Vor wenigen Tagen ist eines meiner größeren Idole,
Art de Vany (†88)
gestorben.
Ein Mensch, der mich mit Anfang 20 besonders geprägt und dessen Wirken sich tief in der DNA hier verankert hat.
Der Ökonomie-Professor war vielleicht einer der Haupttreiber für die extrem aufstrebende Paleo-Community Ende der Nuller- bzw. Anfang der Zehnerjahre.
Die Paleo-Community wiederum war eng verzahnt mit dem Beginn von CrossFit. Wer weiß, wo CrossFit heute ohne Art de Vany und Paleo wäre – ob es überhaupt jemals so bekannt geworden wäre.
Das, was Art de Vany auszeichnete, war sein moderner Ansatz. Sein „Evolutionary Fitness“-Approach war der erste echte Versuch, einen modernen Lifestyle – nicht nur eine Ernährungsform – zu erschaffen, der mit unserer uralten Steinzeit-Genetik kompatibel ist.
Damit hat er’s vor 15 Jahren sogar in den SPIEGEL geschafft.
Er distanzierte sich stets von den damals immer extremer werdenden Ansätze hin zur fettbasierten Keto-Ernährung. Seine moderne Paleo-Variante nannte er Paleo Hightec. Mir hat diese Weitsicht und die durch ihn personifizierte Meta-Ebene gefallen.
Wir sind Kreaturen der Eiszeit
– Art de Vany
Wie damals üblich, hatte auch er als großer Vordenker einen Blog, den ich oft gelesen habe und dessen Ideen ich wie ein Schwamm aufgesaugt habe. Leider hat er ihn irgendwann eingestellt.
Ich habe ihn in TV-Dokumentationen verfolgt – siehe Youtube –, sein Buch gelesen, Podcast gehört (u. a. bei Tim Ferris) und damals sogar sein Seminar studiert, das als DVD-Version verfügbar war und eine Zeit lang digital angeboten wurde.
Hier mit Anfang 70 zu bestaunen.
Nun sind gut 15 Jahre wie in einem Wimpernschlag vergangenen. Natürlich habe ich mich als junger Mensch gefragt, wie lange wohl so eine Körpermaschine, die Art de Vany sogar in seinen 70ern noch war, leben kann.

Es war ein Longevity-Projekt, das er nicht nur für sich erprobte. Noch vor wenigen Jahren – also mit über 80 – stand er als Redner auf Bühnen und philosophierte über Autophagie und die mächtigen Typ-2-Muskelfasern, die im Alter präferiert verloren gehen.
Genau das war auch der Grund, warum ich überhaupt mitbekommen habe, dass er gestorben ist. Denn ich bereite gerade einen Beitrag zu Typ-2-Fasern und ihrer Bedeutung für ein gesundes Altern vor.
Naturgemäß verbinde ich Art de Vany mit diesem Thema. Und, wie ich das in regelmäßigen Abständen immer bei mir wichtigen älteren Personen mache, schaute ich einmal kurz nach Lebenszeichen. Das gab es seit längerem nicht mehr.
There is no failure, only feedback.
– Art de Vany
Stattdessen haben die alten Koryphäen, die teilweise mit ihm befreundet waren, namentlich Mark Sisson, Robb Wolf bzw. Richard Nikoley, berichtet, dass sie aus erster Hand erfahren haben, dass Art de Vany im Januar verstorben ist.
Das hat mich sehr traurig gemacht. Vor allem als jüngerer Mensch braucht man starke Vorbilder, die einem eine Richtung vorgeben können. Art de Vany hatte in dieser Lebensphase für mich eine besondere Bedeutung.
Es zeigt mir wieder mal: Eine der größten Herausforderungen Ü30 ist, dass immer mehr Menschen, die einem was bedeutet haben, sterben. Das macht einem nicht zuletzt die eigene Vergänglichkeit klar.
Es ist schwer zu glauben, aber der Moment ist nach all den Jahren wirklich gekommen: RIP, lieber Art! Hoffentlich lebt dein Wirken noch eine Weile hier und woanders weiter.
Addendum
Meine Top-6-Beiträge, in denen Art de Vany vorkommt:
- Art de Vany: Wie wir wieder jung und fit werden (2017)
- Zyklen: Du musst dem Körper nehmen, um zu bekommen (2019)
- Die Ursache moderner Krankheiten (2016)
- Welche Ratte bist du? (2023)
- Ich bin verunsichert: Was soll ich essen? (2017)
- A hill we may never climb. (2014)
Mir ist wichtig, hier auch noch ein kritisches Wort zu platzieren, wie ich es auch schon vor einigen Wochen bei Dr. McDougall getan habe.
Leider gab es auch bei Art ein paar fachliche Inkonsistenzen, über die ich nie wirklich weggekommen bin. So war er beispielsweise großer Fan von glykolytischen Typ-2-Fasern. Wie der Name verrät, lieben die Muskelfasern Glukose (Kohlenhydrate!).
Art hingegen verabscheute die Zufuhr größerer Menge an Kohlenhydraten. Er wollte die Glukose-Verfügbarkeit seines Körpers lieber über die Gluconeogenese (Zuckerneubildung) in der Leber aus Protein erzwingen – plus ein bisschen Obst und Gemüse.
Er war ganz sicher auf einem richtigen Pfad, aber dann doch irgendwo – vielleicht wie wir alle – ideologisch gefangen. Ich bin der Auffassung, dass Kohlenhydrate – Kartoffeln und Co. – gerade im Alter eine große und wichtige Anti-Aging-Rolle spielen.
Mitochondrien werden defekter, Zellen sind stärker auf Glukose und Insulin (für den Anabolismus) angewiesen. Alles über den Fettstoffwechsel zu lösen und dem Körper die Glukose zu streichen, halte ich für abträglich im Alter.
Wer mehr über Art de Vany und seine Ideen erfahren möchte, der möge nun die Suchmaschinen bedienen :-)
1 comments On Mein Idol ist gestorben
Danke Dir für den Nachruf