Es gibt Bestandteile unseres Speiseplans, die vielleicht gefährlicher sind, als wir wahrhaben wollen.
Das speist sich aus zwei Phänomenen:
- Was uns akut nicht schlecht fühlen lässt, wirkt nicht bedrohlich.
- Wir verdrängen im Alltag Langzeitrisiken.
Daher gibt es immer noch über 10 Millionen Raucher in Deutschland – und 130.000 jährliche Todesfälle, nur deshalb.
Wir verschätzen uns bei Gefahren
Mit Zucker verhält es sich ähnlich.
Immer wieder bin ich erstaunt darüber, dass es Menschen gibt, die wirklich gezuckerte Cola trinken. Jeden Tag.
Beobachte an mir selbst aber die Tendenz, des Öfteren mal eine Limo zu trinken, wenn ich mich viel bewegt habe.
Viele Menschen mögen es noch riskanter:
- Die kaufen sich morgens beim Bäcker – von mir wertschätzend genannt – „Teilchen“
- Die essen gezuckerten Sahnepudding als Nachspeise des Mittagessens
- Die frönen dem Kuchen am Nachmittag
Und so weiter.
Ein Tag in der Fußgängerzone
Der Kuchen mit dem berühmten Sahnehäubchen ist für mich der Inbegriff der (metabolischen) Entgleisung der westlichen Gesellschaft.
Zucker + Weißmehl + gesättigte Fette. Runtergespült mit dem dritten Kaffee.
Der Ostsee-Urlaub mit Tagesausflug Timmendorfer Strand könnte hier eindrücklicher nicht gewesen sein: Eine ganze Straße voller Menschen, die genau das so leben.
Wer ein Sinnbild braucht – da hast du’s.
Longevity mit Zucker? Eher nicht.
Ich bin jetzt Mitte 30 und überlege mir inzwischen gut, wie’s weitergehen soll. Stichwort Longevity. Langsam zählt’s.
Und daher denke ich immer öfter über Zucker nach. Über das unschuldige, süße Gift, das sich täglich in unser Leben schleicht.
Wohlgemerkt: Ich rede nicht so, weil ich ein Fruktose-Basher bin. Ich glaube immer noch nicht, dass eine Banane einer Cola entspricht.
Aber ich kann Studien lesen und an mir selbst prüfen, was Zucker macht.
Metastasen dank Fruktose
Diese lange Einleitung gilt einer neuen Studie. Wichtig: Präklinisch, das heißt Zellkultur + Mausmodell.
Hier fanden die Forscher, dass sich Ovarialkarzinomzellen (Eierstockkrebs) nach einer Chemotherapie zwar nicht mehr teilten.
Sie gaben jedoch vermehrt Fruktose ab – und diese Fruktose förderte die Metastasierung umliegender Krebszellen.
Mehr noch: Fruktose, die in hohen aber üblichen Mengen verabreicht wurde (Softdrink!!), reichte für den Effekt aus.
Eine Cola reicht
Das ist also vielleicht die erste Studie, die konkret zeigt, dass Fruktose – 50 % in Zucker enthalten – die Metastasierung fördert.
Hohe Fruktosemengen, vergleichbar mit dem Level in zuckerhaltigen Getränken, förderten die Ausbreitung auch ohne vorherige Chemotherapie. Das heißt, der Effekt hängt nicht zwingend an den gealterten Krebszellen — exogene Fruktose reicht im Modell aus.
Die gute Nachricht: Es beweist nix am Menschen. Noch nicht.
Wo kam der Zucker her?
Der Mechanismus ist interessant: Fruktose drosselt den Cholesteringehalt der Nachbarzellen – Cholesterin fungiert aber als „Kleber“, um die Zellen zusammenzuhalten.
Die Autoren hinterfragen an der Stelle, ob die Gabe von Cholesterinsenkern im Zuge einer Krebserkrankung vielleicht nachteilig wirken könnte. Auch hier erst mal Entwarnung: Große Studien zeigen in der Regel keine Zusammenhänge.
Ich denke mir bei den Ergebnissen natürlich meinen Teil. Reinen Zucker gab’s die letzten Jahrmillionen höchstens mal als Honig. Und auch sonst war’s in Europa mau mit sehr süßem Obst.
Das war’s.
1 comments On Fruktose immer schlimmer
Super sich das immer wieder ins Gewissen zu rufen.
Wie siehst du das mit Zucker während der Belastung? Also jetzt mal als Beispiel bei einem Tour de France Fahrer. Der sich teilweise bis zu 180gr. die Stunde reinhaut. In dem Verhältnis von 1:0,8 oder wie früher 2:1.
Ist die Fruktose „nur“ ein Problem wenn sie nicht verbraucht wird, wie während der Belastung? Also mich interessiert der Kontext während dem Sport.