Krebs und Zucker

Was ich einfach nicht verstehen kann (Krebs)

Es gibt Dinge im Leben, die kann ich einfach nicht verstehen.

Geht dir vielleicht auch so.

Es gibt viele Beispiele, manche größer, andere kleiner.

Obwohl die Größe, das Gewicht eines Problems ja auch was Subjektives ist.

Beispiel Krebs.

Für Menschen, die es gerade nicht betrifft, eher eine Nebensache. Für andere … du verstehst schon.

Im Oktober/November 2017 wurde Krebs zu meinem großen Problem, denn meine Mutter war schwer erkrankt und verstarb dann auch in kurzer Zeit an Krebs.

Und damals ist mir schon aufgefallen: Wenn der ekelhafte Tumor, der ihr gerade die Lunge zerfrisst, Zucker inhalieren würde, um zu gedeihen, müsste man den ja im PET-Scan sehen. Der PET-Scan misst ja genau das.

Man hat zwar vier, fünf Tumörchen in Knochen im Bereich der Schulter gesehen – die haben fröhlich geleuchtet. Nur die Lunge, die am Ende versagte, bei der war das anders. Da war nix. Niemand wusste, was dort ist.

Nach dem Tod per Biopsie verifiziert: Sehr aggressives Lungenadenokarzinom.

Was ist da (nicht) passiert?

Sind Krebszellen Zuckerverbrenner?

Es gibt seit mindestens fünfzehn Jahren sehr starke wissenschaftliche Hinweise, dass auch sich aggressiv teilende Tumorzellen, z. B. Metastasen, eben nicht nur – wie häufig behauptet – Zucker, also Glukose, wegatmen.

Und diese Hinweise findet man ja in Pubmed. Man muss nur mal lesen. Dauert keine zehn Minuten – wenn man will. Zum Beispiel hier, hier oder hier.

Trotzdem lese und höre ich immer wieder, gerade von Menschen, die es fachlich wissen müssten, das Gegenteil.

Aggressive Tumore leben von Zucker. 

Aggressive Tumore leben von vielen Nährstoffen. Wird meistens verschwiegen. Und auch so: Was soll das bringen? Jeder, der sich damit befasst hat, weiß, dass man unter ketogener, also extrem zuckerreduzierter Kost sogar höhere Blutzuckerspiegel haben kann.

Höher, nicht niedriger. Theoretisch: mehr Krebs. Wenn man die Idee umkehrt.

Man müsste also zumindest einen oder zwei (ehrliche) weitere Haken schlagen, um das Thema ein bisschen besser zu erklären. Passiert nicht. Verstehe ich nicht.

Brustkrebs verbrennt Fett

Gerade erscheint eine Arbeit im renommierten Fachmagazin Cell Metabolism. Mein absolutes Lieblingsmagazin, weil dort wirklich die Speerspitze der Forschung drin steht.

Also eine Arbeit, die ganz kompliziert titelt:

Ein Stoffwechsel-Switch reguliert die Plastizität der Zelllinien und induziert synthetische Letalität bei dreifach-negativem Brustkrebs

Man braucht nicht allzu tief in die Ergebnisse der Arbeit reinzugehen. Dort steht aber sinngemäß drin: Die aggressiven Triple-negativ-Brustkrebszellen können bei Verlust der Fähigkeit zur Zuckerverbrennung … einfach mehr Fett verbrennen. 

Und das eröffnet andere Therapiemöglichkeiten. Immerhin.

TNBC-Zellen sind also gerade keine bloßen primitiven Glukosevergärer. Das ist der Punkt.

Muss man nicht verstehen

Es soll hier gar nicht um Implikationen gehen. Es geht lediglich darum, dass ich nicht verstehe, wieso solche Forschungsergebnisse einfach ignoriert werden. Man behauptet einfach das Gegenteil.

Seit es diesen Blog gibt, also seit 12 Jahren, beobachte ich das Feld. Bis heute gibt es keinen klaren Durchbruch, kein klares Signal, dass spezielle, glukoserestriktive Ernährungsformen einen robusten Nutzen haben für Krebspatienten.

Stattdessen mehren sich Hinweise darauf, dass sich manche Tumore in einer fettreichen Umgebung, auch im Kontext einer ketogenen Ernährung, ganz wohlfühlen – ganz aktuell, wenn auch nur Tierstudie, hier.

Sollte man über solche Ergebnisse nicht auch sprechen, wenn man wirklich helfen will?

PS: Angenommen du bist die übergewichtige Petra, die aufgrund dieses Übergewichts eine fettreiche Umgebung für Tumorzellen in der Brust schafft. Dann ist es natürlich gut, wenn du dieses Fett verbrennst, also los wirst. Ob du das mit einer Keto-Ernährung schaffst und nicht … – egal! Das ist eine negative Energiebilanz, die dem Tumor Fette entzieht. Übergewicht gilt nicht umsonst als der stärkste modifizierbare Risikofaktor bei Brustkrebs (Q). Eine normale Fettmasse senkt – aus unterschiedlichen Gründen – bei nahezu jedem das Krebsrisiko. Das wäre eine ehrliche und auf Daten gestützte Aussage, mit der du was anfangen kannst. 

Der Text ist von mir, Chris Michalk. Fast zwei Jahrzehnte war ich dem Leistungssport treu und studierte als Folge Biologie und drei Jahre Sport. Leistungsphysiologie war mein Hauptinteresse, das mich vor circa 15 Jahren dazu gebracht hat, Studien zu lesen. In Folge einer Stoffwechselerkrankung gründete ich den Blog edubily und verfasste zusammen mit meinem Kollegen Phil Böhm mehrere Bücher (u. a. "Gesundheit optimieren, Leistungsfähigkeit steigern"). Ich machte meinen Abschluss in zellulärer Biochemie (BSc, 1,0) – und neben meinem hier ausgelebten Interesse für "Angewandte Biochemie", bin ich zusammen mit Phil Böhm Geschäftsführer der edubily GmbH.

1 comments On Was ich einfach nicht verstehen kann (Krebs)

  • Ich denke wenn es um Krebs geht ist vor allem das Immunsystem entscheidend. Deshalb wird auch keine Forschung erfolgreich sein, die sich auf irgendein Energiesubstrat fokussiert. Stichwort Thymusdrüse, Thymalin, Thymosion Alpha-1, Thymulin und Tyhmogen, gibt sicherlich noch weitere Sachen, wie Antioxidantien und generell Nährstoffe die auch einen Einfluss haben.

Leave a Antwort:

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden.