vitamin d dopamin serotonin 1

Depressionen im Sommer (Vitamin D)

Kommen vor. Gibt es.

Doch warum? Schlägt die Hitze aufs Gemüt? Vielleicht. Aber Depressionen? Was viele thematisch ein bisschen verpassen, ist die Tatsache, dass viele von uns besonders dann mehr drin sitzen, wenn es draußen besonders sonnig und heiß ist.

Drum kommt eine Studienzusammenfassung (Review) aus 2018 zum Schluss:

Schlussfolgerungen: Entgegen den Erwartungen war die Prävalenz eines niedrigen Vitamin-D-Status in Südeuropa und im östlichen Mittelmeerraum hoch, obwohl die Sonne im Überfluss vorhanden war.

Daher empfehlen die Autoren, „Strategien wie die Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D und/oder der Vitamin-D-Supplementierung (…) um die Pandemie der Hypovitaminose D in Europa wirksam zu bekämpfen.“

Hättest du nicht gedacht, nicht wahr? Da, wo wir so gerne Urlaub machen, zum Beispiel in Sizilien, Ligurien (Cinque Terre, ein Traum!), in Venetien, in der Lombardei … oder in Griechenland, in der Türkei – wo auch immer – … ausgerechnet dort, wo doch so viel Sonne ist, haben Menschen oft Vitamin-D-Mangel.

Die DGE-Logik, „10 Minuten Mittagssonne auf den Armen reicht“, greift hier wohl nicht. Denn der Mensch verhält sich oft kontraintuitiv. Geht also gerade dann, wenn die Sonne besonders toll scheint und uns einen Bomben-Vitamin-D-Spiegel bescheren könnte, nicht in die Sonne. :-)

Und dann wird man halt zum Kellerkind. Blass und mit Vitamin-D-Mangel im Sommer – weil mehr drinnen als draußen. Was das mit der Psyche auf biochemischer Ebene macht, versteht man, wenn man etwas weiß …

Sowohl die Tyrosin-Hydroxylase (TyH) als auch die Tryptophan-Hydroxylase (TrH), ratenlimitierend zuständig für die Bildung Dopamin und Noradrenalin (TyH) und Serotonin bzw. Melatonin (TrH), werden von Calcitriol reguliert, also dem Vitamin D-Hormon. 

 

vitamin d dopamin serotonin

 

Oh! Man kann also festhalten. Vitamin D reguliert im Gehirn …

  • deinen Antrieb („Ich will“) und dein Durchhaltevermögen („Ich kann“)
  • als auch dein Glücksempfinden („Mir geht es gut“) und dein Schlaf („Ich schlafe gut ein und gut durch“)

Im Übrigen ist das in der Tat noch gar nicht alles. Vitamin D sorgt sogar zudem dafür, dass Serotonin länger im synaptischen Spalt verbleiben kann und langsamer abgebaut wird. Zitat: „… kommen wir zu dem Schluss, dass Calcitriol nicht nur die Serotoninsynthese anregt, sondern auch auf einer indirekten, molekular-genomischen Ebene die Wirkung von SSRI und MAO-Hemmern nachahmt und wahrscheinlich das Serotonin im ZNS erhöht“. (Studie) Crazy, nicht wahr?

Wenn diese Grundgefühle im Sommer hops gehen, dann liegt die Vermutung für dich vielleicht gerade nicht nahe, dass du einen Vitamin-D-Mangel hast. Kann aber passieren. Ganz schnell. Und dann fühlt man das Gegenteil:

  • Rastlosigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Keine Müdigkeit, obwohl sehr erschöpft
  • Energielosigkeit
  • Körperliche Erschöpfung
  • Stress

Denn der Körper wird in dem Zustand hypermetabolisch. Er schraubt seinen Energieverbrauch hoch, um mehr Fettsäuren aus dem Fettgewebe zu locken. Das wiederum soll Vitamin D aus dem Fettspeicher kitzeln. Leider klappt das nur nicht so gut.

Dieses Wissen solltest du auf dem Schirm haben. Vitamin D – täglich 2000 bis 10.000 IE – braucht man oft auch im Sommer und nicht nur im Winter.

PS: Es ergibt sich doch ein klares Bild, oder? Wenn ein Vitamin-D-mangelversorgter Karl Lauterbach in die Tasten haut und das Land mit seinem negativen Weltbild überschüttet. Wenn in diesem Land alle Standards zunehmend flöten gehen und alles immer mehr verweichlicht und das sogar per Gesetz zementiert werden soll. Dann weiß man, dass ein kranker Körper mit schwarzer Seele sein Innenleben aufs Außen projiziert. Aber Vitamin-D-Mangel gibt es natürlich nicht. Wie man das hasst, wenn man es durchschaut – denn es zeigt, wie es in Zukunft weitergehen wird. Dunkel.

Der Text ist von mir, Chris Michalk. Fast zwei Jahrzehnte war ich dem Leistungssport treu und studierte als Folge Biologie und drei Jahre Sport. Leistungsphysiologie war mein Hauptinteresse, das mich vor circa 15 Jahren dazu gebracht hat, Studien zu lesen. In Folge einer Stoffwechselerkrankung gründete ich den Blog edubily und verfasste zusammen mit meinem Kollegen Phil Böhm mehrere Bücher (u. a. "Gesundheit optimieren, Leistungsfähigkeit steigern"). Ich machte meinen Abschluss in zellulärer Biochemie (BSc, 1,0) – und neben meinem hier ausgelebten Interesse für "Angewandte Biochemie", bin ich zusammen mit Phil Böhm Geschäftsführer der edubily GmbH.

