Ich muss gestehen, so ohne Kaffee im Kopf bin ich ziemlich nett und ausgeglichen, vielleicht langweilig. Mit Kaffee im Tank ist die Welt aufregender – und meine Texte etwas schärfer im Ton.
Aber: Ohne Kaffee geht’s mir erheblich besser, daher ist er auf ein Minimum reduziert. Aber warum schreibe ich das? Weil derzeit wieder so unglaublich viel Bullshit im Internet erzählt wird und ich einfach so gar keinen Drang verspüre, drauf zu reagieren. Vielleicht ist es auch die Altersweisheit, man weiß es nicht.
Carnitin hat man oder nicht
Aber wir kennen es ja: „Fleisch ganz schlimm, bringt dich um.“ Darüber kann man als gebildeter Mensch ja nur müde lächeln. Beweis? Fleisch, das böse rote, ist die einzige Quelle für L-Carnitin in der Nahrung. Hat man halt im Körper – oder nicht. Ich bevorzuge, genug Carnitin im Tank zu haben. Das heißt, ich muss, ich will rotes Fleisch – das saftige Weidesteak – essen.
Die meisten Menschen glauben wohl, der Körper macht schon genug Carnitin. Die Wahrheit ist: Manche haben Glück und kommen mit den 20 mg, die der Körper am Tag synthetisiert, einigermaßen gut aus. Das sind dann die, bei denen Vegetarismus und Veganismus scheinbar funktioniert.
Ich persönlich bin – übrigens wie viele Europäer – nicht so beglückt. Meine Nieren scheiden zu viel Carnitin aus und ich bin daher auf eine gute Carnitinzufuhr angewiesen. Hatte ich hier mal erzählt. Merke ich!
Carnitin kennen die meisten als Fatburner. Das ist höchstens die halbe Wahrheit. Carnitin wird gebraucht, damit Mitochondrien Fett verbrennen können – das ist richtig. Es gibt aber ein weiteres Enzym in den Mitochondrien, das mit Carnitin arbeitet, und vielleicht nochmal viel wichtiger ist. Die Rede ist von der mystischen CrAT (Carnitine O-acetyltransferase).
Und die Story geht so: Wenn wir unsere armen Mitochondrien mit zu viel Energie bombardieren (Hüftspeck, Genetik und so weiter!) oder die Mitos nicht richtig funktionieren, „verstopfen“ sie mit Acetyl-CoA, der Hauptenergieträger, der aus der Verbrennung von Kohlenhydraten und Fetten entsteht. Mit Acetyl-CoA wird Energie gewonnen – und nur so!
Man kann aber auch zu viel davon haben, dann blockiert alles. Die Folge ist:
Metabolische Inflexibilität!
Ich hatte hier im Blog vor langer Zeit (2015!!!) schon mal genau darüber berichtet. Darf man sich gerne nochmal in Ruhe durchlesen. Jedenfalls wissen wir ja, dass wir das Gegenteil wollen, nämlich die metabolische Flexibilität. Das heißt, ich verbrenne das, was ich in den Mund stecke. Viel Fett = viel Fettverbrennung. Viele Kohlenhydrate = gute Kohlenhydratverbrennung.
Carnitin stellt metabolische Flexibilität wieder her
Schlussendlich heißt das nämlich auch: Energie. Viele, viele Menschen sind metabolisch inflexibel und kriegen vor allem nach Kohlenhydratgenuss eben keinen Energieschub. Im Gegenteil, meistens müssen die sich erst mal hinlegen. Und jetzt kommt die herausragende Nachricht, die uns eine hochwertige klinische Studie (RCT) vor wenigen Jahren besorgte:
Zusammenfassend zeigen wir hier, dass eine Carnitin-Supplementierung bei Probanden mit eingeschränkter Glukosetoleranz eine sehr ausgeprägte Wirkung auf die metabolische Flexibilität hat und diese sogar vollständig wiederherstellen kann.
Vollständig wiederherstellen. Sehr ausgeprägte Wirkung auf die metabolische Flexibilität. WHAT? Das ist keine Musik in meinen Ohren, das ist eine Symphonie! Hallo? Noch jemand wach??
Die Wissenschaftler nutzten hierfür ein neues Verfahren – einzigartig. Die konnten so genau messen, was Carnitin im Muskel macht. Und die Forscher finden: Es hilft, die Zellen vor Energieüberfrachtung zu schützen, Carnitin pimpt also unsere Mitochondrien, und die Folge ist, dass die wieder normaler funktionieren.
Genau genommen zeigen die Autoren: Wenn Probanden mit eingeschränkter Stoffwechselfunktion genug Carnitin im Tank haben, fährt der Muskel bei Kohlenhydratkonsum die Kohlenhydratverbrennung genau so hoch wie bei Menschen, die völlig stoffwechselgesund sind. Das heißt doch für uns was ganz anderes:
ENERGIE AUS KOHLENHYDRATEN!!!!
Carnitin, also Fleisch, heilt
Übrigens: Studien im renommierten Fachmagazin Nature Metabolism zeigen, dass das Carnitin-abhängige Enzym, von dem hier die Rede ist, auch im Herzen eine Schlüsselrolle spielt. Wenn das Enzym nämlich nicht richtig funktioniert, entzündet sich das Herz und Herzschwäche kann sich eher entwickeln. Vielleicht einfach keinen Carnitinmangel riskieren, oder?
Und so schließt sich der Kreis: Im Ernst, mir ist völlig egal, wer was im Leben glaubt. Nur wer solche Fakten ignoriert und einfach nicht versteht, dass 2 Mio Jahre Evolution – das heißt: Fleischkonsum – massive Spuren in uns hinterlassen haben, dem ist doch nicht zu helfen. Manche haben in der Kindheit vielleicht einfach zu viel Pippi Langstrumpf geguckt. Wobei die Pippi immerhin Eier kocht.

6 comments On Fleisch heilt – Geheimnis Carnitin
Wieder mal super Info!
Hab noch eine Frage, wie ist das mit Straussenfleisch? Hat das auch Carnetin, ist ja auch rotes Fleisch, aber Vogel. Oder gilt das nur für Rind/Wiederkäuer?
Strauss ist super für Carnitin – extrem gehaltvoll!
Einfach rein mit dem guten Nefrocarnit, dann kann im Darm auch nix gebildet werden. ;-)
Wenn irgendwann de echte Maggus hier kommentiert, habe ich meinen Fanboy-Moment 😂
Aber gute Idee mit der Injektion ;)
Guter Artikel Chris.
Wäre nur nch ein Wort über TMAO zu verlieren, das ja Herz Kreislauf KRankheiten begünstigt. Menschen mit einem eher hohen bzw. ungünstigen Cholesterinspiegel haben dieses Problem. Leider scheint L-Carnitin den TMAO Spiegel zu erhöhen.
By the way: Meinen – zu hohen – konnte ich mit PQQ senken.
Werner
Lieber Werner, danke dir. Das stimmt zwar, aber glücklicherweise braucht es ja auch nicht viel, so 100 mg pro Tag im Schnitt sollte TMAO eigentlich nicht nennenswert erhöhen. LG