Protein ist Leben.
Im wahrsten Sinne des Wortes. Alles, was uns jetzt im Moment am Leben hält, ist Protein.
- Jede chemische Reaktion – Protein (Enzyme und Co.)
- Jeder Antikörper – Protein
- Jede Muskelfaser – Protein (kontraktile Filamente)
- Stimmung – Protein (Neurotransmitter!)
Natürlich geht es nicht immer um Protein an sich – also um lange, 3D-geformte Aminosäurenketten. Manchmal geht’s auch um die einfachsten Bausteine, die Aminosäuren.
- Beispiel: Serin im Alterungsprozess
- Beispiel: Arginin bzw. Citrullin als NO-Vorstufen
- Beispiel: Neurotransmitter, die eine Aminosäure als Vorstufe haben
Wer durch Infekte, Sport, Stress, hohe Kalorienumsätze und so massiv Protein verbraucht oder nicht mit der Proteinzufuhr nachkommt, wird vom Körper bestraft.
Kann ich persönlich aus fast zwei Jahrzehnten Erfahrung mit Protein bestätigen. Mit zu wenig Protein fühlst du dich elend – daher giert dein Körper jeden Tag nach diesen wertvollen Bausteinen.
Protein ist ganz böse
Doch nicht jeder sieht das so.
Valter Longo ist ein berühmter Langlebigkeitsforscher. Seine Forschungen sind mir auch seit langer Zeit bekannt. Der hat der ZEIT ein Interview gegeben. Tenor: Protein böse, verkürzt Lebensspanne.
Und jeder, der seit 2014 mal mein „Handbuch“ gelesen hat, weiß, dass da was dran ist. Die Zelle kennt nämlich nur zwei Zustände: Erhalt (Langlebigkeit) vs. Wachstum. Uralt in jeder Zelle bis zum Einzeller kodiert.
Longo weiß: Bei hoher Aminosäurenverfügbarkeit aktiviert die Zelle das Programm Wachstum. Daher lassen sich in Modellorganismen durch Proteinrestriktion – also das Gegenteil – Lebensspannen der Tiere verlängern.
Blöd nur, dass man die nie fragt, wie es ihnen damit geht. Außerdem leben wir nun mal nicht in einem sterilen Käfigumfeld, in dem nichts passiert – das also mit den Problemen des menschlichen Daseins wenig zu tun hat.
Wer es ausführlicher mag, der darf gerne diese Analyse von mir lesen.
Die Wahrheit auf unserem Speiseplan ist eigentlich, dass die Proteinqualität und Aminosäurenverfügbarkeit bei den meisten Menschen gar nicht passt – dass denen also konstant wichtige Aminosäuren fehlen.
Protein ist Longevity
Bei dem Thema denke ich immer an die armen Alten. Die dann irgendwann nur noch den Rollator schieben und gar nicht verstehen, dass der Muskel nicht weiß wie er alt ist und auch im hohen Alter nur darauf wartet, trainiert zu werden.
Training heißt aber: Durch wiederholende Stimuli systematisch Wachstumsreize setzen. Und dann die Bausteine, nämlich hochwertiges Protein zuführen. Longevity ganz real.
Im Wissenschaftsmagazin Sciencedaily wird gerade erklärt, dass Protein das am meisten übersehene „Supplement“ im Alter ist – nicht Vitamine und Co. Denn:
Eine unzureichende Zufuhr kann zu Sarkopenie führen, dem altersbedingten Verlust von Muskelmasse und -kraft, wodurch sich das Risiko für Stürze, Gebrechlichkeit und den Verlust der Selbstständigkeit erhöht.
Erst im Mai wurde berichtet, dass MIT-Forscher herausgefunden haben, dass die Aminosäure Cystein (viel in Eiern) die Darmregeneration anregt. Dass Cystein also real dafür sorgt, dass der Darm heilt – die wollen das jetzt bei Krebspatienten testen.
Longevity ganz real.
Das Salk Institute publizierte soeben eine Studie, in der die Aminosäure Methionin „die Überlebensrate von Mäusen, die unter schweren Infektionen litten, dramatisch verbesserte“. Weil sie die Funktion der Nieren verbessert.
Longevity ganz real. Die Autoren konstatieren:
Unsere Ergebnisse ergänzen die wachsende Zahl von Belegen dafür, dass gewöhnliche Nahrungsbestandteile als Arzneimittel eingesetzt werden können.
Überleg dir gut, was du (nicht) isst
Und ihr wollt Protein meiden.
Ich mein, das kann man schon machen. Aber ihr seid weder Hefezelle im Bottich (mit denen habe ich gearbeitet) noch irgendwelche Mäuse im Käfig, die mit dem Leben nichts zu tun haben.
Ihr seid Menschen, die konstant Aminosäuren verlieren und die – unwissend – konstant das Problem haben, die Bausteine über die Nahrung hochwertig zu ersetzen.
Aber Bilder bestimmen unsere Realität. Wer an Protein denkt, denkt häufig an Massentierhaltung, an das böse rote Fleisch oder die herzinfarkterzeugenden Eier. Alles falsch. Aber vielleicht absichtlich so gesteuert.
Longo vergleicht „den Proteintrend“ nicht unabsichtlich mit Rauchen. Das sitzt.
Man muss sich nicht mit Proteinpuddings mästen. Aber selbst darüber seine Aminosäuren zu bekommen, ist besser, als zu wenig davon zu haben.