16 comments On Depressionen im Sommer (Vitamin D)

  • Hi,
    das habe ich mal bei mir selber messen lassen. Anfang Mai 48ng, dann nichts mehr genommen, weil ja Sommer -war glaube ich der heiße 2018 – und gedacht, viel an der Sonne, wenig an, vor allem in den 3 Wochen Urlaub. Nicht das der Vit D Wert zu hoch wird. September messen lassen und war baff: 20ng. Seitdem im Winter 10 000 I.E. und im Sommer 5000I.E. Nebenwirkung: keinen Brüllhusten seit 2016 mehr. Wenn mal ne „Erkältung“ max 3 Tage Lymphen geschwollen, das wars.

  • Es wäre toll, wenn Du noch die Cofaktoren in den Artikel mit aufnehmen könntest denn IMHO bringt _nur_ Vitamin D nicht so viel, wenn die Cofaktoren fehlen. Siehe z.B.
    https://www.vitamind.net/naehrstoffkombinationen-kofaktoren/

  • Ha, jetzt hat’s glaube ich klick gemacht! :-) Super, danke!

    Also Calcitriol reguliert jene Enzyme, die dann in weiterer Folge sozusagen die Geschwindigkeit bestimmen, wie schnell oder langsam die Hormone Dopamin, Noradrenalin und Serotonin, Melatonin gebildet werden, stimmt das so ungefähr?

    • ;-) genau. Mehr Calcitriol = mehr geschwindigkeitsbestimmende Enzyme für Bildung von Serotonin, Dopamin etc. = mehr Serotonin, Dopamin und Co. im Hirn

      • Dankeschön! *freu*
        Texte in „biochemischer Sprache“ zu lesen (und zu verstehen!) find ich manchmal gar nicht so einfach. :-)

        • Na ja so langsam solltest du ja das eine oder andere verstehen ;-) bist ja nicht erst seit gestern dabei

          • Das eine oder andere – vielleicht, ja. :-) So viel halt mit den vorhandenen kognitiven Einschränkungen möglich ist.

  • Hallo Chris,
    Mutmaßungen über den hypothetischen Blutwert von ’nem Politiker???
    Mit einem optimalen Vit. D-Spiegel sollte man doch optimistischer in die Zukunft blicken. :-)
    Trotzdem immer wieder danke für Euere Aufklärungsarbeit und das ständige „in den Hintern treten“.

  • denjenigen, die mehr über die Zusammenhänge von Vitamin D und Serotonin erfahren möchten, empfehle ich die Befassung mit der Arbeit von Patrick/ Ames

    “ Vitamin D hormone regulates serotonin synthesis. Part 1: relevance for autism“
    und
    „Vitamin D and the omega-3 fatty acids control serotonin synthesis and action, part 2: relevance for ADHD, bipolar disorder, schizophrenia, and impulsive behavior“

    Übersetzungen können von diesen Newsletters heruntergeladen werden:

    https://www.strunz.com/news/die-biochemie-des-gluecks.html
    https://www.strunz.com/news/die-biochemie-des-gluecks-teil-2.html

  • Die Dunkelmächte mögen stark sein – wir müssen dagegen eben unser inneres Licht umso mehr leuchten lassen! Was soll das eigentlich, daß sich eine geistige Elite, die nach genetischen Maxima strebt, von solchen Mißgeburten und deren Zombie-Armee auf der Nase herumtanzen lässt. Ich sage: Dieser Herbst und Winter wird den Parasiten ein großes Wundern bescheren.

  • „ein kranker Körper mit schwarzer Seele…“- weia, this made my day, Chris!

  • Danke für den aufschlussreichen Artikel!
    Zwar gibt es viele Ärzte und Menschen, die Null Wissen über diese Thematik haben, aber mir sind auch schon einige Endokrinologen, Psychiater etc. untergekommen, die bei Depressionen die Einnahme von Vitamin D empfehlen.

    Eine Frage bitte zu diesem Satz:
    »Sowohl die Tyrosin-Hydroxylase (TyH) als auch die Tryptophan-Hydroxylase (TrH), ratenlimitierend zuständig für die Bildung Dopamin und Noradrenalin (TyH) und Serotonin bzw. Melatonin (TrH), werden von Calcitriol reguliert, also dem Vitamin D-Hormon.«

    Das Wort »ratenlimitierend« … Dieses eine Wort „wurmt“ mich dermaßen, ich komme nicht und nicht dahinter, was es bedeutet, obwohl mir sowohl der Begriff „Raten“ als auch der Begriff „limitierend“ bekannt sind.
    Könnt ihr mir bitte weiterhelfen, den Satz irgendwie zu umschreiben, damit ich ihn besser verstehe?

    • Ratelimiting… geschwindigkeitsbestimmender Schritt in einer Enzym-abhängigen Reaktionskaskade. Heißt: Das „ratenlimitierende“ Enzym reguliert die Geschwindigkeit der kompletten Reaktionsfolge bis zum Produkt.

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