rip ulrich strunz

Dr. Strunz ist gestorben – ein Nachruf

Seltsame Zeiten: In den vergangenen Monaten habe ich zwei Nachrufe geschrieben – für Dr. McDougall und für Prof. Dr. Art de Vany.

Darüber hinaus sind auch Ray Peat und Mark F. McCarty in den vergangenen Monaten und Jahren gestorben.

Allesamt ältere Personen, die meinen Themenbereich stark geprägt haben.

Eine der für mich prägendsten Personen überhaupt ist am 7.6.26 verstorben:

Dr. Ulrich Strunz 

2007 und 2009

Das möchte ich zum Anlass nehmen, einmal ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Nach dem Abitur 2009 ging es mir gesundheitlich nicht gut. Ich war Leistungssportler, fühlte mich ausgebrannt und alt. Mein Körper spielte auf verschiedenen Ebenen verrückt. Ich quälte mich durch neun Monate Zivildienst.

Zuhause stapelten sich Bücher aus allen möglichen Themenfeldern. Ich war besessen davon, Gesundheit zu verstehen und den einen geheimen Weg zur Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit zu finden.

Gut zwei Jahre davor – wie das häufig so ist – griff ich blind in das Bücherregal einer Bekannten. In die Hände fiel mir Forever young – Das Erfolgsprogramm von einem Herrn Dr. Strunz. Der erste Kontakt.

Aus Zufall sollte ich 2009 dann durch eine Google-Suche wieder auf diesen Mann stoßen: Ich entdeckte seine News. Ab dann meine Bibel, die ich täglich studierte. Die News halfen mir, mich aus dem Loch zu holen.

Die Radikalisierung

Als ich mit 20 mein Sportstudium begonnen habe, waren die News Spezialwissen. Wenn ich mit meinem gekochten Lammfilet in die Mensa einlief, wurde ich komisch beäugt. Es waren andere Zeiten damals.

Ich wurde selbst zum Priester – die einen bewunderten es. Für andere war ich ein entgleister Extremiker. Sicher war ich letzteres. Aber körperlich war ich zu dieser Zeit ziemlich fit.

In meinem Rausch erfolgte der erste Kontakt zum werten Herrn Doktor. Die Mail sollte daraufhin auszugsweise in den News („Dumm gelaufen“) landen. Morgens um 7 Uhr beim Quarklöffeln mit dem Kumpel gelesen – an dem Tag waren wir Helden.

Ich musste jedoch zunehmend feststellen, dass mich mein Lebensstil nicht nur sozial isolierte. Die extreme Kohlenhydratrestriktion zusammen mit dem extensiven Sport machte mich krank. Mit jedem Jahr mehr.

5 % Körperfett über viele Jahre war mir nicht genug. Ich erfand immer neue Möglichkeiten, mich noch extremer reinzusteigern. Auch getrieben durch die News, leider.

Bei Dr. Strunz

Als der körperliche Zusammenbruch kam, wollte ich in meiner Not Hilfe. Von Dr. Strunz. Mit meiner damaligen Partnerin saß ich ein paar Tage später in seiner Praxis, die ein bisschen in den 90er-Jahren hängen geblieben war – mit sympathischen Petras an der Info.

Im Zimmer ganz hinten klopfte es einmal auf den Tisch, und es ertönte ein lautes Offizier-„Ja!“ den Flur entlang. Es war Zeit, vorstellig zu werden. Und da stand er plötzlich vor mir, mein Anker der letzten Jahre.

Vom Gespräch war ich enttäuscht. Es war keine Hilfe. Und ohne ins Detail zu gehen, endete es damit, dass wir uns auf dem Flur anblökten. Er war unverschämt, ich war frech – und die anwesenden Damen guckten entgeistert.

Das war für mich noch der symapathischste Teil der Reise im Jahr 2013. Auf der Rückfahrt beschloss ich, eine Stimme zu werden und den Leuten auch zu erklären, warum eine so radikale Ernährungsform schädlich sein kann.

2014 startete ich den Blog edubily.

Ohne Strunz vielleicht kein edubily

Im gleichen Jahr veröffentlichten wir unser erstes Buch, „Das Handbuch zu Ihrem Körper“. Ab 2015 hat Dr. Strunz mehrere News darüber und zu meinem Tun geschrieben. Ohne Absprache, einfach so.

Ohne Zweifel hat das dazu geführt, dass wir sehr schnell eine größere Reichweite bekommen haben. Er war vielleicht der Grund, warum es edubily in der Form heute gibt.

Ich habe mich oft gefragt, warum er das getan hat. Hat er sich an mich erinnert? An den frechen Jüngling, bei dem er – so seine Worte – einige Gemeinsamkeiten mit sich sah?

