewisses metabolisches Profil begünstigt, das die VitD-Spiegel senken kann. Krankheit ist jedoch nur der Endpunkt dieser Störung.
Ich möchte daran erinnern, dass Gliadin-Antikörper in manchen Population in sehr hoher Frequenz (bis 30 %) gemessen werden – faktisch an Zöliakie erkrankt und diagnostiziert sind in der Regel etwa bis 2 % der Menschen. (Vgl. Q)
Ursache für tiefe Spiegel ist komplex
Über unterschiedliche Wege kann Ernährung offenbar Einfluss auf die VitD-Spiegel haben.
Bitte nicht falsch verstehen an der Stelle: Ich halte eine sinnvolle VitD-Ergänzung für essentiell, insbesondere über die sonnenarmen Monate. Die Frage ist nur, wie viel wirklich nötig ist und ob Vitamin D alleine die adäquate Strategie ist. Vermutlich nein.
Was nötig ist, um den Körper so gesund zu halten, dass man eine gute VitD-Basis hat, ist seit 12 Jahren Thema dieses Blogs.
Warum sind die VitD-Spiegel wichtiger als die Calcitriol-Spiegel?
Calcitriol ist das aktive Vitamin-D-Hormon. Es steigt systemisch vor allem unter Calcium-Mangel an.
Alle Zellen brauchen Calcitriol, um normal zu funktionieren. Aber nicht dieses systemische. Denn die Zellen basteln sich ihr Calcitriol in viel höheren Mengen lokal und intrazellulär aus 25-OHD („Vitamin D im Blut“) selbst – über ihr eigenes Enzym.
Daher kann es auch bei hohen systemischen Calcitriol-Spiegeln zu einem funktionellen Calcitriol-Mangel in den Zellen kommen – wenn das Substrat 25-OHD fehlt. Aha!
