titelbild vitamin c blutkrebs

Wenn man die KI nach Mikronährstoffen fragt

… heißt es in der Regel, dass ein Schutz vor Krankheiten nicht belegt sei.

Seit dem ChatGPT-Update zu Astra wird hinter jedem gut recherchierten Beitrag zu irgendeinem Thema ohnehin ergänzt, dass die genannten Infos nichts belegen.

ChatGPT – heute – fügt also jedes Mal einen Disclaimer an. Ein bisschen nervig.

Wenn die KI einen hellen Moment erwischt

Doch was ist passiert, wenn ChatGPT Folgendes schreibt:

Die Versorgung mit einem einfachen Mikronährstoff könnte beeinflussen, wie sich bereits genetisch veränderte Blutzellen verhalten und welche gesundheitlichen Folgen daraus entstehen.

Finde ich bemerkenswert. „Ein einfacher Mikronährstoff“ (mein typisches Wording) könnte beeinflussen, wie es in Zukunft um unsere Gesundheit bestellt ist.

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Eine erstaunlich progressive Aussage für die vorsichtig gewordene KI.

Ein neuer Vitamin-C-Trial

Passiert ist, dass ich die KI mit einer klinischen Studie gefüttert habe.

Über 100 überwiegend ältere Menschen mit einer möglichen Blutkrebsvorstufe erhielten in dieser Goldstandard-Studie über ein Jahr lang entweder 1 g Vitamin C oder ein Placebo.

Hintergrund ist, dass Vitamin C ein Cofaktor des TET2-Enzyms ist. TET2 ist ein entscheidendes „Schutzenzym“ der Blutzellen. Vitamin C sorgt dafür, dass es ordentlich funktioniert.

Der Schluss liegt nahe: Lasst uns bei Menschen, die vielleicht gerade Blutkrebs entwickeln, mal mit Vitamin C reingehen. Es waren ohnehin knapp 60 % der Probanden unterversorgt.

Um das mal in Zahlen zu übersetzen: Sättigungsstudien mit Vitamin C zeigen, dass man ab 500 mg pro Tag nahezu alle Systeme inkl. Blut gesättigt hat. Umgerechnet auf die Probanden der Studie: Die nahmen ungefähr 60-90 mg zu sich. Schwach!

… mit erstaunlichen Ergebnissen

Die Resultate sind spannend.

Konkrete Blutkrebsvorstufen – die sogenannten Klone – unterschieden sich in den Gruppen nicht. Aber:

✓ Schwere gesundheitliche Ereignisse: -40 % 
✓ Todesfälle im Folgezeitraum: -45 % 

Mechanistisch betrachtet, konnten die Forscher nicht verifizieren, dass es tatsächlich am TET2-Enzym lag.

Viel eher sieht es nach dem Motto aus: Vorbeizielen, um einen Volltreffer zu landen. Vitamin C scheint auf vielfältige Prozesse eingewirkt zu haben, sodass es unter Vitamin C beispielsweise nur eine statt acht Lungenentzündungen gab.

Die Autoren folgern:

Diese Ergebnisse legen nahe, dass oral verabreichtes Vitamin C eine sichere, biologisch wirksame Therapie bei Patienten mit myeloischen Malignomen im Frühstadium und Vorstufen darstellt.

Eine Phase-3-Studie ist gerechtfertigt.

Mikronährstoffe sind keine Medikamente, aber…

Nein, ein Schutz vor Krankheiten durch Mikronährstoffe ist nicht belegt. Wir sind nicht in der Medizin, wo es zu jedem Mikronährstoff replizierte, hochwertige klinische Studien gibt.

Mikronährstoffe sind keine Medikamente. Fakt ist aber, dass der Körper nur dank dieser Mikronährstoffe überhaupt normal funktionieren kann. Beispiele? 

  • p53, zinkabhängig, Tumorsuppressor
  • Kollagen-Prolylhydroxylase, Vitamin-C- und eisenabhängig, Kollagenaufbau
  • Deiodinasen, selenabhängig, Schilddrüsenfunktion
  • Diaminoxidase, kupferabhängig, Histaminabbau
  • Alkoholdehydrogenase, zinkabhängig, Alkoholabbau

Im Gegensatz zu Medikamenten kann ein einzelner Mikronährstoff für Hunderte enzymatische Reaktionen notwendig sein – und daher unzählige Prozesse negativ beeinflussen, wenn ein Mangel vorliegt.

Möglicherweise über Jahre oder Jahrzehnte hinweg. Mit Folgen, die man in einer einfachen klinischen Studie nur in Ansätzen erahnen kann. Verstehen Ärzte immer nicht.

Simple as this.

Ein Wissenschaftler dieser Vitamin-C-Studie fasst zusammen:

Unser Ansatz spiegelt die zunehmende Bedeutung der Krebsprävention wider – also das Eingreifen, bevor sich Krebs festsetzt.

Punkt.

In eigener Sache: Es geht los. Der Chris-NL wird zum ersten Mal am kommenden Mittwoch verschickt. Du kannst dich hier eintragen.

Wer noch ein bisschen Geduld hat, für den erläutern wir das im gewohnten Sonntags-NL nochmal kurz.

Der Text ist von mir, Chris Michalk. Fast zwei Jahrzehnte war ich dem Leistungssport treu und studierte als Folge Biologie und drei Jahre Sport. Leistungsphysiologie war mein Hauptinteresse, das mich vor circa 15 Jahren dazu gebracht hat, Studien zu lesen. In Folge einer Stoffwechselerkrankung gründete ich den Blog edubily und verfasste zusammen mit meinem Kollegen Phil Böhm mehrere Bücher (u. a. "Gesundheit optimieren, Leistungsfähigkeit steigern"). Ich machte meinen Abschluss in zellulärer Biochemie (BSc, 1,0) – und neben meinem hier ausgelebten Interesse für "Angewandte Biochemie", bin ich zusammen mit Phil Böhm Geschäftsführer der edubily GmbH.

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