Ich weiß es nicht, aber es ließ mich nicht mehr los. Denn natürlich war ich in vielen Dingen nicht mehr seiner Meinung und widersprach vielen Thesen öffentlich.

Die Jahre vergingen

Über die Jahre habe ich Strunz nicht mehr so intensiv verfolgt, mich aber immer gefreut, wenn er doch mal wieder eine News verfasste. Er war ein Könner, dem ich gerne zugehört habe.

Richtung 80 wird’s kritisch. Da frage ich mich dann doch immer wieder, wie es dem- oder derjenigen so geht. Das war bei einem McDougall so, das war bei einem De Vany so. Und das war auch bei einem Doc Strunz so.

Wird er seinem Vorbild, Luis Trenker (97 geworden), beim Thema Altersgesundheit folgen können? Da ich nichts über die Todesursache von Dr. Strunz weiß, möchte ich an der Stelle gar nicht weiterspekulieren.

Fakt ist, es wurden 82 Jahre. Und die fast 20 Jahre seit 2007 vergingen wie im Flug.

Kritische Einordnung

Dr. Strunz war in einer wichtigen Phase meines Lebens die vermutlich prägendste Person. Und ich weiß, dass er vielen, vielen Tausenden Menschen geholfen hat, zu sich selbst zu finden und ein Leben im Wohlbefinden zu leben.

Er war häufig ein Licht, wenn es im Leben der Menschen am dunkelsten war. Das war seine Mission, das hat er sich auf die Flagge geschrieben und er hat es gelebt, wie vielleicht niemand sonst.

Seine unkonventionellen, teils genialen Ansichten waren für mich einzigartig. Erst später konnte ich das etwas besser einordnen und musste dann auch einiges relativieren bzw. neu sortieren.

Er war ein extrem polarisierender Charakter, ein Star-Influencer, lange bevor es Influencer gab. Diese extreme Polarisation war für mich in meinen jungen Jahren ein Leuchtturm – und ein Grund, warum ich selbst krank werden sollte.

Jetzt ist es passiert 

Ich muss gestehen, dass ich mir immer noch nicht vorstellen kann, dass er nie wieder seine News verfassen wird. Dass seine so clevere Sprache nie wieder zu lesen sein wird.

Sein Vermächtnis hat jedenfalls gigantische Ausmaße und lebt in den Menschen weiter. Und ich bin fest davon überzeugt, dass er dort, wo er jetzt ist, weiter radeln, joggen und vor sich hin schwimmen wird.

Machen Sie’s gut! 

 

Der Text ist von mir, Chris Michalk. Fast zwei Jahrzehnte war ich dem Leistungssport treu und studierte als Folge Biologie und drei Jahre Sport. Leistungsphysiologie war mein Hauptinteresse, das mich vor circa 15 Jahren dazu gebracht hat, Studien zu lesen. In Folge einer Stoffwechselerkrankung gründete ich den Blog edubily und verfasste zusammen mit meinem Kollegen Phil Böhm mehrere Bücher (u. a. "Gesundheit optimieren, Leistungsfähigkeit steigern"). Ich machte meinen Abschluss in zellulärer Biochemie (BSc, 1,0) – und neben meinem hier ausgelebten Interesse für "Angewandte Biochemie", bin ich zusammen mit Phil Böhm Geschäftsführer der edubily GmbH.

3 comments On Dr. Strunz ist gestorben – ein Nachruf

  • Hallo Chris
    Sehr treffend geschrieben, mir ist es genau gleich ergangen wie Dir!
    Mit sportlichem Gruss Bruno

  • Du bist nicht der Einzige, der enttäuscht nach der Audienz bei ihm war. Diese hatte ich im Herbst 2014, als ich bei ihm Hilfe suchte, die ich sonst nirgends bekomme – so dachte ich zumindest damals.
    Ich traf einen verbitterten, älteren Herren an, der wohl aufgrund seines Radunfalls auf Malle üble Schmerzen ertragen musste.
    Seine Ratschläge halfen mir jedenfalls nicht weiter, im Gegenteil. Ähnlich wie bei Dir.
    Allerdings triggerte er in mir den Bedarf nach mehr Information, was Ernährung und Lifestyle-Optimierung angeht.
    Als es mir am dreckigsten ging, bin ich Anfang 2015 dann auf edubily gestoßen… :-)

    • Danke für deine Erfahrungen.
      Ich habe das auch so in Erinnerung, dass er sehr verbittert war – er hat viel über sich und den Unfall gesprochen. Hat mich auch gewundert damals. Aber auch irgendwo verständlich vielleicht.

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